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Drastisch weniger Mitarbeiter : Nur zusammen haben Deutsche und Commerzbank eine Zukunft

Der Commerzbank-Turm in der Frankfurter Skyline Bild: Michael Braunschädel

Weder die Deutsche noch die Commerzbank haben in ihrer heutigen Form eine Perspektive. Ein Zusammenschluss hätte nur einen Sinn, wenn sie danach die Zahl der Filialen und der Mitarbeiter drastisch reduzieren. Ein Kommentar.

          Am 10. September 2016 erschien im Wirtschaftsteil der F.A.Z. und auf FAZ.NET ein Leitartikel, der auf mittlere Sicht die Logik eines Zusammengehens von Deutscher Bank und Commerzbank herleitete. Nicht zufällig erhalten Spekulationen über ein solches Projekt wieder Auftrieb. Denn weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank besitzen auf längere Sicht in ihrem heutigen Zuschnitt eine Perspektive. Wer sich in der Frankfurter Finanzszene umhört, muss sich daher nicht über eine wachsende Aufgeschlossenheit für einen Zusammenschluss wundern.

          Unter Martin Zielkes energischer Führung hat die Commerzbank ihr Geschäftsmodell gestrafft und ein lobenswertes Kostenbewusstsein entwickelt. Aber die strategische Achillesferse der Bank bleibt ihre Unfähigkeit, mit den vorhandenen Ressourcen ihre Erträge deutlich zu steigern. Die Commerzbank verdient Geld, aber nicht genug, um auf Dauer die für eine Expansion notwendigen Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren. In ihrer heutigen Verfassung könnte die Commerzbank zweifellos noch lange am Markt bleiben. Aber sie besitzt in dieser Form keine Zukunft mehr.

          Sewing muss im Investmentbanking aufräumen

          Die Ansprüche der Deutschen Bank, zumindest im europäischen Geschäft eine bedeutende Rolle zu spielen, sind angesichts ihres Zustands schon lange ein Witz, über den selbst in den Doppeltürmen an der Taunusanlage niemand mehr lachen dürfte. Aus strategischer Sicht ist die Bank an einem Punkt angelangt, an dem sie aus eigener Kraft nicht mehr viel bewegen kann. Immerhin verbindet sich mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing die Hoffnung auf eine konsequentere Führung im Tagesgeschäft, die der Bank nur gut tun kann. Aber das reicht nicht.

          Die Logik eines Zusammenschlusses von Deutscher Bank und Commerzbank liegt nicht im Aufbau eines veritablen Bankriesen. Dafür sind die beiden Häuser gar nicht groß genug. Die Logik läge, wie bei vielen Fusionen in der Industrie, in der Möglichkeit, erhebliche Kosten einzusparen – mit weitreichenden Konsequenzen. Ohne die Bereitschaft, hier konsequent vorzugehen, hätte ein Zusammenschluss aber keinen Sinn. Vermutlich gäbe es am Ende dieses Prozesses einen leer stehenden Bankenturm in Frankfurt und eine drastische Reduzierung der Zahl der Filialen. Voraussetzung für einen Zusammenschluss wäre zunächst ein Aufräumen Sewings im Investmentbanking der Deutschen Bank. Nicht zufällig tut er das gerade. Denn mit einem Schwarzen Loch in ihrer Bilanz ist die Bank kein akzeptabler Partner.

          Die Zeit, sie eilt und sie kümmert sich nicht um Traditionen. Die Aktie der Commerzbank wird wohl bald aus dem Dax fliegen und durch die Aktie des Finanzunternehmens Wirecard ersetzt werden, das an der Börse mehr wert ist als die Deutsche Bank. Die alte deutsche Bankenherrlichkeit gehört schon lange der Vergangenheit an. Jetzt geht es um die Zukunft.

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