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Mode : New Yorker kommt aus der deutschen Provinz

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Nicht alles läuft glatt

Aber nicht stets und überall lief es glatt. Vor gut einem Jahrzehnt berichteten Außenstehende mit Einblick von „schweren Zeiten“. Damals übernahm Knapp den Anteil des Mitgründers Tilmar Hansen. Ein dritter Mitgründer im Jahr 1976 beim ersten Geschäft in Flensburg war schon 1990 ausgestiegen. Fast zeitgleich hatte der Textilkaufmann Fritz Knapp seinen eigenen Laden in Braunschweig eröffnet. Dort blieb der gebürtige Bad Hersfelder; so sind in Braunschweig Logistik, Einkauf und Marketing ansässig, in Kiel die Verwaltung.

Auch derzeit läuft nicht alles wie angestrebt. Die Zweitmarke „Ann Christine“ für etwas anspruchsvollere junge Frauen mit 29 Läden in sieben Ländern hat die Erwartungen bisher nicht erfüllt. „Ann Christine Fashion-Holding“ zählt zu einer fast unüberschaubaren Zahl von Tochterunternehmen. Sie werden gebündelt in „New Yorker SE“, einer europäischen Aktiengesellschaft, die wiederum der FKG Vermögensgesellschaft mbH in Wien, Zweigniederlassung Braunschweig, mit dem alleinigen Anteilseigner Friedrich Georg Knapp gehört.

Nur selten taucht Knapps Name in der Öffentlichkeit auf. Vor vier Jahren spendete er innerhalb kurzer Zeit jeweils eine Million Euro für die Flutopfer in Pakistan und die Erdbebenopfer in Haiti. Zudem gab es einen Rechtsstreit mit den Rolling Stones. Mediengestalter des New Yorker hatten auf Werbeplakaten zum Schlussverkauf eine stilisierte Zunge gezeigt - was die Amsterdamer Vertreter der Rockband an deren Markenzeichen erinnerte. New Yorker musste mit erheblichen Kosten die Plakate einstampfen. Seine „Zunge“ lasse er sich nicht verbieten, sagte Knapp, sie gehöre nicht den Stones allein, und klagte, Ausgang ungewiss. Beim Sport steht der Konzern hinter einem Football-Team in der Bundesliga und hinter dem Fußballklub Eintracht Braunschweig. Dagegen zog das Unternehmen kurzfristig und schroff seine Unterstützung des Basketball-Bundesligisten New Yorker Phantoms Braunschweig zurück, weil es sich mehr auf soziales Engagement konzentrieren wolle.

Bei allem Kostenbewusstsein gilt Knapp besonders bei der Bekämpfung der Kinderarmut als großzügig. Im Jahr 2007 regte er einen Braunschweiger Schulkostenfonds an und beteiligte sich mit 600.000 Euro. Das örtliche Engagement für Kinder in Armut wurde vor allem dank ihm zu einem bundesweit einmaligen Modell. Es ist die mit Abstand größte Hilfsaktion für bedürftige Kinder in Niedersachsen. Der kommunal getragene Fonds bezahlt Schulmaterial für Kinder aus sozial schwachen Familien.

Dennoch hält sich der 62 Jahre alte Knapp von der „braunschweigischen Stadtgesellschaft“ fern. Seit Februar liegen die Stadt und der Konzern überquer. Die Stadt will nach der Eröffnung eines anderen Erlebnisbades ein Schwimmbad schließen und das Grundstück in bester Lage als Baugebiet ausweisen. Knapp stellte sich hinter Bürgerinitiativen und zeigte sich bereit, das Badezentrum zu retten. Die Stadt aber wollte den von ihm entsandten Fachleuten nicht Zugang zur Prüfung gewähren, bis der neben Volkswagen wichtigste Unternehmer der Stadt seine Pläne schriftlich erläutert habe. So gibt es derzeit eine ungewohnte Front - Grüne, Linke und Piraten stützen den medienscheuen Textilhändler und Multimillionär.

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