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Post-Brexit-Streit : Wie Zollkontrollen Nordirland spalten

Grüne Insel: Robin Mercer betreibt einen Gartenmarkt in Belfast. Bild: AFP

Einige Unternehmer klagen bitterlich über Zollkosten und Lieferausfälle, andere dagegen profitieren. Nun könnte sogar ein Handelskrieg mit der EU drohen.

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          Wer Robin Mercer dieser Tage anruft, hört eine müde, verärgerte Stimme. Der Gartencenter-Unternehmer in Belfast ist es leid. „Wir haben alle unsere Pflanzenlieferanten aus England verloren“, klagt er. Das Nordirland-Protokoll, das London und Brüssel zum Brexit vereinbart haben, führt seit 2021 in der kleinen nordirischen Provinz zu erheblichen Mehrkosten. Lieferanten aus Britannien müssen Zollerklärungen ausfüllen. „Wir zahlen viele Tausend Pfund extra seitdem“, sagt Mercer. Der Belfaster Unternehmer betreibt in der dritten Generation das Hillmount Garden Centre. Drei Filialen in Nordirland und eine in England besitzt er, das Familienunternehmen beschäftigt fast hundert Mitarbeiter. Sie verkaufen Blumen und Pflanzen, Gartenmöbel, Grillgeräte und Geschenke. Die vergangenen eineinhalb Jahre waren für ihn „eine ex­trem schwierige Zeit“, sagt er. „Größere Firmen wie wir kommen durch, aber für manche Kleinen bedeutet es das Aus.“

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Seine nordirischen Filialen sind seit 2021, seit das Nordirland-Protokoll gilt, von Pflanzenimporten aus England faktisch abgeschnitten. „Es kommen keine Rosen mehr, keine Azaleen. Die Lieferanten winken ab – viel zu viel Papierkram für jede Lieferung über die Irische See“, sagt Mercer. Früher importierten die Hillmount Garden Centres Blumen, Pflanzen und Saatgut für etwa 150 000 Pfund im Jahr. „Jetzt ist das runter auf null“, sagt Mercer. Der Ersatz durch europäische Lieferanten sei nicht dasselbe. „Pflanzen aus England waren für uns besser – dort gibt es in etwa dieselben Böden- und Wetterbedingungen.“ Schmerzhaft für die nordirischen Bauern ist auch, dass sie nicht mehr wie früher ihre Saatkartoffeln aus England und Schottland importieren können. Mercer fordert, die EU müsse das Protokoll ändern. Warenlieferungen aus Britannien, die für Nordirland bestimmt sind und dort bleiben, also nie den EU-Binnenmarkt betreten, sollten von Zollkon­trollen ausgenommen sein.

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