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Nissan-Renault-Manager : Carlos Ghosn streitet alles ab

Reporter drängen sich um einen Bus, in dem sie Automanager Carlos Ghosn vermuten. Bild: Reuters

Erstmals hat sich der in Japan inhaftierte Automanager Carlos Ghosn selbst gegen die Vorwürfe der Veruntreuung verteidigt. Er schwört, er ist unschuldig, und beschwört seine Liebe zu Nissan.

          Carlos Ghosn, der abgesetzte Vorsitzende des Verwaltungsrates von Nissan Motor, hat vor Gericht erstmals öffentlich seine Unschuld beteuert und alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen ihn zurückgewiesen. In einer Anhörung des Bezirksgerichts in Tokio sagte Ghosn, er habe ehrenhaft, legal und mit dem Wissen und Zustimmung der zuständigen Führungskräfte von Nissan gehandelt. „Ich wurde falsch beschuldigt und unfair festgenommen, basierend auf wertlosen und unbegründeten Vorwürfen“, sagte Ghosn. Seine Erklärung wurde am Dienstag zugleich schriftlich von seinen Anwälten verbreitet.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ghosn, der Architekt der internationalen Autobauerallianz von Renault, Nissan und Mitsubishi Motors, war am 19. November in Tokio bei der Einreise schon am Flughafen festgenommen worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft und wurde schon zwei Mal wegen unterschiedlicher Anschuldigungen erneut festgenommen. Angeklagt ist Ghosn bislang wegen der angeblichen Nicht-Meldung von Einkommen in den Finanzberichten des Unternehmens.

          Ghosn erklärte dazu, er habe im Gegensatz zu den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft niemals eine finanzielle Entschädigung von Nissan erhalten, die nicht öffentlich gemacht worden sei. Es gebe auch keinen Vertrag mit Nissan über die Zahlung einer festen Summe, die nicht öffentlich gemacht worden sei.

          Erster Auftritt seit der Festnahme

          Die Anhörung am Dienstag hat keine direkten rechtlichen Konsequenzen. Sie war von Ghosns Anwälten verlangt worden, damit das Gericht öffentlich die Gründe für die mehr als 50 Tage dauernde Inhaftierung erkläre. Der Vorsitzende Richter Yuichi Tada begründete die Haft mit dem Risiko der Flucht und der Vernichtung von Beweismitteln.

          Die Inhaftierung Ghosn und seine Entlassung als Vorsitzender durch den Verwaltungsrat von Nissan erschüttert die erfolgreiche Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi Motors, die Ghosn maßgeblich in den vergangenen zwei Jahrzehnten geführt und ausgebaut hat. Die Autobauer sind durch Kapitalbeteiligungen verflochten. Ghosn ist formal Chef von Renault. Nissan lehnt derzeit Wünsche von Renault nach einer außerordentlichen Aktionärsversammlung und der schnellen Berufung eines neuen Nissan-Vorsitzenden ab. Spekuliert wird, dass der japanische Autobauer eine von Ghosn angeblich geplante Fusion mit Renault verhindern will.

          Die letzte Verhaftung am 21. Dezember bezieht sich auf Vorwürfe, dass Ghosn Verluste aus Devisenabsicherungsgeschäften in der globalen Finanzkrise 2008 auf Nissan übertragen habe und eine Zahlung von berichtsweise 14,7 Milliarden Dollar an einen saudi-arabischen Geschäftsmann. Bis Freitag muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie auch in dieser Angelegenheit Anklage erheben will oder Ghosn freilassen. Eine Verhaftung wegen neuer Vorwürfe könnte die Untersuchungshaft verlängern.

          Ghosn argumentierte, dass der Geschäftsmann die Zahlungen für geleistete Dienste für Nissan erhalten habe, mit Zustimmung der zuständigen Führungskräfte von Nissan. Die verlusthaltigen Devisenabsicherungsgeschäfte seien nur zeitweise an Nissan übertragen worden, um ihm Zeit für das Einwerben neuer Kreditgarantien zu geben. Nissan habe keine Verluste erlitten, sagte Ghosn. Ohne diese temporäre Hilfe wäre ihm damals nur der Rücktritt von Nissan geblieben, um mit seiner Abschiedszahlung die Garantien zu leisten. Er habe Nissan damals aber nicht im Stich lassen wollen.

          1100 Menschen wollten dabei sein

          Ghosns Auftritt vor Gericht in einem vollbesetzten Saal des Bezirksgerichts in Tokio war der erste öffentliche Auftritt des Franzosen seit der Festnahme. Ghosn betrat das Gericht wie in Japan üblich mit gefesselten Händen und mit einem Seil um seinen Bauch, um eine Flucht zu verhindern. Er wurde von Journalisten als abgemagert beschrieben. Er trug einen schwarzen Anzug ohne Krawatte und Plastiksandalen.

          Vor dem Gerichtssaal erschienen mehr als 1100 Menschen, die sich um 14 Plätze für die allgemeine Öffentlichkeit bewarben. Darunter waren indes zahlreiche Journalisten, die auf den wenigen Presseplätzen keinen Platz bekommen hatten.

          Indirekt wandte Ghosn sich auch gegen Vorwürfe des geschäftsführenden Direktors von Nissan,  Hiroto Saikawa. Dieser hatte die Vorwüfe gegen Ghosn im November nach dessen Verhaftung öffentlich gemacht und den ehemaligen Chef bezichtigt, eine zu große Machtfülle in der internationalen Autobauerallianz zum persönlichen Vorteil missbraucht zu haben. Ghosn setze dem schon zu Beginn seiner Erklärung entgegen, dass er „echte Liebe und Wertschätzung für Nissan“ empfinde. Er habe der Wiederbelebung Nissans und der Allianz zwei Jahrzehnte seines Lebens gewidmet, sagte der Automanager zum Schluss und Tag und Nacht daran gearbeitet und Schulter an Schulter mit Nissan-Mitarbeitern gestanden, um Werte zu schaffen.

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