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Amerikanischer Notenbankchef : Bernanke lässt die Fed hinter sich und bloggt

Ist unter die Blogger gegangen: Ben Bernanke, früherer Chef-Ökonom der Fed Bild: AP

Lange hat er sich zurückgenommen, doch nun scheint er nicht mehr stillhalten zu können: Ben Bernanke betreibt ein Jahr nach seinem Ausstieg bei der Fed jetzt ein Blog. Damit will er sein Wissen über Geldpolitik teilen.

          Ein Jahr und zwei Monate sind verstrichen, seitdem Ben Bernanke sein Amt als Chef der amerikanischen Notenbank Fed in die Hände von Janet Yellen legte. In dieser Zeitspanne hat der Ökonom öffentlich wenig gesagt zu wirtschafts- und geldpolitischen Entwicklungen, um seinen Nachfolgern nicht ins Geschäft zu fuhrwerken.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Nachdem so viel Zeit ins Land gegangen ist, glaubt Bernanke sich wieder als Zivilist fühlen zu dürfen, dessen Kommentare über Entwicklungen der Wirtschaftspolitik und an den Finanzmärkten nicht mehr unter die Mikroskope der Zentralbankdeuter gelegt werden.

          Der 61 Jahre alte Bernanke nutzt diese Freiheit für einen Blog, mit dem er am 30. März begonnen hat. Immer, wenn der Geist ihn treibe, wolle er bloggen. Der frühere Ökonomie-Professor an der Princeton-Universität hat sich nach seiner Zeit an der Spitze der Fed der Denkfabrik Brookings in Washington angeschlossen, die ihm auch die Plattform für den Blog bietet (http://www.brookings.edu/blogs/ben-bernanke).

          In erstem Eintrag kritisiert er hohe Leitzinsen

          Er hoffe, mit seinem Blog zu erziehen und zugleich selbst etwas zu lernen, schreibt Bernanke in seiner Ankündigung. Im ersten Beitrag kommt er sogleich seinem selbstformulierten Erziehungsauftrag nach. Darin erklärt er, warum die Fed doch nicht schuld ist an den niedrigen Zinsen. Ihr Einfluss sei begrenzt und vorübergehend.

          Die Fed könne mit ihrer Geldpolitik nicht weit von einem realen Gleichgewichtszins abweichen, der in stagnierenden Volkswirtschaften wegen niedriger Renditeerwartungen der Unternehmen eher niedrig sei. Deshalb gehe auch die Forderung, die Fed müsse für höhere Zinsen sorgen, um die Renditen der Pensionisten zu sichern, fehl: Schwächelnde Volkswirtschaften mit hohen Leitzinsen zu belegen sei kontraproduktiv.

          Die Tonalität des ersten Beitrags erinnert tatsächlich ein wenig an ein Fachbuch mit dem Titel „Einführung in die Geldpolitik“. Eine Idee süffiger versprechen da die Memoiren Bernankes über die Finanzkrisenjahre 2007 bis 2009 zu werden. Sie erscheinen im Oktober dieses Jahres.

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