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Nokias Niedergang : Das finnische Wunder ist zu Ende

Anfangs galt Nokia als coolste Handymarke der Welt. Das ist vorbei
          6 Min.

          Wenn zwei alte Schlachtschiffe aufeinander treffen, um es gemeinsam noch einmal mit dem Rest der Welt aufzunehmen, dann dürfte das so aussehen wie jenes Treffen am vergangenen Freitag im Konferenzsaal des Intercontinental Park Lane in London. Kurz nach 10 Uhr Ortszeit verkündete Stephen Elop, Chef von Nokia, die neue Strategie des finnischen Handy-Riesen – und hatte einen Überraschungsgast im Schlepptau: Steve Ballmer, Chef des amerikanischen Software-Giganten Microsoft.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der Partner war Programm. Denn Elop verkündete nicht weniger als eine Revolution für sein Unternehmen – oder die Kapitulation, je nach Sichtweise: Nokia tut sich mit Microsoft zusammen, um gemeinsam in die Schlacht gegen Apple und Google zu ziehen, in den „Krieg der Ökosysteme“, wie Elop es nennt.

          Es geht um Smartphones: Mobiltelefone, die wie ein Computer mit integriertem Telefon funktionieren und die klassischen Handys ablösen. In diesem Markt verbindet Nokia und Microsoft vor allem eins: konsequente Erfolglosigkeit. Der Profit konzentriert sich an anderer Stelle, in Kalifornien. Bei Apple mit seinem iPhone und Google mit seinem Android-Handy-Betriebssystem.

          Bild: F.A.Z.

          Kriegsvokabular und Churchill-Zitate

          Überall auf der Welt werden mobile Funknetze ausgebaut. Künftig surfen Menschen kaum noch am heimischen Computer, sondern stattdessen im Bus, im Park, im Café auf dem Handy. Smartphones sind die Zukunft des Mobilfunkgeschäfts. Die könnte mangels wettbewerbsfähiger Produkte ohne Nokia stattfinden.

          So groß ist die Not, dass Vorstandschef Elop am Freitag zu Kriegsvokabular griff und sogar Winston Churchill bemühte: „Der Pessimist sieht die Schwierigkeiten in jeder Möglichkeit. Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit.“ Die Investoren überzeugte das nicht. Der Nokia-Aktienkurs rauschte in den Keller.

          „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie aufgeregt wir über diese neue Partnerschaft sind“, säuselte Microsoft-Chef Ballmer und klebte wie festgewachsen auf seinem beigen Barhocker. Dabei kann Ballmer durchaus anders: Bei Präsentationen stampft er schon mal wie ein Elefant auf Ecstasy über die Bühne. In Interviews schwingt er gern die Fäuste. Das Trauerspiel vom Freitag hingegen lässt nur einen Schluss zu: Für Microsoft ist die Nokia-Allianz ein Deal von vielen.

          Nokia wird zum Juniorpartner

          Für Nokia aber geht es um alles. Doch welche Möglichkeiten der Nokia-Chef in der Partnerschaft sieht, bleibt sein Geheimnis. Denn Elop – kleiner und weniger bullig als Ballmer – ist mit heftig gestikulierenden Kinderhänden nicht nur optisch der Juniorpartner von Microsoft, sondern auch tatsächlich. Nokia wird seine eigene Smartphone-Software aufgeben und durch die Software von Windows Phone ersetzen.

          Der Handy-Bauer muss sich eingestehen: Alleine kann er die Kunden nicht mehr begeistern. Ob es zu zweit besser klappt, ist fraglich. Zwei dicke, unbewegliche Schlachtschiffe werfen gemeinsam die rostenden Maschinen an, um schneller und innovativer zu werden? Das klingt wie ein schlechter Witz.

          „Was wird jetzt aus Finnland?“

          5,3 Millionen Menschen können darüber nicht lachen: die Finnen. Eine von ihnen stellt nach Elops Präsentation die alles entscheidende Frage „Was wird jetzt aus Finnland?“ Der Saal lacht, doch das war todernst gemeint. Nokia hat nicht nur ein finnisches Herz und eine finnische Sauna im Hauptquartier in Espoo nahe Helsinki. Das Unternehmen bestimmt die Wirtschaft des Landes, wie es das kaum anderswo in der Welt gibt.

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