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Nicolas Berggruen : Karstadt-Investor mit Sammler-Gen

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Nicolas Berggruen, Sohn und Erbe des Kunstsammlers Heinz Berggruen, Jahrgang 1961, uverheiratet, kinderlos Bild: Christian Thiel

„Ästhetik, Architektur und Kunst interessieren uns ebenso wie der Cash flow“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens von Nicolas Berggruen, der nun Karstadt retten könnte. Das kurze Interview gibt er der F.A.Z. beim Umsteigen vom Privatjet in den Helikopter.

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          Er wolle die Kultmarke Karstadt retten, hat Nicolas Berggruen am vergangenen Freitag nach Bekanntwerden seiner Offerte für die insolvente Kaufhaus-Gruppe verlauten lassen. Ein wenig klingt da die Sammelleidenschaft durch, die in der DNA der Familie Berggruen zu liegen scheint. Sein Vater Heinz Berggruen, Ehrenbürger der Stadt Berlin, war einer der bedeutendsten deutschen Kunstsammler des 20. Jahrhunderts. Seine der Stadt Berlin für einen geringfügigen Preis zur Verfügung gestellte wertvolle Gemäldesammlung ist heute in dem nach ihm benannten Museum zu bewundern. Auch der zweitjüngste Sohn des einst vor den Nazis in die Vereinigten Staaten geflüchteten Mäzens ist ein Sammler. Und zwar nicht nur von Werken zeitgenössischer Künstler wie Andy Warhol, Jeff Koons oder Damien Hirst, sondern auch von Unternehmensbeteiligungen oder Immobilien mit besonderem architektonischen Charme.

          Der 1961 in Paris geborene, überwiegend in den Vereinigten Staaten lebende Karstadt-Interessent war hierzulande kaum bekannt, bis er sich am Pfingstwochenende völlig überraschend als möglicher Retter des seit Jahren gründlich heruntergewirtschafteten Essener Warenhausunternehmens ins Spiel brachte. Dabei hat er sich schon früh im Alter von 25 Jahren nach dem Wirtschaftsstudium an der New York University als privater Investor selbständig gemacht, mehrere Milliarden Dollar in internationale Unternehmen investiert und dabei rasch die Forbes-Liste der Milliardäre erklommen. So hat sich seine Berggruen Holdings unter anderen bei der größten Medien-Gesellschaft Portugals, der Media Capital, oder dem amerikanischen Brillenhersteller FGX engagiert. 2007 machte er auch in Deutschland von sich reden, als er die IMS-Gruppe und damit einen Teil der insolventen Schieder-Gruppe kaufte. Aus dieser Zeit kennt er im Übrigen Thomas Fox, der heute als Sanierungsexperte für Karstadt im Einsatz ist. Derzeit treiben ihn – von Karstadt einmal abgesehen – unter anderem Investments in erneuerbare Energien oder die Biotechnologie um.

          Immer auf der Suche

          Seit 2005 ist Berggruen mit seiner Nicolas Berggruen Holdings GmbH auch in Berlin vertreten, wo er seiner Sammelleidenschaft für besondere Häuser frönt. Mehr als 225 Millionen Euro hat der Architekturfan bereits in gründerzeitliche Wohn- und Gewerbeimmobilien mit besonderem Flair rund um Berlin und Potsdam gesteckt. Dazu gehören das traditionsreiche Café Moskau an der Karl-Marx-Allee ebenso wie die Sarotti-Höfe in Kreuzberg oder die Schuckert-Werke in Treptow. „Ästhetik, Architektur und Kunst interessieren uns ebenso wie der Cash flow“, heißt es auf der Internetseite seines Unternehmens. Und so fahren er und sein Geschäftspartner Samuel Czarny häufig stundenlang mit großem Enthusiasmus durch die Straßen der Stadt, um interessante Investments aufzuspüren.

          Berlin ist für Berggruen eine der faszinierendsten Städte der Welt, sagt er. Seine jüdischstämmigen Großeltern haben dort vor der Vertreibung ein Schreibwarengeschäft betrieben. Obwohl in Paris aufgewachsen, haben Vater und Mutter, Schauspielerin Bettina Berggruen, ihn deutschsprachig erzogen. Daneben spricht er fließend Französisch und Englisch. Die deutsche Kultur spielte in seiner Kindheit eine große Rolle, und von den vielen Reisen, die ihn mit der Familie schon früh auch nach Berlin geführt haben, kennt er natürlich das KaDeWe, das heutige Flaggschiff von Karstadt. Als Vorsitzender des Fördervereins des Museums Berggruen setzt er zudem seit drei Jahren die großbürgerliche Tradition seiner Familie in Sachen Mäzenatentum fort.

          Er lebt überwiegend in Hotels oder Flugzeugen

          Berggruen ist ein Weltbürger, dazu hat ihn allein schon die Geschichte seiner Familie gemacht. Der unverheiratete, kinderlose Milliardär hat keinen repräsentativen festen Wohnsitz, heißt es. Vielmehr ist er ständig um den Globus unterwegs und lebt überwiegend in Hotels oder Flugzeugen. Das kurze Interview mit dieser Zeitung, für die schon sein Vater Kolumnen geschrieben hat, gibt er beim Umsteigen vom Privatjet in den schon wartenden Helikopter. Eine langjährige Wegbegleiterin beschreibt ihn als einen hochintelligenten Menschen mit schneller Auffassungsgabe. Er gehe mit derselben Kreativität und demselben sicheren Gespür für das Machbare durch das Leben wie sein Vater. Im Fall Karstadt beweist er sehr viel Mut. Er traut sich zu, mit frischem Geld und neuen Ideen die Geschicke nochmals wenden zu können. Turn-around-Situationen und das Rückführen von Unternehmen in die Gewinnzone seien für ihn nichts Neues, sagt er. Und er wirbt damit, bei seinen Engagements sehr langfristig zu denken. Einen langen Atem benötigt er tatsächlich. Dass Karstadt noch mal zu einem wertvollen Kunstwerk werden könnte, ist indes ein wahrlich kühner Gedanke.

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