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Drei Aufgaben : Wie sich Unternehmen für die Zukunft wappnen

  • -Aktualisiert am

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran: Im Karosseriebau des Volkswagen-Werkes in Sachsen montieren Roboter die Türen des VW ID.3. Bild: dpa

Pandemie, Digitalisierung und Klimawandel: Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Umbruch. Was nötig ist, um ihn zu meistern.

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          Die meisten produzierenden Unternehmen sind bisher gut durch die Pandemie gekommen, schlecht ergeht es Dienstleistern im Tourismus-, Messe- und Kulturgeschäft sowie dem stationären Fachhandel. Wieder einmal hat die hohe Bedeutung des Exports die deutsche Industrie gerettet, ausschlaggebend war die starke chinesische Nachfrage. Hinzu kommt, dass man aus der Finanzkrise vor gut zehn Jahren gelernt hat. Dank einer besseren Ausstattung mit Eigenkapital halten viele Unternehmen eine Krise besser und länger durch als früher. Insolvenzen sind aktuell meist nicht der Corona-Rezession geschuldet, sondern Pandemie-unabhängigen Strukturproblemen, etwa im Einzelhandel.

          Dennoch wird niemand die Krise einfach aussitzen können. Sie kommt für die meisten Unternehmen zusätzlich zu den großen Umbrüchen durch Digitalisierung und Klimawandel. Die Digitalisierung, die unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ mittlerweile zehn Jahre alt ist, erlebt zwar gerade auf der Gartner-Hype-Kurve die Phase der Ernüchterung nach dem ersten Höhepunkt. Das aber darf kein Grund sein, nicht weiter intensiv daran zu arbeiten.

          Es wäre klug, die Zeit zu nutzen, um sich auf die volle digitale Begleitung der Produktion einzustellen. Erst die ununterbrochene digitale Begleitung der gesamten Wertschöpfung (digitaler Zwilling) wird die erwarteten Produktivitätsreserven heben. Dazu braucht es nicht nur technische Voraussetzungen, sondern auch andere Abläufe und eine andere Organisation im Unternehmen – ein Thema, dessen Bedeutung oft unterschätzt wird. Am Filialsterben der Banken und am Umbruch der großen Autohersteller erahnt man die Dimensionen dieser auch organisatorischen Neuordnung, die fast alle Branchen erfasst.

          Agiles Arbeiten wird zunehmen

          Tradierte Abläufe kommen zudem vom Markt her unter Druck. Einführungen neuer Produkte müssen heute schneller gehen. Daher kann die Entwicklung nicht mehr nacheinander vollzogen werden; von Anfang an müssen Produktion, Vertrieb, Einkauf oder Marketing in die Produktentwicklung integriert werden. Agiles Arbeiten wird zunehmen, und erst mit der neuen beweglichen Organisation wird man die Produktivitätsreserven heben können, welche die Digitalisierung verspricht.

          Hiermit eng verbunden ist die Entwicklung von Partnerschaften, neudeutsch gern „Ökosysteme“ genannt. Das ist eine Folge sowohl der Beschleunigung als auch der Digitalisierung. Vieles kann man selbst gar nicht machen, zum Beispiel Daten über Künstliche Intelligenz auswerten. Als zweite große Herausforderung bricht der Klimaschutz mit Macht in die Unternehmen ein. Der Green Deal der Europäischen Union soll in den Unternehmen umgesetzt werden; über ihre Fortschritte müssen sie künftig ebenso regelmäßig berichten wie bisher über ihre finanziellen Erfolge.

          Aber auch Corona ist mit der letzten Impfung nicht beendet. Jedes Unternehmen muss sich überlegen, ob es sich auf eine solche oder eine ähnliche Pandemie nicht besser vorbereiten kann. Wenn Zulieferketten gerissen sind, ist zu prüfen, ob man sie nicht generell verändert. Viele Unternehmen sind dabei, zumindest mehrere Lieferquellen offenzuhalten und regionaler Nähe wieder stärkeres Gewicht beizumessen. Die geopolitischen Verschiebungen könnten das befördern. Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und China wird nicht schon durch den Regierungsantritt des neuen Präsidenten Joe Biden gelöst. Es zeichnet sich, im Gegenteil, eher eine Verschärfung ab.

          Verlagerung der Produktion als Krisenfolge

          Unternehmen werden vielleicht schon vorsorglich in Nordamerika wie in China produzieren, weil Lieferungen aus dem jeweils anderen Land blockiert werden könnten. Es ist auch zu fragen, ob man nicht künftig doch wieder an der einen oder anderen kritischen Stelle der Wertschöpfungskette ein Lager einrichtet, um in Krisenzeiten einen Puffer zu haben.

          Eine spannende Frage lautet, wie man nach der Pandemie mit der Heimarbeit umgeht. Wahrscheinlich wird weder die jetzige Begeisterung für das Homeoffice dauerhaft anhalten, noch der alte Zustand der reinen Büroarbeit zurückkehren. Es wird flexible Zwischenformen geben mit all ihren Auswirkungen auf die Büroplanung, die technische Ausstattung der Mitarbeiter, die digitale Sicherheit der Heimarbeitsplätze oder für den Zusammenhalt und die Unternehmenskultur. Es sind Fragen der Ausbildung, der Weiterbildung und der Einarbeitung neuer Mitarbeiter zu klären. Bisher kaum gestellt wurde die Frage, ob eine Arbeit, die man aus dem Homeoffice erledigen kann, nicht vielleicht besser ganz ausgelagert werden sollte.

          Der Dreiklang Digitalisierung, Klimaschutz und Corona wird die Unternehmen noch lange beschäftigen, begleitet wird er vom globalen Hintergrundrauschen. Wer die Aufgaben zügig abarbeitet, ist besser aufgestellt.

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