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Barack Obama in München : „Greta sollte so etwas nicht machen müssen“

Hat Hochachtung vor Greta Thunberg: Barack Obama Bild: AFP

Barack Obama besucht eine Gründermesse in München. Seine Botschaft an Unternehmer und Politiker: Steuern zahlen lohnt sich, Regulierung ist etwas Gutes, diverse Teams sind kreativer. Und Erwachsene sollten auch erwachsen handeln.

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          Barack Obama hat Unternehmern, Gründern und Politikern in München ins Gewissen geredet. Er mahnte dazu, stärker zu beachten, dass sie auf der Basis eines Gesellschaftsvertrags handeln, der ihre Geschäfte überhaupt erst möglich macht. Dazu gehöre es, als reicher Mensch Steuern zu bezahlen, die Vorteile einer staatlichen Regulierung zu erkennen und Marktmacht nicht zu groß werden zu lassen. „Man muss Steuern bezahlen, auch als reicher, erfolgreicher Mensch im Silicon Valley“, sagte der 44. Präsident der Vereinigten Staaten zur Eröffnung der Gründermesse „Bits & Pretzels“ vor rund 8000 Zuhörern: „Es reicht nicht, so wenig Regulierung wie möglich zu fordern, um dem freien Geist freien Lauf zu lassen.“ Wer sehen wolle, wohin das führe, der solle sich in einem Staat wie Somalia umsehen: „Es funktioniert nicht so gut. Die erfolgreichsten Staaten, wie Singapur oder Norwegen oder die Vereinigten Staaten zu einer anderen Zeit, dort findet man eine Verbindung von Freiheiten und einer Vorstellung von gemeinsamen Zielen“.

          Gesetze seien wichtig, aber auch geistiges Eigentum, das geschützt wird, und Monopolgesetze, um zu große Unternehmen aufzuspalten. „Die Zahl der Börsengänge in den Vereinigten Staaten geht auch deshalb zurück, weil einige Große einfach einen viel zu hohen Marktanteil haben“, sagte Obama, der aber davor zurückschreckte, konkret die Aufspaltung von Amazon, Google und anderen großen Technologieunternehmen zu fordern.

          „Eine Regulierung darf nicht zu früh einsetzen, aber letztlich muss es geschehen wie in einem Wald, wo irgendwann eine Bewirtschaftung einsetzt“, umschrieb Obama das Problem. „Die Unternehmen sollten mit den Politikern zusammenarbeiten, um den Herausforderungen zu begegnen. Das erfordert aber ein Grundvertrauen zwischen Unternehmen und Politik“, sagte der Vorgänger von Donald Trump – gewiss auch mit einer Anspielung auf seinen Nachfolger.

          Die nächste Herausforderung in diesem Kontext sei die Einführung Künstlicher Intelligenz. „Es ist ein großes Versprechen, aber es fängt gerade erst an. Und während wir diese Technologien einführen, müssen wir noch viele Fragen beantworten – Unternehmen müssen das antizipieren.“ Das gelte auch für Facebook oder Google: Wenn man vorher nicht ausreichend über mögliche Antworten auf ethische Fragen nachdenke und dann etwas passiere, dann bekomme man das schlechteste aus beiden Welten. „Wir wollen die Vorteile von Innovationen – aber wir brauchen eine öffentliche Debatte darüber, wie diese Unternehmen weiter ihre Geschäfte machen können und zugleich die Bedürfnisse der Gesellschaft berücksichtigt werden.“

          Um als Unternehmer künftig erfolgreich zu sein, gelte es zudem, diverse Teams aus Frauen und Männern mit unterschiedlichster Herkunft zu führen: „Mehr Diversität ist ein Antrieb für Exzellenz, es geht dabei nicht darum, politisch korrekt zu sein. Es tut der Organisation gut. Alle von uns haben Stärken und Schwächen, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven. Je stärker die Mischung unterschiedlicher Ansichten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für frische Ideen.“ Wenn man Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten habe, funktionierten die Unternehmen besser, ist Obama überzeugt.

          Mit Blick auf die Diskussion über den Klimawandel sagte Obama, es reiche nicht, in nachhaltige Technologien zu investieren, man müsse auch darüber reden, warum sie wichtig sind. Und Regierungen müssten diese Technologien finanziell fördern. „Andere Branchen wie Stahl und Kohle haben zuvor ebenfalls von erheblichen staatlichen Subventionen profitiert. Also brauchen das die Erzeuger nachhaltiger Energien auch“, findet Obama. Mit Blick auf Greta Thunberg und ihre „Fridays for Future“-Bewegung sagte Obama: „Sie trägt eine Last – eine Sechzehnjährige sollte so etwas nicht tun müssen. Diejenigen von uns, die behaupten, sie seien erwachsen, sollten auch so handeln.“ Das Talent und der Idealismus von jungen Leuten werde zu häufig geblockt. „Auch von alten Menschen wie mir.“

          Das Ziel seiner eigenen Stiftung sei es daher, dass es für junge Menschen nicht so schwer ist, eine Plattform für ihre Ideen zu finden.

          „Ich möchte Ökosysteme des Aktivismus schaffen, auch, um die schlechten Entwicklungen auf Social-Media-Kanälen überzukompensieren“, sagte Obama.

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