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Nutzfahrzeuge : Keine Dreckschleudern

  • Aktualisiert am

Lastwagen sind sauberer, als viele glauben. Die Abgasvorschriften werden mit der SCR-Technik, die führende Nutzfahrzeughersteller serienmäßig einbauen sogar unterschritten.

          An Vorurteilen mangelt es nicht. Zu laut und zu durstig seien Lastwagen und echte „Dreckschleudern“ noch dazu. In der Feinstaub-Debatte bei Dieselmotoren tritt die Nutzfahrzeugindustrie den Gegenbeweis an. „Die Nutzfahrzeugindustrie hat zu Unrecht mit einem Imageproblem zu kämpfen, die Wahrheit sieht anders aus: Jeder vierte Lastwagen über 12 Tonnen erfüllt in Deutschland schon heute die Euro-5-Norm“, sagt Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

          Im Vergleich zur heute noch gültigen Abgasvorschrift Euro 3 sind Euro-5-Trucks sehr viel sauberer: 60 Prozent weniger Stickoxyde, 80 Prozent weniger Partikel, 30 Prozent weniger Kohlenmonoxyd. Eine Bilanz, die sich nach Einschätzung des VDA sehen lassen kann, erst recht, weil die strenge Abgasminderungsstufe Euro 5 in Europa erst im Oktober 2009 in Kraft tritt.

          Fahrzeughersteller halten Grenzwerte ein

          Ab Oktober dieses Jahres müssen Lastwagen nur die weniger strenge Euro-4-Norm erfüllen, um den vom Gesetzgeber verlangten Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Das erscheint auch vor dem Hintergrund eines in den letzten zehn Jahren stark gestiegenen Lastwagenbestands in Deutschland zwingend erforderlich. Denn mit der Zahl der Fahrzeuge nahmen auch die Fahrleistungen von schweren Lastwagen und Sattelzugmaschinen im Transitland Deutschland erheblich zu.

          Die fünf Nutzfahrzeughersteller Mercedes-Benz, DAF, Iveco sowie Volvo und Renault haben sich zur Einhaltung beider Grenzwerte der sogenannten SCR-Technik (Selective Catalytic Reduction) verschrieben. MAN und Scania greifen bei den Dieselmotoren für die Euro-4-Norm noch auf die einfachere Abgasrückführung zurück, nutzen für Euro 5 aber ebenfalls SCR.

          SCR ist Verkaufsschlager in Deutschland

          „Die SCR-Technik wird in Zukunft auch bei Personenwagen zum Einsatz kommen. Oft genug war die Nutzfahrzeugindustrie technologischer Vorreiter“, sagt VDA-Präsident Gottschalk. Damit SCR überhaupt funktioniert, ist das Hilfsmittel „Adblue“ nötig, eine wäßrige Harnstofflösung, die Stickoxyde in einem Katalysator abbaut.

          In Deutschland erweist sich SCR als echter Verkaufsschlager: In den ersten sieben Monaten wurden hierzulande schon 10.100 Euro-5-Trucks neu zugelassen, im gesamten Vorjahr waren es 5.000 Fahrzeuge. Der Marktanteil bei den Lastwagen über 12 Tonnen sprang nach VDA-Angaben von 9 auf 25 Prozent. „Zur schnellen Verbreitung der Technologie im europäischen Raum werden Benutzervorteile für Euro-5-Fahrzeuge führen, mit denen gerechnet werden muß“, sagt Gottschalk.

          Hilfreich wäre beispielsweise eine Lkw-Maut, die nach der jeweiligen Schadstoffklasse gestaffelt ist, so wie sie sich EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot wünscht. In Österreich scheitert eine solche Differenzierung heute noch an dem dort technisch einfachen Maut-System, in der Schweiz dagegen gibt es eine Differenzierung, allerdings nach Euro 1, 2 und 3. Mit einer Weiterentwicklung auf Euro 4 und 5 ist zu rechnen. Und dann könnte die SCR-Technologie für die deutschen Hersteller zu einem Exportschlager werden.

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