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„Nicht berechtigte Forderung“ : Boris Becker kämpft um seinen Ruf

  • -Aktualisiert am

Boris Becker Bild: Reuters

Ein Gericht in London hat die Tennisikone Boris Becker für zahlungsunfähig erklärt. Nun tritt Beckers früherer Mentor auf den Plan. Worum geht es?

          3 Min.

          Der ehemalige deutsche Tennisstar Boris Becker gerät offenbar weiter in finanzielle Bedrängnis. Es geht um ausstehende Kredite von angeblich mehr als 40 Millionen Schweizer Franken, die ein früherer Geschäftspartner aus der Schweiz zurückfordert. Beim Kantonsgericht in Zug ist dazu am 26. Juni ein Urteil gefällt worden.

          Das Gericht wollte auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nichts zum Ausgang in erster Instanz sagen, weil das Urteil erst am kommenden Montag veröffentlicht wird. Zu erfahren ist aber von der Gegenseite, dass die zivilrechtliche Klage gegen Becker zwar aus formellen Gründen abgewiesen, aber die Forderungen bestätigt worden sind.

          Die Vorwürfe gegen die frühere Tennisikone wiegen schwer. Gestellt werden die nun bekanntgewordenen Forderungen von Beckers früherem Mentor und Geschäftspartner, Hans-Dieter Cleven, einem in Würzburg geborenen Wahlschweizer, der einst zu den engsten Vertrauten des verstorbenen Metro-Konzerngründers Otto Beisheim gehörte.

          Beckers Villa auf Mallorca

          In einer Mitteilung am Dienstag ließ Cleven über seinen Schweizer Anwalt wissen: „Nachdem kürzlich das Urteil eines Londoner Insolvenzgerichtes öffentlich bekanntgeworden ist, wonach dieses Boris Becker als insolvent erklärt hat, sieht sich der Unternehmer und frühere Geschäftspartner von Boris Becker, Dr. Hans-Dieter Cleven (Zug), gezwungen, seine Forderungen gegenüber Boris Becker auch in diesem Insolvenzverfahren geltend zu machen.“ Drei Tage vor dem Urteilsspruch in Zug hatte ein Londoner Gericht im Juni dem Insolvenzantrag der Privatbank Arbuthnot Latham gegen Boris Becker stattgegeben.

          Die zuständige britische Richterin hatte den ehemaligen Spitzensportler zudem für zahlungsunfähig erklärt. Die Privatbank hatte gegen den dreimaligen Wimbledon-Sieger wegen einer ausstehenden Summe geklagt – und recht bekommen. Zahlreiche Einigungsversuche seien von Becker nicht wahrgenommen worden, heißt es in der Erklärung von Cleven. Und weiter: „Und Rückzahlungsversprechen, die von Becker schriftlich anerkannte Forderung von mehr als 40 Millionen Schweizer Franken innerhalb vereinbarter Fristen zu zahlen, wurden von Boris Becker wiederholt nicht eingehalten. Auch die von Boris Becker in Darlehensverträgen vereinbarten Sicherheiten hat Boris Becker vertragswidrig anderweitig verwertet. Zuletzt geschehen mit seinen Autohäusern in Deutschland.“

          Der Anwalt von Cleven in der Schweiz, Oliver Habke, deutete auf Anfrage an, dass es in dem Streit auch um Beckers Villa auf Mallorca ginge. Auf den Wert des Hauses sollen von mehreren Seiten Sicherheiten auf Darlehn gewährt worden sein.

          Cleven ist eine illustre Persönlichkeit und gehört zu den sehr vermögenden Menschen der Schweiz. Lange Zeit stand der Mittsiebziger an der Seite des Unternehmers und Metro-Mitbegründers Beisheim. Er hatte den Handelsgiganten mit aufgebaut, Ordnung in das Marken-Konglomerat der Holding gebracht und bis zu seinem plötzlichen Abschied von Metro im Jahr 2003 als Beisheims Schatzmeister gewirkt.

          Da schon beriet Cleven auch Becker. Anfang der 2000er Jahre hatte Becker auch Fiskusschulden zu begleichen, da lieht er sich offenbar auch Geld von Cleven. Dessen Anwalt sagte auf Anfrage, dass es in der heutigen Forderung auch um Kredite aus einer Zeit von vor 15 Jahren gehe.

          „Unser Mandant wird sich (...) nicht weiter öffentlich äußern“

          Cleven investierte einst in den Ski- und Tennisschläger-Hersteller Völkl und setzte den Geschäftspartner Becker dafür auch als Werbebotschafter ein. Der Multimillionär betätigte sich zudem als Investor in dem Bad Griesbacher (Bayern) Golf- und Wellnessimperium des Unternehmers Alois Hartl. Jetzt will Cleven seine Forderungen in das Londoner Insolvenzverfahren mit einbringen. In der Erklärung des Anwaltes heißt es: „Der nun eingeschlagene Weg von Dr. Cleven stützt sich auch auf die von Boris Becker und seinen Anwälten öffentlich gemachten Aussagen, Boris Becker könne allen Forderungen und den regelmäßigen finanziellen Verpflichtungen voll nachkommen.“ Das entspreche auch der Erwartungshaltung von Cleven, der wesentliche Teile des Darlehens nach dessen Rückzahlung durch Boris Becker der gemeinnützigen Cleven-Stiftung zur Verfügung stellen wolle.

          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bat den juristischen Vertreter Beckers, Christian-Oliver Moser, um eine Stellungnahme. Die F.A.Z. richtete mehrere Fragen an den Anwalt, darunter, ob Becker die Forderung akzeptiere und ob er zahlungsunfähig sei.

          Daraufhin kam nur eine allgemeine Antwort: „Die Pressemitteilung der Rechtsanwälte von Herrn Dr. Cleven ist aus unserer Sicht der untaugliche Versuch, über öffentlichen Druck eine nicht berechtigte Forderung gegen unseren Mandanten durchzusetzen. Unser Mandant wird sich deshalb zu dieser Thematik auch nicht weiter öffentlich äußern.“

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