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Technik zu Weihnachten : Handyverbot an Heiligabend?

Hauptsache, lächeln: Weihnachten analog und digital Bild: Imago

Nur eine Minderheit will während des Weihnachtsessens und der Bescherung komplett auf das Smartphone verzichten – zumal auch unterm Baum schon ziemlich viel Technik liegt.

          Stille Nacht, handylose Nacht? Von wegen. Auch an Weihnachten mögen die meisten Deutschen auf ihr Smartphone nicht verzichten. Dabei wird es genutzt wie sonst auch – als Foto- und Videokamera, als Spielkonsole und als Kommunikationsgerät. Nur in einem Bruchteil der Haushalte herrscht rund um die Nordmanntanne absolutes Telefonier- und Daddelverbot. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom ergeben.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als die Hälfte der Bundesbürger, 54 Prozent, verzichtet demnach während des Weihnachtsessens auf einen Einsatz des Geräts; es werde nicht in die Hand genommen, wird versichert. Bei jedem Sechsten (16 Prozent) herrscht am Weihnachtsabend sogar ein striktes Smartphone-Verbot. Diese Abstinenz ist jedoch die Ausnahme. Zumal rund doppelt so viele Deutsche, nämlich 33 Prozent, angeben, an Heiligabend vermehrt Videos und Fotos mit ihrem Gerät zu machen.

          „Das Smartphone ersetzt für viele die Kamera ebenso wie das Fotoalbum oder den Terminkalender, entsprechend wird es auch an Heiligabend genutzt“, zeigt Bitkom-Fachfrau Marie-Teresa Weber Verständnis für die eifrigen Nutzer. Zugleich weiß die Industrielobbyistin: „Noch wichtiger als sonst ist aber vielen, dass die Smartphones nicht von den Menschen drum herum ablenken.“ Die „Menschen drum herum“, das sind nicht nur Kinder und Jugendliche, denen häufig eine allzu exzessive Smartphone-Nutzung nachgesagt wird. Auch Erwachsene sollten mit gutem Beispiel vorangehen, rät der Bitkom. Das lasse sich mit ein paar einfachen Absprachen erreichen. Könnte heißen: Einmal weniger prüfen, ob eine E-Mail des Chefs im elektronischen Postfach liegt – schließlich geben drei von vier Berufstätigen, die über Weihnachten und zwischen den Jahren Urlaub haben, an, trotzdem dienstlich erreichbar zu sein.

          Freilich: Auf die Technik lässt sich in vielen Familien schon deshalb nicht verzichten, weil sie unter dem Christbaum liegt – und natürlich direkt getestet werden muss. Jeder Fünfte (19 Prozent) gibt an, geschenkte Elektronikprodukte wie Spielkonsolen oder Tabletcomputer noch an Heiligabend gemeinsam mit Familie oder Freunden auszuprobieren. Und: Wer würde auf die völker- und familienverbindende Wirkung von Hightech verzichten wollen? 8 Prozent der Deutschen nutzen Videotelefoniedienste wie Skype an Heiligabend, „um die Menschen sehen und sprechen zu können, die nicht zum Fest anreisen konnten“. Weitere 8 Prozent geben zu Protokoll, sich gerne von Familie und Freunden die neueste Technik erklären zu lassen. 4 Prozent wiederum nutzen die Gelegenheit, selbst ihren Angehörigen in Technikfragen weiterzuhelfen. Weit verbreitet ist darüber hinaus auch das gemeinsame Fernsehen: Knapp die Hälfte (48 Prozent) macht es sich den Angaben zufolge mit einem Film oder einer Weihnachtssendung vor dem TV-Bildschirm gemütlich.

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          Generell steht Elektronik weit oben auf den Wunschzetteln der Deutschen. 71 Prozent der Bundesbürger wollen heuer zu Weihnachten Technik verschenken oder für sich selbst anschaffen. Am stärksten gefragt sind dabei Tablets, gefolgt von Smartphones und klassischen Spielkonsolen wie der Playstation von Sony, der Xbox von Microsoft oder 3DS von Nintendo. Auch für am Arm tragbare Computer, sogenannte Wearables wie Fitnesstracker oder Computeruhren, gibt es ein hohes Interesse.

          Auch im globalen Maßstab bleibt nach Ansicht von Marktforschern die Nachfrage nach Smartphones und tragbaren Kleincomputern ungebrochen. Auf der ganzen Welt dürften im kommenden Jahr 2,35 Milliarden PCs, Tablets und Mobiltelefone verkauft werden, wie das Beratungsunternehmen Gartner schätzt. Das entspräche einem Zuwachs von 2 Prozent im Vergleich zu den gut 2,3 Milliarden Endgeräten, die für 2017 erwartet werden. Der Löwenanteil entfällt dabei den Fachleuten zufolge auf Telefone: Knapp 1,93 Milliarden neue Handys könnten 2018 rund um den Globus verkauft werden, davon mehr als 1,6 Milliarden internetfähige Alleskönner-Geräte (plus 6 Prozent). Während die Nachfrage nach festinstallierten Rechnern den Marktforschern zufolge 2018 weiter schrumpft, dürften kleine, tragbare Computer zulegen. Vor allem in China seien sogenannte ultramobile Endgeräte gefragt.

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