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Erfindung von Bosch : Nun checken internationale Fachleute den neuen Diesel-Supermotor

Am Prüfstand: Bosch misst, was in den Abgasen seines Dieselmotors steckt. Bild: EPA

Haben Dieselautos doch eine Zukunft? Bosch verspricht einen Durchbruch. Nun beraten Experten aus der ganzen Welt darüber.

          Wenn es um den Diesel-Skandal geht, steht immer auch Bosch am Pranger als Lieferant der Motorsteuerung. Am Niedergang des Dieselmotors hat der Autozulieferer selbst mitgewirkt. Jetzt hofft Bosch den Trend umkehren zu können. Es ist dem Stuttgarter Zulieferer gelungen, den Diesel so zu optimieren, dass im realen Fahrbetrieb nur noch 13 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausgestoßen werden. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was künftig erlaubt ist.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Oder, um es in den Worten der Stuttgarter Ingenieure ganz plastisch zu fassen: „Mit diesem Dieselmotor wird die Luft am Neckartor nicht schlechter.“ Die hohen Stickoxidwerte an der Stuttgarter Neckartor-Kreuzung waren Auslöser für die Debatte um Fahrverbote quer durch ganz Deutschland.

          Der optimierte Motor von Bosch wird heute Thema auf dem Wiener Motorensymposium sein, dem wichtigsten internationalen Fachtreffen der Motorentwicklung. „Da stellen wir uns“, sagte betont kampfeslustig Bosch-Chef Volkmar Denner vor Journalisten am Forschungsstandort Renningen: „Das sind bahnbrechende Ergebnisse. Ich erwarte, dass wir kurzfristig auch Gespräche über die Umsetzung in Serienfahrzeuge führen.“

          „Der Diesel kann wieder durchstarten“

          Erkenntnisse aus dem Entwicklungsprozess sind freilich jetzt schon in die Motorenentwicklung einiger Autohersteller eingeflossen, die ihrerseits durch auffallend niedrige Stickoxid-Werte von sich reden machten, so etwa die E-Klasse von Mercedes. Die neue Bestmarke für die Stickoxid-Emissionen wird nämlich nicht durch ein konkretes Produkt erzielt, das Bosch neu entwickelt hat, sondern durch die Optimierung der Motorteile, ihrer Anordnung und ihres Zusammenspiels, das stark auf die Einhaltung hoher Temperaturen abzielt.

          Rund hundert Ingenieure seien damit befasst gewesen, seit einigen Jahren schon, verschärft aber seit zwei Jahren. Die Entwicklung sei erst möglich geworden, seit es mobile Emissionsmessgeräte gebe, mit denen man Veränderungen im Detail nachspüren könne, erklärte Rolf Bulander, der die Auto-Sparte von Bosch führt.

          „Der Diesel kann wieder durchstarten – ökologisch rehabilitiert“, lautet die Hoffnung der Bosch-Führung. Das aktuelle Verhalten der Käufer, die sich immer seltener für Dieselmodelle entscheiden, hänge vor allem mit der Debatte über Fahrverbote zusammen. „Die Unsicherheit schadet am meisten“, glaubt Bosch-Chef Denner: „Wer die Luftqualität in unseren Städten ganz unideologisch verbessern will, kommt um den Diesel und seine technische Weiterentwicklung nicht herum.“ Die Klimaschutzziele seien nur mit dieser spritsparenden Technik zu erreichen.

          Im vergangenen Jahr habe der CO2-Ausstoß wieder zugenommen, wegen der Abkehr vom Diesel einerseits, wegen des Trends zum Geländewagen andererseits, berichtete Denner mit Blick auf die neueste Statistik: In Europa liege der CO2-Ausstoß derzeit bei 118 Gramm pro Kilometer, in Deutschland sogar bei 127. „Das ist eine Riesenlücke zu dem Ziel von 95 Gramm CO2 – und wir haben nur drei Jahre, um sie zu schließen“, warnte Denner.

          Ein Ansatzpunkt dafür ist nach seiner Meinung auch der Einsatz von E-Fuels, synthetischen Kraftstoffen, die aus Strom, Wasser und CO2 gewonnen werden und damit klimafreundlich sind. Das wirke nicht erst in künftigen Motorengenerationen, sondern sofort, gibt Denner zu bedenken und fordert eine Kooperation der Autobranche mit Mineralöl- und Chemiefirmen: „Man sollte jetzt mit der Produktion beginnen“, fordert er.

          Das Comeback des Diesels hat für Bosch große Bedeutung. Jeder achte der insgesamt 402.000 Mitarbeiter ist mit Dieseltechnologie befasst. Den Nachfragerückgang nach Dieseltechnik für Personenwagen hat Bosch bisher kompensieren können, weil das Geschäft im Nutzfahrzeugbereich gut läuft, vor allem mit Aufträgen aus China. Für alle Fälle sind mit den Arbeitnehmer-Vertretern schon Krisenszenarien durchdiskutiert worden – zumal spätestens mit dem Umstieg auf die Elektromobilität ein Rückgang der Beschäftigung droht. Aktuell wächst das Geschäft aber noch. Im vergangenen Jahr schaffte Bosch in der Autosparte ein Plus von fast acht Prozent auf 47 Milliarden Euro. Insgesamt setzte Bosch 78 Milliarden Euro um, mit Produkten vom Akkuschrauber bis zu Brandschutzanlagen. Die Rendite vor Zinsen und Steuern verbesserte sich von 4,9 auf 6,3 Prozent vom Umsatz.

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