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Nokia und Sony-Ericcson : Handyhersteller in der Krise

  • -Aktualisiert am

Deutlicher Einbruch: Nur 13,8 Millionen Handys hat Sony-Ericsson im abgelaufenen Quartal verkauft Bild: Reuters

Es bleibt ein übles Jahr für die Handy-Branche. Wer in die Bilanzen des Branchenprimus Nokia und des kleineren Konkurrenten Sony Ericsson schaut, der sieht vor allem Minuszeichen. Allerdings werden auch erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen deutlich.

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          Die Rückgänge sind jeweils zweistellig. Egal, in welche Abschnitte der Bilanzen von Nokia und Sony-Ericsson man auch schaut: Überall dominieren die Minuszeichen. Allerdings werden auch erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen deutlich. So macht Nokia trotz der Krise noch Gewinn. Erheblich weniger als im Vorjahreszeitraum, aber immerhin bleiben noch 287 Millionen Euro übrig. Im Vorjahresquartal lag der Nettogewinn noch bei 1,1 Milliarden Euro. Ein Minus von 74 Prozent. Damit fiel der Nokia-Gewinn deutlich stärker als der Umsatz, der in den Monaten von April bis Juni um knapp 25 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro gesunken ist.

          Das allein erklärte aber noch nicht den Kursverlust, den die Nokia-Aktie am Donnerstag hinnehmen musste. Das Papier verlor fast 10 Prozent an Wert und notierte nur noch knapp über der Marke von 10 Euro. Die Aktie der schwedischen Ericsson, einer von zwei Muttergesellschaften von Sony Ericsson, notierte hingegen nahezu unverändert. Dabei hätten die Zahlen von Sony-Ericsson ebenfalls Anlass für einen Kurssturz gegeben.

          So hat das Unternehmen mit einem Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Euro im abgelaufenen Quartal rund 40 Prozent weniger eingenommen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Absatz der Geräte brach um 43 Prozent ein. Nur noch 13,8 Millionen Handys von Sony-Ericsson wurden verkauft. Während im zweiten Quartal 2008 noch ein kleiner Gewinn von 6 Millionen Euro ausgewiesen wurde, kam in diesem Jahr ein Minus nach Steuern von 213 Millionen Euro zusammen – der vierte Verlustausweis in Folge. Das Minus zehrt auch an den Barreserven des Unternehmens. Diese sind inzwischen auf 965 Millionen Euro abgeschmolzen – während vor Jahresfrist noch 1,9 Milliarden Euro in der Kasse waren. Sony-Ericsson verbreitet allerdings abseits der schlechten Zahlen etwas Zuversicht, dass es zumindest nicht weiter nach unten gehen wird.

          So sprach Dick Komiyama, der Präsident der Gesellschaft, in einer Telefonkonferenz am Donnerstag davon, dass er mit einer Stabilisierung des Marktes rechne. Auf Nachfrage präzisierte er dies und sagte, er hoffe auf eine nachlassende Geschwindigkeit des Abschwungs am Handymarkt. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Zahl der verkauften Handys dieses Jahr um rund 10 Prozent verringert. Im Jahr 2008 waren noch knapp 1,2 Milliarden Geräte verkauft worden. Besonders in den Schwellenländern gehen die Verkäufe zurück.

          Der Grund für den Absturz des Nokia-Aktienkurses lag am Donnerstag aber in der Anpassung einiger Prognosen über den weiteren Geschäftsverlauf, die der finnische Konzern im Rahmen der Quartalsberichterstattung bekanntgegeben hatte. So rechnet Nokia jetzt nicht mehr mit einem steigenden Marktanteil seiner Produkte im Handygeschäft des laufenden Jahres, sondern geht von einem gleichbleibenden Anteil aus – der mit von Nokia geschätzten 38 Prozent aber immer noch üppig ausfällt. Zudem geht der Konzern nicht mehr davon aus, dass die operative Marge im Geschäft mit den Handys gesteigert werden kann – darauf aber entfällt mit 6,6 Milliarden Euro im Quartal noch immer der Löwenanteil der Einnahmen. Eine nicht nach den Bilanzierungsregeln des IFRS erstellte Nokia-Bilanz weist hier noch einen Wert von 7,8 Prozent für das Quartal aus, was genau der Hälfte des Wertes aus dem Vorjahr entspricht.

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