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Nordsee : Zwei Inseln klagen gegen Windparks vor der Küste

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Bild: FAZ.NET

Auf dem Land lassen sich Windparks kaum mehr errichten. Zu groß ist der Widerstand geworden. Anlagen im Meer stören hingegen kaum - dachten die Planer bislang. Doch nun klagen die Inseln Borkum und Wangerooge gegen zwei geplante Offshore-Windparks: Touristen werde der Blick aufs Meer verbaut.

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          Die Nordseeinseln Borkum und Wangerooge befürchten Nachteile für den Tourismus durch zwei geplante Offshore-Windparks in Küstennähe. Über die Klagen der beiden Inseln verhandelt das Verwaltungsgericht Oldenburg am Donnerstag (1030). Die Kläger sehen durch den Bau der Windparks Riffgat bei Borkum und Nordergründe ihre Planungshoheit verletzt.

          Der bislang unverstellte Blick aufs Meer werde zugebaut. Neben Nachteilen für den Tourismus drohten zunehmende Gefahren durch Schiffskollisionen und dadurch ausgelöster Ölverschmutzungen an den Küsten und Stränden.

          Betreiber: Anlagen sind weit genug von Inseln entfernt

          Für Riffgat sollen bis zu 44 Anlagen in 14 Kilometern Entfernung nordwestlich von Borkum aufgestellt werden. Der Oldenburger Energiekonzern EWE und die ENOVA-Unternehmensgruppe im ostfriesischen Bunderhee wollen den Park bauen und betreiben. Die Arbeiten sollen voraussichtlich 2011 beginnen.

          Nordergründe ist rund 13 Kilometer nordöstlich von Wangerooge mit 18 Anlagen geplant. Der Betreiber ist die Energiekontor AG in Bremen. Zum Jahreswechsel 2009/2010 könnten die Rotoren nach Unternehmensangaben Strom aus Wind erzeugen und ins Netz einspeisen. Das beklagte Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg und die beteiligten Unternehmen halten die Klagen für unzulässig, weil sie die Gemeinden nicht in ihren eigenen Rechten verletzt sehen. Wegen der Entfernungen zu den Inseln sei allenfalls mit mittelbaren Beeinträchtigungen zu rechnen.

          Naturschützer: Vogelzug wurde nicht genug berücksichtigt

          Ein Verhandlungstermin für ein weiteres Klageverfahren des Naturschutzverbandes BUND gegen Nordergründe steht noch aus. Naturschützer halten beide Windparks für bedenklich. Besonders Nordergründe in direkter Nähe zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist für den „Wattenrat“ hochproblematisch. Der Zusammenschluss verbandsunabhängiger Naturschützer in Ostfriesland wirft den Behörden vor, den Vogelzug nicht genug berücksichtigt zu haben. Zudem seien Zahlen über geschützte Vogelarten in dem Gebiet heruntergerechnet worden.

          In Europa werden derzeit zahlreiche Offshore-Windparks geplant. Auch Finanzinvestoren wurden angelockt, weil sie sich ein lukratives Geschäft versprechen. Im Zuge der Finanzkrise kommen aber zunehmend Zweifel an der Realisierung der Projekte auf, die zum größten Teil noch in einer frühen Planungsphase stecken.

          Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2030 in Nord- und Ostsee Windräder mit einer Leistung von bis zu 25.000 Megawatt installiert werden. Lukrativ wird das Geschäft für die Betreiber insbesondere durch die garantierten Abnahmepreise des Ökostroms - ab 2009 werden für den eingespeisten Strom aus Offshore-Windanlagen 15 Cent pro Kilowattstunde gezahlt.

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