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Für 15,6 Milliarden Euro : Nokia übernimmt Alcatel

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Zusammenschlüsse: Ein Mitarbeiter prüft die Verkabelung an Datenspeichern in der Zentrale von Alcatel-Lucent. Bild: Bloomberg

Unter den Netzwerkausrüstern werden die Karten neu gemischt: Nokia bietet für Alcatel-Lucent mehr als 15 Milliarden Euro. Auch der Alcatel-Chef ist für den Zusammenschluss.

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          Die Fusionspläne der Netzwerk-Ausrüster Nokia und Alcatel-Lucent sind offiziell. Nokia gab am Mittwoch ein Angebot für Aktien des in Paris ansässigen Konkurrenten bekannt. Kurz nach dem Übernahmegebot durch Nokia hat sich auch der Chef von Alcatel-Lucent für eine Fusion ausgesprochen.

          Die neue Firma solle nur noch Nokia heißen. Hauptsitz werde Finnland sein, mit einer „starken Präsenz“ in Frankreich. Die neue Unternehmensgruppe soll zu zwei Dritteln von den derzeitigen Nokia-Aktionären gehalten werden und zu einem Drittel von den Alcatel-Lucent-Aktionären. Die Alcatel-Aktionäre werden je Aktie 0,55 Nokia-Titel erhalten, wie die beiden Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Das Geschäft solle im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossen werden. Damit werde Alcatel-Lucent mit insgesamt 15,6 Milliarden Euro bewertet, hieß es. Für die Aktionäre bedeute das einen Aufschlag von 28 Prozent auf den durchschnittlichen Preis der vergangenen drei Monate.

          Netzwerk-Ausrüster liefern Technik für Telekom-Konzerne. Das schwedische Unternehmen  Ericsson ist mit einem Marktanteil 2014 von 25,7 Prozent derzeit größte Hersteller von Ausrüstung für Mobilfunknetze. Huawei  kam auf 23,2 Prozent, Nokia auf 15,8 Prozent und Alcatel auf 11,4 Prozent. Die etablierten westlichen Anbieter stehen unter verstärktem Druck aggressiver Rivalen aus China.

          Gemeinsam könnten Nokia und Alcatel-Lucent besser mit ihnen konkurrieren. Nokia und Alcatel haben zusammen mehr als 110.000 Beschäftigte. Zusammen lag der Umsatz von Nokia und Alcatel 2014 bei rund 26 Milliarden Euro. Bis 2019 sollen jährliche Einsparungen von 900 Millionen Euro bei den operativen Kosten erzielt werden, wie Nokia ankündigte. Erst am Vortag hatte die Unternehmen nach Medienberichten Gespräche über einen Zusammenschluss bestätigt.

          Der finnische Konzern war rund zehn Jahre lang Weltmarktführer für Handys, verkaufte diese Sparte aber im April 2014 an den amerikanischen Konzern Microsoft. Der Großteil der damals eingenommenen 5,4 Milliarden Euro steht Nokia noch zur Verfügung. Heute ist Nokia hauptsächlich ein Netzwerk-Ausrüster. Eine Übernahme von Alcatel-Lucent könnte dem Unternehmen vor allem im Konkurrenzkampf mit dem ewigen Rivalen Ericsson aus Schweden helfen.

          Alcatel-Chef: Habe Nokia selbst überzeugt

          Der Chef von Alcatel-Lucent, Michel Combes, machte am Mittwoch öffentlich, Nokia selbst davon überzeugt zu haben, nicht nur das Mobilfunkgeschäft der Franzosen zu kaufen, sondern den gesamten Konzern. Die Finnen hätten es zunächst nur auf die Sparte für Mobilfunknetze abgesehen. Alcatel wäre jedoch ohne diesen Geschäftsbereich zu klein und spezialisiert gewesen,
          um zu überleben, sagte Combes. Er selbst will in dem fusionierten Unternehmen nicht als Vize-Chairman agieren.

          Wie bereits vorab erklärt, wird Nokia nicht das Untersee-Kabelgeschäft von Alcatel-Lucent übernehmen. Dieses soll laut Combes privatisiert oder an die Börse gebracht werden.

          Frankreich sorgt sich um Stellenabbau

           

          Die französische Regierung ist derweil besorgt, was aus den rund 7000 Alcatel-Mitarbeitern in Frankreich werden wird. Nokia-Chef Rajeev Suri, der sich in dieser Woche in Paris aufhält, wird darüber verhandeln und in seinem Terminkalender steht auch ein Treffen mit Präsident Francois Hollande. Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte am Dienstag geäußert, die Regierung werde die Auswirkungen der Transaktion auf die Arbeitsplätze genau im Auge behalten, um sicherzustellen, dass aus dem Zusammenschluss ein lebensfähiger europäischer Champion entstehe.

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