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Neues Werk : Volkswagen wagt den Ausbau in Indien

Neues Werk in Indien: Im Mai sollen die ersten Skoda Fabia gefertigt werden Bild: REUTERS

Mitten in der Krise eröffnet Volkswagen ein 580 Millionen Euro teures Autowerk im indischen Pune. Bis 2011 soll der Großteil der Teile von lokalen Zulieferern kommen. Dank staatlicher Förderung wächst der indische Automarkt gut.

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          Mitten in der tiefsten Automobilkrise eröffnet die Volkswagen AG ein großes Werk in Indien. Mit 580 Millionen Euro ist es die bislang größte Einzelinvestition eines deutschen Unternehmens auf dem Subkontinent. Wie sehr die Krise aber die Welt umspannt, zeigte sich bei der Feier am Standort Pune, 150 Kilometer östlich der Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai): Der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn sagte im letzten Moment seine Teilnahme ab, da er in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel über die Lage der Branche sprach.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Pune wird das zweite Werk des Volkswagen-Konzerns in Indien. Denn die Marke Skoda besitzt schon eine Fertigung in Aurangabad. Dort sollen auch künftig angelieferte Bausätze zusammengebaut werden. In Aurangabad werden vier Skoda-Modelle, Audi A4 und A6, Passat und Jetta gebaut. Die Kapazität liegt bei rund 30.000 Einheiten im Jahr. Im Außenbezirk Chakan vor Pune aber ist eine Vollproduktion entstanden. „Wir haben hier alle Komponenten: Presswerk, Karosseriebau, Lackierstraße und Montage“, sagt Jörg Müller, Präsident von Volkswagen India Pvt Ltd.

          Jeden Donnerstag wird der Strom abgeschaltet

          Allerdings kämpft auch der deutsche Großinvestor mit den indischen Hürden: Die Verhandlungen über einen wichtigen Anschluss an das Eisenbahnnetz sind auch nach Jahren noch nicht zu Ende gebracht. Und das von Volkswagen konzipierte Zuliefergelände direkt neben dem eigenen Werk ist bislang noch auf keinen großen Zuspruch getroffen. Jeden Donnerstag herrscht in Pune zudem Feiertag, weil der Strom abgeschaltet wird. Dafür wird aber sonntags gearbeitet.

          Den Gouverneur des westindischen Maharashtra in die Mitte genommen: Eröffnung des VW-Werks in Pune

          Allerdings haben die Wolfsburger die Fabrik in Indien ein Jahr früher fertiggestellt als zunächst geplant. Bis Ende nächsten Jahres sollen alle 2500 Stellen besetzt sein. Hatte VW im vergangenen Jahr noch von einer Endproduktion von 150.000 Einheiten gesprochen, so war am Dienstag die Rede von noch 110.000 Fahrzeugen aus Pune. Im Mai sollen die ersten Skoda Fabia gefertigt werden, im kommenden Jahr dann ein Indien-Modell des Polo.

          Daimler mit eigenem Werk zugezogen

          Dabei spielen die Zulieferer in Indien eine entscheidende Rolle. „Wir beginnen mit einem Anteil lokaler Fertigung von etwa 50 Prozent und wollen bis 2011 auf einen Anteil von 80 Prozent kommen“, sagte VW-Produktionsvorstand Jochem Heizmann dieser Zeitung. „Wir werden jedes einzelne Element prüfen, auch Rohstoffe wie Stahl oder Granulat. Das Zulieferkonzept ist einer unserer Kernpunkte zur wirtschaftlichen Fertigung hier.“

          Erst Mitte Februar hatte die Daimler AG ihr neues Werk für die Fertigung von Mercedes Personenwagen, Bussen und Nutzfahrzeugen in der Nähe von Volkswagen bezogen. „Derzeit können wir in der neuen Fabrik 5000 Personenwagen und 1200 Nutzfahrzeuge im Ein-Schicht-Betrieb jährlich bauen“, sagte Wilfried Aulbur bei der Eröffnung. Nach jüngsten Angaben von Daimler-Partner Hero verzögert sich allerdings der gemeinsame Bau von Lastwagen leicht. Die Partner wollen 4,4 Milliarden Rupien (64,4 Millionen Euro) in das Gemeinschaftsunternehmen stecken, um vom Jahr 2012 an unter einer neuen Marke auszuliefern.

          Schneller als China

          Der indische Automobilmarkt profitiert von Steuernachlässen der Regierung. So stieg der Absatz im Februar um 15 Prozent. Aufgrund des schlechten Herbstes aber sank der Verkauf im vergangenen Jahr um 14 Prozent. VW macht sich die Expertensicht zu eigen, dass der Absatz von rund 1,2 Millionen Einheiten derzeit bis 2014 auf mehr als 2 Millionen anziehen werde. Damit wächst der Markt – von niedrigerer Ausgangsbasis aus – schneller als China. Luxuslimousinen wie etwa von Audi bieten aber auch höhere Margen, da die Preise nicht nur aufgrund der Steuern mehr als doppelt so hoch liegen wie etwa in Deutschland.

          Heizmann sieht so schwarz nicht: „Das erste Quartal in Indien lief gemessen am weltweiten Absatz ja durchaus ansehnlich. Wir sind wesentlich dichter an unserem Plan, als wir befürchtet hatten.“ Der Absatz von Mercedes stieg im vergangenen Jahr um 46 Prozent auf gut 3600 Einheiten, der des Volkswagen-Konzerns legte um 50 Prozent zu. Größere Schwierigkeiten bietet der Nutzfahrzeugmarkt, da Firmen zu wenig frische Kredite bekommen.

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