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Nutzfahrzeuge : Die mühsame Rückkehr der Lastwagenbauer

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25 Meter: Gigaliner sind relativ sparsam, aber auch relativ lang Bild: AP

Anders als die Autohersteller findet die Branche nur langsam aus dem Konjunkturtal heraus. Und am Horizont zeigt sich ein neues Hindernis: schärfere Umweltauflagen durch die EU. Sie zwingen zum technischen Wandel.

          Während die Autoindustrie vom Exportboom aus der Krise katapultiert wird, haben die deutschen Nutzfahrzeughersteller gerade einmal den Tiefpunkt überwunden: Im ersten Halbjahr verkauften Unternehmen wie Daimler und MAN hierzulande laut dem Verband der Autoindustrie (VDA) mit 129.100 Lastwagen und Bussen nur 7 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Rezessionsjahrs 2009. Allerdings wuchs gleichzeitig dank des Exports die Inlandsproduktion um 40 Prozent auf 158.000 Einheiten. Zudem deutet auch der Auftragseingang, der im Vergleich zum außergewöhnlich schwachen Vorjahr fast verdoppelt wurde, auf eine Markterholung hin. Jeder zweite Lastwagen wird mittlerweile in China verkauft.

          "Die Nutzfahrzeugindustrie hat dem Orkan, der 2009 über die Märkte fegte, standgehalten und in der Krise ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann kürzlich auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt. Bis das Niveau des Jahres 2008 wieder erreicht wird, dürfte es aber noch zwei Jahre dauern. Das gilt auch für den Arbeitsmarkt der Lastwagenbranche: Beim Marktführer Daimler Trucks ist die Zahl der Beschäftigten binnen eineinhalb Jahren von gut 79.000 auf jetzt 70.000 gesunken.

          Extralange Brummer im Feldversuch

          Dabei könnte die Branche eine schnelle Erholung gut gebrauchen. Die Lastwagenhersteller müssen Milliardenbeträge investieren, um von 2013 an verschärfte staatliche Auflagen gegen den Ausstoß von Abgasen (Euro VI) und Kohlendioxid zu erfüllen. Dazu wird nicht nur auf optimierte Verbrennungsmotoren und Elektroantriebe gesetzt. Im Gespräch sind unter anderem auch "Monster-Trucks". Das sind gut 25 Meter lange Lastwagen, die weniger Kraftstoff je Kilogramm transportierter Last verbrauchen. In Deutschland sind sie verboten, werden aber in einem Feldversuch des Bundesverkehrsministeriums ausprobiert. In Schweden sind die extralangen Brummer längst üblich, deutsche Autofahrer hassen sie, weil man so lange fürs Überholen braucht.

          Doch der Umweltschutz wird vieles verändern: "Mit fast einem Viertel der CO2-Emissionen in Europa ist der Verkehr einer der größten Verursacher von Treibhausgasen", sagt Michael Betz von der Unternehmensberatung PE International. Zudem nähmen die Emissionen im Verkehr zu, anders als in anderen Sektoren. Da künftig mit einem steigenden Güteraufkommen zu rechnen sei, müssten Wachstum und Emissionen entkoppelt werden. Auch Georg Pachta-Reyhofen, der Chef des Münchener Lastwagenherstellers MAN, rechnet mit einer rund um den Globus deutlich wachsenden Nutzfahrzeugflotte. "Darin sind sich Verkehrsexperten einig", sagt Pachta-Reyhofen. Dem wachsenden Energiebedarf stünden nur endliche fossile Energieressourcen gegenüber. Das werde die Kraftstoffpreise treiben. In großen Städten sei mit strengeren Umweltzonen zu rechnen, in die nur noch batteriebetriebene Nullemissions-Fahrzeuge einfahren dürften.

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