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Wegen Korruptionsvorwürfen : Nissan setzt Carlos Ghosn als Vorsitzenden ab

Der geschasste Nissan-Manager Carlos Ghosn im November auf einem Termin in Nordfrankreich Bild: AFP

Carlos Ghosn hat seine Stelle als Nissan-Verwaltungsratschef verloren. Ghosn werden finanzielle Unregelmäßigkeiten und falsche Angaben in Finanzberichten vorgeworfen. Ihm drohen bis zu 10 Jahre Haft.

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          Der Verwaltungsrat des japanischen Autobauers Nissan Motor hat seinen Vorsitzenden Carlos Ghosn am Donnerstagabend in Yokohama abgesetzt und ihm das Recht der Vertretung Nissans entzogen. Ghosn war am Montag in Tokio unter dem Verdacht festgenommen worden, seine Einkünfte in den Finanzberichten des Unternehmens zu niedrig angegeben zu haben. Die Verhaftung und nun Abberufung Ghosns durch Nissan bringt Unruhe in die länderübergreifende Allianz des Autobauers mit dem französischen Partner Renault. Nissan steht einer Fusion beider Unternehmen, die angeblich von Ghosn vorangetrieben wurde, ablehnend gegenüber.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Vor der Entscheidung Nissans hatte es Spekulationen gegeben, dass zwei Vertreter Renaults, die in dem Verwaltungsrat sitzen, gegen eine sofortige Abberufung Ghosns stimmen könnten. Das bewahrheitete sich nicht. Nach Angaben Nissans fiel die Entscheidung gegen Ghosn einstimmig.

          Renault hatte am Mittwoch Ghosn formal in seinen Ämtern belassen und übergangsweise die Unternehmensführung anders geordnet. Der Verwaltungsrat von Mitsubishi Motors, dem dritten Partner der Allianz, wird kommende Woche über den Verbleib Ghosns als Vorsitzender entscheiden.

          Renault ohne Einfluss

          Obwohl der Allianz-Partner Renault mit 43 Prozent an Nissan beteiligt ist, wird Renault bei einer Entscheidung der Aktionäre über Ghosns Rauswurf aus dem Verwaltungsrat keinen Einfluss haben. Im Bemühen Nissans, den Einfluss vor allem des französischen Staates auf die Geschicke des japanischen Unternehmens zu begrenzen, hatten die Unternehmen sich 2015 unter anderem darauf geeinigt, dass Renault sich nicht in die interne Unternehmensführung Nissans einmischen werde. Dazu gehört auch, dass Renault mit seinem Aktienanteil bei Entscheidungen über die Ernennung, die Entlassung und die Vergütung von Mitgliedern des Nissan-Verwaltungsrates den Empfehlungen des Verwaltungsrates folgt.

          Die überraschende Absetzung Ghosns führte zu Spekulationen, dass der Franzose Opfer einer Art Palastrevolution wurde. Die japanische Staatsanwaltschaft verwahrte sich am Donnerstag gegen solche Spekulationen und betonte ihre Unabhängigkeit. Es gebe genug Anhaltspunkte, die eine Verhaftung und Anklage rechtfertigten. Ghosn drohen im Falle einer Verurteilung 10 Jahre Haft.

          Ihm wird vorgeworfen, in den Jahren 2011 bis 2015 sein Einkommen in den Finanzberichten Nissans insgesamt um etwa die Hälfte oder 5 Milliarden Yen (38,7 Millionen Euro) zu gering angegeben zu haben. Kelly soll den Betrug im direkten Auftrag Ghosns ausgeführt haben.

          Häuser in Rio und Beirut

          Nissan wird unter Leitung eines externen Direktors ein Beratungsgremium einsetzen, das Vorschläge für einen neuen Vorsitzenden aus dem Verwaltungsrat machen soll. Ein weiteres Beratungsgremium unter Leitung der drei externen Direktoren soll sich unter Zuhilfenahme unabhängiger Dritter um eine Verbesserung der Unternehmensführung und insbesondere der Vergütung der Direktoren kümmern.

          Japanische Medien graben derweil immer weitere Details über die finanziellen Vorteile aus, die Ghosn sich bei Nissan verschaffte. Über eine Investitionsgesellschaft Nissans in den Niederlanden ließ er angeblich mit Hilfe Kellys teure Wohnungen und Häuser für den Privatgebrauch in Rio de Janeiro und Beirut kaufen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass angeblich auch Ghosns Schwester einen 1,7-Millionen-Dollar-Vertrag bei Nissan als Beraterin hatte.

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