https://www.faz.net/-gqe-94tb3

Brigitte Zypries traf im Sommer die Entscheidung für eine 150-Millionen-Euro-Kredit. Bild: dpa

Millionenkredit für Air Berlin : Eine Schmach für den Bund

Mit Lufthansa geht es trotz der gescheiterten Übernahme voran. Die Bundesregierung ist dagegen mit ihrer Strategie krachend gescheitert. Ein Kommentar.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist daran gescheitert, die EU-Kommission zu überzeugen, dass ausgerechnet Deutschlands größte Fluggesellschaft den Air-Berlin-Ableger Niki bekommen muss. Der Verlierer im Poker um die Reste der insolventen Gesellschaft ist er dennoch nicht. Im Gegenteil: Lufthansa muss zwar eine Wende mehr fliegen, doch mit dem Wachstum der eigenen Billigplattform Eurowings geht es trotzdem voran. Die Düpierten sitzen derweil in Berlin – nicht in der Air-Berlin-Zentrale, sondern im Regierungsviertel.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von Beginn an war der eilig gewährte 150-Millionen-Euro-Staatskredit für die insolvente Air Berlin ordnungspolitisch zweifelhaft. Trotzdem wollte die Bundesregierung mit Blick auf die bevorstehende Wahl den Weg bereiten für eine sanfte Zerlegung der Air Berlin. Damit ist sie krachend gescheitert. Die lange als sicher dargestellte komplette Rückzahlung des Darlehens wird ausbleiben, die Zerlegung von Air Berlin dürfte nicht mal die Hälfte des Kredits einbringen.

          Als hohl entpuppte sich auch das Argument, dank der Staatshilfe würden keine Urlauber im Ausland stranden. Kurz nach der Bundestagswahl, vor der die Staatsgabe leichtfertig ausgereicht wurde, begannen die Streckenstreichungen bei Air Berlin. Passagiere mussten neue Rückflugtickets kaufen. Mit dem Aus für Niki wiederholt sich das in größerem Umfang.

          Nebenbei sei angemerkt, dass diejenigen, die im Ausland hängenblieben, dort nur deswegen noch mit Air Berlin und Niki hinfliegen konnten, weil der Betrieb mit Staatshilfe am Leben gehalten wurde. Und für die Zerlegung der Fluggesellschaft ermöglichte der Staatskredit ein Prozedere, dessen Ausgang niemanden zufrieden stellen kann. Tausende Air-Berliner konnten ein paar Monate länger für ihren alten Arbeitgeber wirken, doch nun sind sie in derselben Situation, die sich auch ohne Staatshilfe ergeben hätte.

          Lufthansa kann dagegen sogar günstiger wachsen. Offensichtlich hatten Politiker im Wahlkampf ausgeblendet, dass es auch zu einer Neuordnung am Himmel über Deutschland kommen kann, ohne dass Unternehmen gekauft werden. Lufthansa spart sich den Kaufpreis für Niki, Zugriff auf Flugzeuge hat man sich ohnehin gesichert, Startrechte gibt es dann bei der nächsten Slotvergabe. Das ist der „Plan B“, mit dem Lufthansa-Chef Spohr gedroht hatte. Für Lufthansa-Aktionäre ist dieser Plan eine tolle Story. Für den Bund, der ohne Plan B mitgemischt hatte, ist er eine Schmach.

          Weitere Themen

          Die Gamescom-Highlights im Überblick Video-Seite öffnen

          Videorundgang : Die Gamescom-Highlights im Überblick

          Ab heute können alle auf die Gamescom. Doch welche Hallen und Stände lohnen einen Besuch? F.A.Z.-Redakteur Bastian Benrath verrät es auf einem Videorundgang.

          Topmeldungen

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.