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Neues iPhone 12 : Apple springt auf den 5G-Zug

  • -Aktualisiert am

Apple-Chef Tim Cook stellt das iPhone 12 Pro vor. Bild: dpa

Es könnte die wichtigste iPhone-Generation seit Jahren werden – auch wenn der Nutzen des Mobilfunkstandards 5G für die Kunden noch zweifelhaft ist.

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          Apple hat es diesmal noch spannender gemacht als sonst. Üblicherweise stellt der Elektronikkonzern seine neuen iPhone-Modelle im September vor. In diesem Jahr hat sich Apples große iPhone-Show um einige Wochen verzögert, offenbar wegen der Corona-Krise und damit verbundener Schwierigkeiten in der Lieferkette.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber am Dienstag war es soweit: Apple stellte die neue Generation seiner iPhones vor, und es ist die erste, die mit dem Mobilfunkstandard 5G arbeiten kann. „Das ist der Anfang einer neuen Ära für das iPhone“, sagte Vorstandsvorsitzender Tim Cook in der virtuellen Produktpräsentation. Apple zeigte vier 5G-Geräte der neuen „iPhone 12“-Reihe in verschiedenen Größen, die derzeitige „iPhone 11“-Generation gibt es in drei Varianten.

          Gerade weil Apple seine ersten 5G-Geräte präsentierte, lag die Messlatte noch höher als sonst. Katy Huberty, eine Analystin von Morgan Stanley, sprach im Vorfeld von „der bedeutendsten iPhone-Veranstaltung seit Jahren“. Die Erwartungen waren umso größer, weil Apple seine Kunden recht lange auf ein 5G-iPhone hat warten lassen, viele andere Handyhersteller wie Samsung haben schon seit einiger Zeit Geräte mit dem neuen Standard im Angebot.

          Daniel Ives von Wedbush Securities meint, die neuen 5G-Modelle könnten iPhone-Besitzer in noch nie dagewesener Zahl dazu bringen, ihre bisherigen Geräte zu ersetzen. Nach seiner Schätzung sind 350 Millionen der insgesamt 950 Millionen iPhones, die derzeit auf der Welt in Betrieb sind, reif für ein solches „Upgrade“.

          Design überarbeitet

          Die Standardvariante der neuen Modellreihe ist das iPhone 12 mit einem Startpreis von 876,30 Euro in Deutschland, ohne die Mehrwertsteuersenkung würde das 899 Euro entsprechen. Daneben gibt es das iPhone 12 Mini mit kleinerem Bildschirm, das von 778,85 Euro an zu haben ist. Apple bietet auch wieder eine teurere „Pro“-Reihe in zwei Varianten an, deren Preise beginnen bei 1120 Euro und 1217,50 Euro. Für seine 5G-iPhones hat Apple das Design überarbeitet, die Ränder sind nun nicht mehr abgerundet, sondern flach wie schon bei älteren Modellen wie dem iPhone 4.

          Die neuen Geräte sind nach Angaben des Unternehmens mit einer Technologie ausgestattet, die die Bildschirme vier Mal so bruchsicher macht wie die Vorgänger. Neu ist auch, dass die kommenden iPhones ohne Kopfhörer und Ladegerät wie sonst üblich geliefert werden sollen. Apple beschrieb das als umweltfreundlichen Schritt, der es erlaube, die Geräte in deutlich kleineren Verpackungen zu verkaufen.

          Das Geschäft mit dem iPhone ist in den vergangenen Jahren etwas ins Stocken geraten, Apple musste wiederholt Umsatzrückgänge ausweisen. Viele Kunden warten länger als früher damit, ihre Geräte zu ersetzen. Zuletzt gab es allerdings eine Erholung, und für sein jüngstes Geschäftsquartal meldete Apple trotz der Corona-Krise wieder ein leichtes Umsatzwachstum mit iPhones. Dies und auch die Aussicht auf das neue 5G-iPhone haben dazu beigetragen, dass der Aktienkurs von Apple seit Jahresbeginn um fast 70 Prozent gestiegen ist.

          Erstmals bietet Apple sein iPhone auch in Blau an.
          Erstmals bietet Apple sein iPhone auch in Blau an. : Bild: AP

          Nachfrage nach 5G niedrig

          5G-fähige Smartphones sind noch deutlich in der Minderheit. In diesem Jahr dürfte nach Schätzung von Analysten erst etwa jedes siebte bis neunte produzierte Gerät den neuen Mobilfunkstandard unterstützen. Abhängig davon, wie groß der Marktschwund 2020 in der Branche insgesamt ausfällt – erwartet wird ein Minus zwischen 10 und 14 Prozent, nachdem im zweiten Quartal knapp ein Fünftel des Geschäfts wegbrach – entwickeln sich auch die 5G-Handy-Verkäufe.

          Grundsätzlich konstatieren Marktbeobachter wie das Analysehaus IDC, dass die Nachfrage nach 5G-Geräten noch immer sehr niedrig ausfällt. Das ist nachvollziehbar. Der Nutzen der neuen Technologie im Privatbereich hält sich in Grenzen. Mit dem Vorgänger 4G lässt sich üblicherweise ausreichend schnell surfen – da zweifelt mancher daran, ob sich die zusätzlichen Kosten für Hardware und Verträge wirklich lohnen.

          APPLE

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          Die Industrie treibt jedoch mit Nachdruck das Thema voran. „5G bleibt für alle Smartphone-Hersteller eine Priorität“, sagt IDC-Fachmann Ryan Reith. Und dies trotz der Corona-Krise und einer rückläufigen Konsumnachfrage. Zwar hätten viele der wichtigen Anbieter ihre Produktionspläne für 2020 reduziert – meist aber zulasten des 4G-Portfolios. Und spätestens wenn die Gerätepreise weiter fallen, könnte 5G zum massentauglichen Produkt werden. IDC geht davon aus, dass entsprechende Smartphones 2023 einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen.

          Außerhalb der Apple-Welt haben Nutzer schon eine große Auswahl an 5G-Smartphones. Marktführer Samsung hat seit 2019 mit dem Galaxy S10 5G ein solches Handy im Angebot, und in der neuen Oberklasse-Reihe S20 ist der neueste Netzstandard selbstverständlich ebenfalls integriert. Konkurrent Huawei bestückt seine Spitzenmodelle wie das P40 mit 5G, ebenso die chinesischen Wettbewerber Xiaomi, Oneplus oder Oppo.

          Apples neuer Homepod Mini
          Apples neuer Homepod Mini : Bild: Screenshot F.A.Z.

          Solche Geräte bekommen immer öfter Anschluss, auch in Deutschland. Kunden aller drei Netzbetreiber hierzulande können mittlerweile – wenn auch in sehr unterschiedlicher Qualität – auf ein 5G-Netz zugreifen. Zuletzt stieg Telefónica ein: Kürzlich startete der O2-Konzern mit der Technologie in den fünf größten deutschen Städten. Weiter mit ihren 5G-Netzen sind die Deutsche Telekom und Vodafone. Ende Juli hatte die Telekom vorgerechnet, es könnten schon jetzt 40 Millionen Menschen in Deutschland den schnellen Netzstandard nutzen. Vodafone will spätestens bis zum Jahresende 10 Millionen Bundesbürgern den Zugang ermöglichen.

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