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Novartis-Kommentar : Eine teure Wette

  • -Aktualisiert am

9 Milliarden Dollar für ein kleines Gentechnik-Unternehmen – das ist sogar in dieser Branche ein stolzer Preis. Denn der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab.

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          Vas Narasimhan steht erst seit gut drei Monaten an der Spitze von Novartis. In dieser kurzen Zeit hat der Amerikaner schon einige Pflöcke eingeschlagen. Ende März strich er 13 Milliarden Dollar für den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung am Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln ein. Jetzt gibt Narasimhan fast 9 Milliarden Dollar für den kleinen Gentherapiespezialisten Avexis aus, der bisher nur Verluste generiert hat, weil seine Medikamente noch gar nicht im Markt zugelassen sind.

          Ein Aufpreis von 88 Prozent auf den Börsenschlusskurs vom vergangenen Freitag ist selbst für die allseits hoch bewertete Biotech-Industrie eine stolze Hausnummer. Ob die teure Wette auf die Zukunft aufgeht und Avexis die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann, wird man erst in ein paar Jahren sehen. Dabei hängt der Erfolg nicht nur davon, ob die Zulassungsbehörden in aller Welt mitspielen. Auch die Frage, ob die jeweiligen Therapiekosten in vermutlich sechsstelliger Höhe von den Kassen übernommen werden, ist unbeantwortet.

          Narasimhan ist erst 41 Jahre alt. Daher muss er sich dereinst selbst dafür verantworten, falls Avexis die Umsatz- und Ertragsprognosen verfehlt. Aber vielleicht landet er mit seinem mutigen Wurf auch einen Volltreffer. Dann ist ihm der Applaus der Aktionäre sicher, die am Montag noch in Deckung blieben: Der Kurs kam kaum vom Fleck.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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