https://www.faz.net/-gqe-y6qz

Nutzfahrzeuge : MAN nach Samuelssons Zeiten

Weiter arbeiten: Montage bei MAN Diesel Bild: ddp

Nach dem überraschenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden stellt sich die Frage nach dem Nachfolger der Spitze des Industriekonzerns. Der kommissarische Chef Georg Pachta-Reyhofen könnte dauerhaft zum neuen Firmenlenker ernannt werden.

          Noch am Montagvormittag lud der MAN-Konzern zum traditionellen vorweihnachtlichen Kamingespräch mit der Presse am 18. Dezember ein. Da wollte Hakan Samuelsson eigentlich eine Tour d`Horizon machen – einschließlich Korruptionsaffäre. Die wollte der Konzern eigentlich zu größten Teil bis dahin abgearbeitet haben. Nur wenige Stunden nach der Einladung erschütterte die Nachricht über den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden die Unternehmenszentrale in der Münchener Ungererstraße. Samuelsson hat die Verantwortung für den Korruptionsskandal übernommen, der im Mai durch eine Großrazzia von Staatsanwaltschaft, Polizei und Finanzbeamten schlagartig bekannt wurde.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Hätte sich die für viele Mitarbeiter als Hiobsbotschaft empfundene Nachricht seit längerem abgezeichnet, die Einladung zum Kamingespräch wäre wohl nicht mehr verschickt worden. Sehr schnell verschwand das Konterfei von Samuelsson im Internetauftritt des Münchener Industriekonzerns, der Lastwagen, Busse, Dieselmotoren und Turbomaschinen im Angebot hat. Stattdessen ist Georg Pachta-Reyhofen an die Spitze gerückt – „kommissarisch“, wie es heißt. Der 54 Jahre alte Manager führt den Konzern parallel zu seiner bisherigen Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Tochtergesellschaft MAN Diesel mit Sitz in Augsburg.

          Aus dem kommissarischen Chef könnte ein dauerhafter werden. Denn im Unternehmensumfeld kursieren Gerüchte, wonach Pachta-Reyhofen tatsächlich zum künftigen Konzernchef berufen werden könnte. Ihm wird als Maschinenbauingenieur die neue Aufgabe zugetraut. Er ist zudem durch seine Vorkenntnisse breit aufgestellt, weil er das Lastwagenwerk in der Türkei mit aufgebaut hat. Eingetreten in den Konzern ist er 1986, wo er in der österreichischen Tochtergesellschaft begann, die heute für MAN Militärfahrzeuge herstellt. In den Konzernvorstand kam er im Juli 2006. Er übernahm die Verantwortung für den Bereich Dieselmotoren.

          Wolfsburg plant enge Verzahnung von MAN, Scania und VW geplant

          Es überrascht etwas, dass der 53 Jahre alte Anton Weinmann als Vorstandschef der mit Abstand größten Konzernsparte Nutzfahrzeuge das Nachsehen hat. Während Diesel und Turbo bislang noch relativ robust durch die Krise kommen, schreibt die Nutzfahrzeugsparte in den ersten neun Monaten ohne die neue Tochtergesellschaft in Brasilien Verluste von 59 Millionen Euro. Der Auftragseinbruch von 53 Prozent als Folge der Wirtschaftskrise zwingt zur größten Aufmerksamkeit. So gesehen wäre eine Übernahme der Gesamtverantwortung durch Weinmann naheliegend gewesen. Gegen ihn spricht jedoch, dass er Betriebswirtschaftler und Zahlenmensch ist, damit wenig technische Vorkenntnisse hat.

          Pachta-Reyhofen ist derzeit federführend mit der zum Januar 2010 geplanten Zusammenführung der beiden Konzernsparten Dieselmotoren und Turbomaschinen beschäftigt. Sie sollen nicht nur ein stärkeres Gegengewicht zum dominierenden Nutzfahrzeuggeschäft bilden. Sie könnten im Falle der geplanten umfassenden Neuordnung der Nutzfahrzeugsparte im Volkswagen-Konzern separiert, veräußert oder an die Börse gebracht werden. Volkswagen, mit 29,9 Prozent größter Aktionär des Dax-Konzerns MAN, hält zugleich die Stimmenmehrheit von knapp 71 Prozent am schwedischen Konkurrenten Scania. Die Wolfsburger planen eine engere Verzahnung von MAN, Scania und VW Nutzfahrzeuge. Schon am Montag wurde der Rücktritt von Samuelsson von manchen Analysten als Zeichen gewertet, die Integration könnte beschleunigt werden.

          Weitere Themen

          Herbe Enttäuschung von Netflix

          Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

          Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

          Topmeldungen

          Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

          Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Teurere Flugtickets – fürs Klima?

          Die Bundesregierung berät über Klimaschutzmaßnahmen, die EU-Innenminister streiten über die Flüchtlingsverteilung – und in Königswinter beginnt der Petersburger Dialog. Was heute sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.