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F.A.Z. exklusiv : Nicolas Blanchard wird Vertriebsvorstand der HSH Nordbank

Nicolas Blanchard wird neuer Vertriebsvorstand der HSH Nordbank. Bild: Script Consult GmbH

Die HSH Nordbank hat einen neuen Vertriebsvorstand: Nach F.A.Z.-Informationen wird es Nicolas Blanchard. Der 50-Jährige kommt vom Bankhaus Lampe, der Privatbank der Oetker-Familie.

          In den vergangenen zwölf Monaten hat er abgekühlt. In den heißgeliebten Bergen beim Wandern und Skifahren genoss Nicolas Blanchard ausgedehnte Ferien mit seinen 15 und 17 Jahre alten Kindern. Denn der gelernte Rechtsanwalt war zuletzt nur vielleicht 30 Stunden in der Woche als Of-Counsel für die internationale Anwaltskanzlei Dentons tätig, ohne in deren Organisation groß eingebunden zu sein. Oft von zuhause arbeitete er daran, besondere Finanzierungen zu strukturieren. Im Sommer beschäftigte ihn etwa die Staatspleite Venezuelas.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon damals war klar: Blanchard will nach der Abkühlung zurück ins Bankgeschäft. Vor etwa einem Jahr hatte der gebürtige Bielefelder mit französischem Pass das Bankhaus Lampe verlassen. Jahrelang hatte er sich dort warmgelaufen, um in der Bank der Industriellenfamilie Oetker die Nummer eins zu werden. Schließlich war der heute 50 Jahre alte Blanchard der einzige von drei persönlich haftenden Gesellschaftern einer jüngeren Generation, und man hatte dem Kapitalmarktfachmann quasi als heißen Test auch das Geschäft mit reichen Privatkunden anvertraut. Doch am Ende machte ein anderer das Rennen: Klemens Breuer, früher Kapitalmarktvorstand der West LB und der Raiffeisenbank International, wurde von außen an die Spitze von Lampe geholt. Blanchard zog von dannen.

          „Ungeheuer spannend“

          Jetzt kehrt Blanchard aus der selbstgewählten Abkühlungsphase zurück. Am Montag berief ihn der Aufsichtsrat der HSH Nordbank zum Vorstand für Kunden und Produkte. „Teil der ersten privatisierten Landesbank zu sein, empfinde ich als ungeheuer spannend“, sagt Blanchard im Gespräch mit der F.A.Z. Für ihn gehe es jetzt darum, schnell die Strategie der Bank und die Mitarbeiter kennenzulernen und raus zu den Kunden zu gehen. „Anpacken“, sagte er voller Tatendrang und fügt hinzu: „Wir fangen nicht bei Null an. Es gibt nennenswerte Firmen-, Projekt- und Immobilienfinanzierungen mit starken Kundenbeziehungen.“

          Wie die gesamte Bank muss auch Blanchard einen Spagat vollziehen. Unter den neuen Eignern, den Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers, wird die einst 5000 und derzeit noch rund 1700 Mitarbeiter beschäftigende HSH Nordbank schrumpfen und wird bald weniger als 1000 Mitarbeiter haben. Den Sozialplan handelt noch der 2019 in den Ruhestand tretende frühere West-LB-Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus aus, der für die HSH seit 2014 als Generalbevollmächtigter tätig ist. Gleichzeitig setzen die neuen Eigner aber mit Blanchard das Signal, dass die Geschäftsbank für den Mittelstand in Hamburg und Deutschland als Finanzier etwa von Immobilien und Projekten für erneuerbare Energien jetzt schon einiges Neugeschäft machen soll.

          Torsten Temp verlässt den Vorstand

          Nicht länger dabei sein wird der 58 Jahre alte Vorstand Torsten Temp, dessen Vertrag im März 2019 ausläuft. Ihn ersetzt ab sofort eben Blanchard. Wie auch der HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch wohnt der neue Vertriebsvorstand der Hamburger Bank in der Nähe von München, beide lieben die Berge und kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in der Hypo-Vereinsbank (HVB). Ermisch habe einen Vorstand gewollt, der Firmenkunden mit viel Empathie begegne, heißt es.

          Blanchard wirkt gemütlich und gleichzeitig auf Zack. Daran dürfte seine Abkühlungsphase nichts geändert haben. Auf die für Lampe gemachten Erfahrungen mit Privatkunden wird er in der HSH Nordbank dagegen nicht aufbauen können. Denn es ist zu erwarten, dass die neuen Eigner für das Privatkundengeschäft Partner suchen oder sich ganz davon trennen. Blanchard wird es verschmerzen. In der HVB hat er das Firmen- und Projektfinanzierungsgeschäft von der Pike auf gelernt. Insofern kehrt Blanchard als HSH-Vorstand zurück zu den Wurzeln seiner Karriere.

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