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„Norman Atlantic“ : Die Geschichte der Unglücksfähre

Im September fuhr die Fähre Norman Atlantic noch, da war alles in Ordnung. Heute geht sie unter. Bild: Reuters

Mangelhafte Sicherheitstore, fehlende Notbeleuchtung: Die Fähre „Norman Atlantic“ war schlecht gewartet. In ihrer fünfjährigen Geschichte hieß sie auch schon ganz anders.

          Die 186 Meter lange Unglücksfähre mit dem Namen „Norman Atlantic“ war erst fünf Jahre alt, aber nach bisherigen Informationen schlecht gewartet wie ein ausgeleierter Mietwagen. Die europäische Agentur für Sicherheitskontrollen in den Schiffen, Paris MoU, veröffentlichte einen Prüfungsbericht vom 19. Dezember aus dem griechischen Hafen Patras. Dabei wurde unter anderem die mangelnde Funktion der Sicherheitstore gegen die Ausbreitung von Feuer auf den Autodecks beanstandet. Auch die Notbeleuchtung habe gefehlt, zudem wurden Rettungseinrichtungen bemängelt. Die italienische Organisation zur Prüfung der Schiffe, Rina, hatte nach Angaben von Paris MoU zuletzt am 1. September 2014 eine Zertifizierung erteilt, die entfernt mit einem Auto-Tüv vergleichbar ist. Das Sicherheitszertifikat gilt bis 2019.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Fähre wurde im Jahr 2009 von der italienischen Werft Visentini mit Sitz bei Rovigo nahe der Po-Mündung gebaut. Diese kleine Werft ist spezialisiert auf Fährschiffe, die vielfach ins Ausland verkauft wurden. Offenbar wurden zuletzt in Krisenzeiten auch Schiffe für die Linie Visemar gebaut, der die gleiche Besitzerfamilie hat wie die Werft, einige von diesen wiederum verchartert. Ob dies auch bei der „Norman Atlantic“ der Fall war, ließ sich am Sonntag nicht erhärten.

          Subventionierte Fahrten

          Sicher ist, dass die Unglücksfähre schon unter anderen Namen im Tyrrhenischen Meer unterwegs war: Zunächst wurde sie unter dem Namen „Akeman Street“ auf der Strecke von Genua zur Fiat-Fabrik Termini Immerese bei Palermo betrieben, als der italienische Staat noch Zuschüsse für den Lastwagentransport per Schiff bezahlte, der als „Autostrada del Mare“ bekannt gemacht worden war.

          Als die Fiat-Fabrik geschlossen wurde und die Zuschüsse ausblieben, wurde das Schiff nach einem sardischen Helden in „Scintu“ umbenannt und verkehrte auf Routen zwischen dem italienischen Festland und der Insel Sardinien. Gechartert hatte das Schiff die Linie Saremar, die von der Region Sardinien als öffentliches Unternehmen betrieben wurde. Mit subventionierten Preisen suchte die Region den Sarden und den Touristen günstige Verbindungen auf die Insel zu bieten, nachdem die privaten Fährbetreiber in kurzer Zeit ihre Tarife verdoppelt hatten.

          Doch die Europäische Kommission befand, dass die sardische Staatslinie nicht mit öffentlichen Subventionen betrieben werden dürfe. Seit dem Jahr 2013 fährt das Schiff nun unter dem Namen „Norman Atlantic“ für die Reederei „Anek Superfast“. Die Linie „Anek“ hatte 1970 mit Fährverbindungen zwischen Kreta und Piräus begonnen, dann in den Neunziger Jahren auch Strecken über die Adria zwischen Italien und Griechenland angeboten.

          Seit dem Jahr 2011 kooperiert sie bei der Vermarktung der Routen mit der privaten Fährlinie Superfast, die ebenfalls zwischen Italien und Griechenland pendelt, zeitweise auch in der Ostsee unterwegs war. Die von „Anek“ gecharterte „Norman Atlantic“ hätte am Dienstag um 13.30 Uhr wieder von Ancona in Richtung Igoumenitsa auslaufen sollen.

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