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Frankreich : Anti-Betrugsbehörde ermittelt wegen Nutella-Aktion

  • Aktualisiert am

Nutella-Gläser in einem Supermarkt in Nizza Bild: Reuters

Sehr billige Riesen-Nutellagläser haben in der vergangenen Woche Tumulte in französischen Supermärkten ausgelöst. Doch womöglich war die Aktion nicht ganz sauber.

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          Man kennt die Bilder vom Schlussverkauf oder von der Einführung eines neuen iPhone: In Frankreich hat in der vergangenen Woche jedoch der Brotaufstrich Nutella tumultartige Szenen in den Supermärkten ausgelöst. Denn die Intermarché-Kette bot die Haselnusscreme für eine begrenzte Zeit zu einem 70-Prozent-Rabatt an – 1,41 Euro für 900 Gramm statt 4,50 Euro. Im ganzen Land, so berichteten Lokalzeitungen, kam es nicht nur zu langen Schlangen, sondern teilweise auch zu Rempeleien und Handgreiflichkeiten.

          „Es war ein richtiger Aufstand", sagte eine Angestellte eines Supermarktes in Forbach in Lothringen, „die Leute sind übereinander hergefallen und haben alles umgestoßen, wir waren kurz davor, die Polizei zu rufen.“ In den sozialen Netzwerken kursierten Videos, in denen viele Verbraucher nicht von ihrer vorteilhaften Seite zu sehen sind: Begleitet von viel Geschrei, stürzten sie sich regelrecht auf die begehrte Ware. Häufigster Kommentar der Herumstehenden: „Das ist nicht normal“.

          Doch die spektakuläre Rabattaktion hat Folgen: Die zuständige Abteilung des Wirtschaftsministeriums kündigte am Montagabend an, wegen des Preisnachlasses gegen die Supermarktkette Intermarché zu ermitteln. Sie wolle „die Rabattaktion genau untersuchen“. Der Nutella-Hersteller Ferrero hatte die Entscheidung von Intermarché scharf kritisiert. Sie habe „Verwirrung und Enttäuschung bei den Verbrauchern“ ausgelöst.

          Künftig sollen solche Rabattaktionen nicht mehr so leicht möglich sein. Die französische Regierung stellt am Mittwoch ein Gesetz vor, nach dem große Supermärkte ihre Produkte mindestens zehn Prozent über Einkaufspreis verkaufen müssen. Damit sollen unfaire Praktiken verhindert werden. Intermarché kündigte unterdessen neue Preisnachlässe an – unter dem Motto „Die vier billigsten Wochen in Frankreich“.

          Nutella-Hersteller Ferrero war schon kürzlich mit einer Debatte konfrontiert, weil er das Rezept für den Brotaufstrich leicht änderte. Die Creme enthält nun etwas weniger Kakao und dafür mehr Milchpulver. Dass die Mischung der Creme weiter gut ankommt, steht außer Frage - vor allem natürlich bei den Kindern. Selbst im Hause eines überzeugten Grünen wie Yannick Jadot ist das so. Der Europa-Abgeordnete der Parteiengruppierung Europe-Ecologie-les-Verts räumte ein, dass sein Nachwuchs am liebsten zu Nutella greift. „Es gibt bei uns alternative Aufstriche, doch die Kinder wollen immer nur Nutella“. Die Bio-Brotaufstriche oder jene aus dem Spezialhandel zugunsten armer Kleinbauern können nicht mithalten. „Nutella hat mit seiner Marke einen solchen Raum eingenommen und dabei einen Geschmack durchgesetzt, der es schwer macht, davon wieder wegzukommen“, sagte Jadot.

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