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Nur noch Fixgehälter : VW streicht Boni für Aufsichtsräte

Der Vorsitzende des VW-Aufsichtsrats Hans Dieter Pötsch Bild: dpa

Die Gehälter der Vorstände wurden schon gedeckelt. Jetzt werden den Aufsichtsräten die Bonuszahlungen gestrichen. Im Gegenzug steigen die Festgehälter.

          VW setzt nicht nur bei seinen Vorständen den Rotstift an, auch die Aufsichtsräte bekommen ihre Bonuszahlungen gekürzt und verdienen künftig weniger. Ein Sprecher von Volkswagen bestätigte der F.A.Z. am Donnerstag Berichte, wonach die Aufsichtsräte bei Volkswagen künftig ein Fixgehalt bekommen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch liegt es bei 300.000 Euro, alle anderen Aufsichtsräte bekommen 100.000 Euro. Der Betrag erhöht sich, wenn die Kontrolleure zusätzlich in Ausschüssen oder im Präsidium des Aufsichtsrats mitarbeiten. Dort liegt das „Extra“ für die Vorsitzenden bei 100.000 Euro, für einfache Mitglieder bei 50.000 Euro.

          Vor dieser Neureglung war die Bezahlung der Aufsichtsräte – wie bei den Vorständen – stärker abhängig von Bonuszahlungen. Ferdinand Piëch, der im April 2015 über einen Konflikt dem früheren VW-Chef Martin Winterkorn stürzte, bekam als Aufsichtsratschef 2014 wegen der guten Ergebnisse des Konzerns noch deutlich mehr als eine Million Euro. Fast 90 Prozent davon seien Bonus gewesen, heißt es.

          „Wir haben uns auf Fixgehälter festgelegt“

          „Zuvor war der variable Anteil sehr hoch. Dieser wurde nun abgeschafft“, sagte Pötsch am Rande des Genfer Autosalons am Donnerstag der „Bild“-Zeitung. „Wir haben uns auf Fixgehälter festgelegt und sind damit wieder marktüblich.“ Im Gegenzug zu den gestrichenen Bonuszahlungen wurde – wie zuvor schon beim Vergütungssystem für VW-Vorstände – das Festgehalt angehoben.

          Aufsichtsräte bei Volkswagen zählten in der Vergangenheit mit zu den Spitzenverdienern im Dax. Die Systematik, die VW bei der Vergütung anwandte, war nicht mehr marktüblich. „Deshalb haben wir es überarbeitet“, sagte Pötsch. Bislang sah die Satzung von Volkswagen für die Aufsichtsräte neben dem Ersatz ihrer Auslagen eine feste Vergütung von 6000 Euro vor. Dazu kamen 2500 Euro „jeden von der Hauptversammlung beschlossenen Gewinnanteil von 0,03 Euro je Stammaktie, der über einen Gewinnanteil von 0,15 Euro je Stammaktie hinaus an die Aktionäre ausgeschüttet wird“, heißt es in der Satzung des Unternehmens.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Auch in der alten Regelung bekam der Vorsitzende das Dreifache. Diese Regelung machte VW-Aufsichtsräte zu Spitzenverdienern im Vergleich zu anderen Aufsichtsräten. Piech bekam 2014 laut Geschäftsbericht als Vorsitzender stolze 1,475 Millionen Euro, VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh als einfaches Mitglied des Aufsichtsrats gut 580.000 Euro.

          Auch Obergrenze für Managergehälter

          Die Neuregelung der Vergütung ist Teil der Änderungen, die der Aufsichtsrat Ende Februar in Wolfsburg beschloss, um das Vergütungssystem des Wolfsburger Konzerns an andere Dax-Konzerne anzugleichen. Bonuszahlungen wurden an deutlich strengere Vorgaben geknüpft. Der Aufsichtsrat reagierte damit auf die öffentliche Kritik an den üppigen Zahlungen an Spitzenmanager bei VW.

          Dazu gehört jetzt auch die Neuregelung der Aufsichtsräte in eigener Sache. „Es gab im Aufsichtsrat null Widerspruch“, berichtete Pötsch. „Jeder hat verstanden, dass wir uns da verändern müssen.“ Als Sitzungsgeld seien 1000 Euro festgelegt worden, hieß es. Im Durchschnitt kommt das Kontrollgremium im Jahr sechs Mal zusammen. Die Hauptversammlung muss der Änderung noch zustimmen.

          Zuvor hatte der Aufsichtsrat schon die Bezüge der VW-Vorstände gedeckelt. Für die Top-Manager gilt nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Der Vorstandschef soll künftig höchstens 10 Millionen Euro im Jahr verdienen, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro.

          Neben den Obergrenzen sieht ein neues Vergütungssystem vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden. Auch die Altersversorgung der Manager wurde geändert – und führt dazu, dass Rekordrenten, wie sie der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn mit mehr als 3000 Euro am Tag noch bekommt, bei VW in Zukunft nicht mehr gezahlt werden.

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