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Öl- und Gassparte : Die BASF bereitet ein Angebot für Dea vor

  • -Aktualisiert am

Auf Öl gestoßen: Förderplattform Mittelplate in der Nordsee Bild: obs

BASF ist nicht nur Chemie, sondern betreibt auch eine Öl- und Gassparte. Die arbeitet an einer Milliardenofferte – für die RWE-Gesellschaft Dea. Bis Januar läuft die Frist. Eine Schwierigkeit aber bleibt.

          Der weltgrößte Chemiekonzern BASF bereitet nach Informationen dieser Zeitung eine Offerte für die RWE-Öl- und Gasfördergesellschaft Dea vor. Die Abteilung M&A (Mergers & Acquisitions, Fusionen und Übernahmen) bei BASF arbeite intensiv an einem solchen Angebot, das mehrere Milliarden Euro wert wäre, verlautete aus Finanz- und Branchenkreisen. Interessenten müssten unverbindlich Gebote für Dea spätestens in der Woche einreichen, die am 13. Januar beginne, hieß es.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          RWE hatte im März angekündigt, Dea zum Verkauf zu stellen. Der Versorger lässt sich dabei von der Investmentbank Goldman Sachs beraten. BASF würde damit eine Sparte stärken, die die Ausnahmestellung dieses Unternehmens in der Chemieindustrie begründet: Es betreibt in Form der Tochtergesellschaft Wintershall eine eigene Öl- und Gaseinheit. Sie trägt erstens überproportional zum Gewinn des Gesamtkonzerns bei: Gut ein Sechstel des Umsatzes entfällt auf Öl und Gas, aber rund ein Viertel des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird in diesem Bereich erwirtschaftet. Zweitens sichert sich BASF damit intern gegen Preisschwankungen seiner Rohstoffe ab: Steigt der Ölpreis, dann erhöhen sich die Herstellungskosten vieler Produkte im Hauptgeschäft Chemie, dafür profitiert die Öl- und Gassparte. Sinkt der Ölpreis, verhält es sich umgekehrt.

          Obwohl dies als strategischer Vorteil gelten kann, stören sich manche Investoren an dem Mischkonstrukt, weil am Kapitalmarkt zunehmend reinrassige Unternehmen einer Branche gefordert werden. Daher wird in der BASF – Unternehmensslogan: „The Chemical Company“ – auch intern diskutiert, ob ein Zukauf wie Dea mit 2 Milliarden Euro Umsatz und einem Ebitda von 1 Milliarde Euro die Balance zu stark in Richtung Öl und Gas verschöbe und ob die Milliardenbeträge nicht besser in die Chemie investiert würden.

          BASF ist nicht die einzige Interessentin

          Dea wäre zum einen auch nach BASF-Maßstäben kein völlig kleiner Zukauf; in Finanzkreisen ist die Rede von einem Betrag in der Größenordnung von 5 Milliarden Euro. Zum anderen ist das Geschäft generell kapitalintensiv und erforderte Milliarden Euro in den Folgejahren. Gravierender noch ist ein anderes Thema: Dea ist auch stark in Ägypten aktiv, und die politisch unsichere Situation bedeutet ein Risiko für das Geschäft. Mit solchen Unbilden hat BASF schon an anderer Stelle zu kämpfen: in Libyen beispielsweise, wo der Konzern wegen Unruhen die Erdölförderung aussetzen musste.

          BASF lehnte eine Stellungnahme ab. Einziger öffentlicher Kommentar ist bisher eine allgemein gehaltene Aussage von Wintershall-Chef Rainer Seele im März, kurz nachdem RWE Dea zum Verkauf gestellt hatte. „Wir prüfen generell alle attraktiven Akquisitionsmöglichkeiten im Markt“, sagte er damals. „Auch die RWE Dea prüft die Wintershall.“

          BASF ist nicht die einzige Partei, die bisher Interesse an Dea gezeigt hat. Der Finanzinvestor KKR hat sich dem Vernehmen nach mit der kuweitischen Ölgesellschaft Kufpec zusammengschlossen, um ein vorläufiges Gebot zu erstellen. Der russische Milliardär Michail Fridman soll ebenso interessiert sein.

          Für weniger Abhängigkeit vom russischen Gasmarkt

          BASF hat noch einen knappen Monat Zeit. Wie zu hören ist, sollte die Frist ursprünglich bis zum 11. Januar laufen, endet nun aber erst in der Folgewoche. Bis dahin hält man sich die Tür offen. „Das wird erst dann entschieden, wenn es entschieden werden muss“, sagte eine Person, die mit dem Verfahren vertraut ist.

          Wintershall hatte erst vor wenigen Wochen 14 Lizenzen in Großbritannien an den ungarischen Energiekonzern MOL verkauft. Begründung: Mit der Veräußerung „nicht-eigenoperierter Assets“ könne sich der Konzern in der Nordsee auf die Produktion eigenoperierter Felder konzentrieren, wie Wintershall-Chef Rainer Seele sagte. Ihr Portfolio eigener Gasfelder in Europa jedenfalls könnte Wintershall mit dem Kauf von Dea stark ausbauen und damit eines ihrer strategischen Ziele weiterverfolgen. Die RWE-Tochtergesellschaft fördert ihr Gas nämlich zu großen Teilen in Deutschland, Großbritannien und Norwegen. Das würde auch erklären, warum sich BASF-Chef Kurt Bock seit Monaten für Fracking in Deutschland stark macht. Immerhin werden in Deutschland noch immer knapp 12 Prozent des heimischen Erdgasverbrauches gefördert. Mit 1,2 Milliarden Barrell „Öläquivalente“ verfügen Dea und BASF über ähnlich große und als gesichert geltende Öl- und Gasreserven.

          Mit dem Kauf könnte die BASF ihre Abhängigkeit vom russischen Gasmarkt und dem dortigen Partner Gasprom reduzieren, zumal Dea dort überhaupt nicht präsent ist.

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