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Mode : New Yorker kommt aus der deutschen Provinz

  • -Aktualisiert am

In Sulzbach, nicht in New York: Filiale der Braunschweiger Modekette. Bild: IMAGO

Friedrich Georg Knapp hat einen der größten Konzerne für Jugendmode aufgebaut. Selbst vor einem Rechtsstreit mit den Rolling Stones scheut er nicht zurück.

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          Schon der Firmenname und das rote Logo deuten auf ungestüme Jugend und auf Aufbruch hin. Dass New Yorker, mit einem Jahresumsatz von 1,45 Milliarden Euro im Jahr 2013 einer der größten europäischen Anbieter von Jugendmode, seinen Hauptsitz in der Provinz hat, ist ebenso wenig bekannt wie sein Alleininhaber: Friedrich Georg Knapp hält sich in der Öffentlichkeit zurück.

          Nun hat er sich zu neuen Plänen geäußert. In diesem Jahr will er in das Geschäft mit Sportmode stärker als bisher vordringen - fast zeitgleich mit dem größeren Konkurrenten Hennes & Mauritz. H&M und Zara (Inditex) strebt er nach. Ohne Zahlen zu nennen, will Knapp „mindestens“ genauso rentabel sein. Ein anderer international tätiger deutscher Textilunternehmer spricht von ihm und New Yorker mit Respekt. Er habe ein gutes Konzept. Umsatz und die Zahl von 16.000 Beschäftigten, darunter 9.200 Vollzeitkräfte, des Braunschweiger Konzerns sind im Vorjahr etwa konstant geblieben. Vor acht Jahren gab Knapp den Plan auf, an die Börse zu gehen. New Yorker, sagt Knapp, sei und bleibe selbständig.

          In den Fußgängerzonen vieler Innenstädte fällt der Laden schon durch Namen und Logo auf - nicht nur in Köln, Braunschweig und Berlin, den größten Läden, sondern auch in insgesamt 39 Ländern vor allem in Europa, aber auch in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Insgesamt gibt es 960 Filialen, allein vier davon im lettischen Riga in bester Lage. Wer durch die Braunschweiger Hauptfiliale läuft, sieht zahllose junge Menschen, die nicht nur Kleiderständer durchstöbern, sondern auch an Internetsäulen nach dem jüngsten Fußballergebnis in der türkischen oder englischen Liga surfen.

          Breakdance-WM in Braunschweig

          New Yorker setzt auf flache Hierarchien und einen globalen Einkauf. Für diesen ist Knapp im Vorstand zuständig. Verkauft werden ausschließlich preisgünstige Eigenmarken für die „Altersgruppe 12 bis 39“. Der Konzern behauptet, er sei in den letzten Jahren ebenso kontinuierlich, teils entgegen dem Markttrend, gewachsen. Ebenso sei die Rentabilität gestiegen. Dabei werde in dem Modekonzern die gesamte Wertschöpfungskette vom Entwurf bis zur Ladentheke beherrscht, wobei Lieferanten die Produktion übernehmen. Online-Verkauf lehnt Knapp ab - da sei die Quote von Rückgaben riesig und die Rendite schmal, sagte er der Zeitschrift „Textilwirtschaft“.

          Auf den Namen New Yorker kamen die drei Gründer in den frühen Achtzigern während eines Besuchs in den Vereinigten Staaten - angelehnt an die Zeitschrift „The New Yorker“. Die Internationalisierung begann im Jahr 1994 mit einem ersten Auslandsgeschäft in Linz. Stark war die internationale Expansion aber erst im letzten Jahrzehnt. Nahezu zwei Drittel des Umsatzes werden mittlerweile im Ausland erzielt. In den Auslandsmärkten tritt New Yorker mit einem identischen Sortiments-Konzept an: Bei der jugendlichen Zielgruppe gebe es in Europa kaum kulturelle Unterschiede und ähnliche modische Bedürfnisse. Nur beim Marketing unterscheiden sie sich. Dabei setzt New Yorker auf Musik und Sport.

          Das zeigt sich auch beim Sponsoring. Der New Yorker trägt die jährliche Breakdance-Weltmeisterschaft in Braunschweig aus, das „Battle of the Year“, bei dem Tanzgruppen aus aller Welt in die Löwenstadt kommen. Musiker stützt New Yorker über eine eigene Firma und verbindet das mit Auftritten in den Filialen. Für die junge Seite der Stadt Braunschweig warb der Konzern mit einem von ihm produzierten Video - auch um junge Kreative als Arbeitskräfte nach Braunschweig zu locken. So und vor allem durch seine Modelinien ist New Yorker nach einer Studie der GfK, der Gesellschaft für Konsum- und Marktforschung, 94 Prozent aller jungen Deutschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren bekannt.

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