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Niedrige Transferausgaben : Die Bundesliga wird abgehängt

Waren teuer: Kai Havertz und Timo Werner sind im Sommer zu Chelsea gewechselt. Bild: dpa

Die Bundesliga gibt nur noch ein Fünftel so viel für Transfers aus wie die Premier League. Die Klubs in England nehmen dagegen fast so viel Geld in die Hand wie vor Corona. Dabei hat mancher Verein vor Kurzem noch Angestellte entlassen.

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          Die Fußball-Vereine in Europa haben im Transferfenster, das am 5. Oktober zu Ende ging, ihre Ausgaben deutlich zurückgefahren. Die anderen europäischen Top-Ligen hängen die deutsche Bundesliga dabei deutlich ab. Das geht aus einer Analyse der fünf Top-Ligen im Herrenfußball der Carteret Group hervor.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwischen den Ligen gibt es große Unterschiede. Die Transferausgaben der Klubs in der englischen Premier League lagen im Sommertransferfenster mit umgerechnet 1,3 Milliarden Euro nur 7 Prozent niedriger als vergangene Saison. Dagegen haben die Vereine in der spanischen La Liga und der deutschen Bundesliga ihre Ausgaben um etwa 45 Prozent gesenkt.

          Die spanischen und französischen Teams gaben insgesamt etwa 400 Millionen Euro aus, die Italiener investierten mit 680 Millionen Euro etwa die Hälfte dessen, was die Engländer ausgaben. Dagegen ist die deutsche Bundesliga weit abgeschlagen. Mit etwa 300 Millionen Euro kommt sie nicht einmal mehr auf ein Viertel der Transferinvestitionen der Premier League. Die deutsche und die spanische Liga erzielten dabei geringe Überschüsse, die Premier League dagegen ein Defizit von etwa 900 Millionen Euro.

          Zwei Klubs gaben viel Geld aus

          Das liege vor allem daran, dass es aufgrund der vielen Investoren in England einige Klubs gebe, deren Wohlstand nicht vom Sport abhänge, erklärt Kieran Maguire, der an der Universität in Liverpool „Football Finance“ und Buchhaltung lehrt. Namentlich nennt er den FC Chelsea und Manchester City. „Solche Klubs haben am meisten Geld ausgegeben.“ Zudem weist er auf Sondereffekte hin: Der FC Chelsea, der etwa die deutschen Nationalspieler Timo Werner und Kai Havertz für 53 und 80 Millionen Euro verpflichtet hat, komme gerade aus einer Transfersperre. „Die geben das Geld zweier Sommer in einem aus.“ Zudem habe Manchester City aus Sorge vor einer drohenden, aber abgewendeten Transfersperre die Ausgaben reduziert und könne nun wieder mehr Geld in die Hand nehmen.

          „Alle mit Geschäftsmodellen müssen aber vorsichtig sein.“ Die Banken hielten sich mit Krediten gerade zurück. Vereine mit börsennotierten Eigentümern wie Manchester United investieren deshalb weniger. Für die Eigentümer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch, und von Manchester City, Mansour bin Zayed, gehe es dagegen eher darum, sich mit den Klubs zu schmücken. Langfristig glaubt er, dass die Corona-Krise damit die Dominanz der großen Vereine zementiere.

          „Das ist wie am Aktienmarkt: Diejenigen, die finanzielle Potenz haben, sehen eine Chance, günstige Spieler zu holen“, sagt Frank Daumann, Professor für Sportökonomie an der Universität Jena. „Das ist nicht verwerflich, das ist halt der Markt“, findet er. In Richtung strauchelnder Klubs ergänzt er: „Wenn jemand ein schlechtes Geschäftsmodell hat und von der Hand in den Mund lebt, dann ist die Frage, ob der Verein überleben sollte.“ Das stärke zwar die Dominanz der guten Vereine, aber bisher habe das nicht dazu geführt, dass die Fans wegblieben.

          Kritischer blickt Robert Wilson, Sportökonom an der Sheffield-Hallam-Universität, auf die Transferausgaben, vor allem die der Premier League. Der FC Arsenal habe etwa 50 Mitarbeiter entlassen und gebe nun doch viele Millionen für Spieler aus. „Ich bin besorgt über die Botschaft, die das an die Öffentlichkeit sendet.“

          Die insgesamt geringeren Transferausgaben gingen dabei mit generell deutlich weniger Transfers einher. Die Zahl der eingekauften Spieler sank in allen Ligen um zweistellige Prozentwerte im Vergleich zum Vorjahr. Nur in der Premier League gab es einen leichten Zuwachs.

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