Neues Buch : „Hello“ als Anfang vom Ende von Hoechst
Im September 1999 verabschiedete sich die Hoechst AG aus dem Dax. Auch zehn Jahre danach ranken sich um das Ende des Traditionskonzerns aus Frankfurt Spekulationen. Nun will der Journalist Christoph Wehnelt das Dunkel erhellen. Der frühere Leiter des Wirtschaftsfunks des Hessischen Rundfunks kommt pünktlich zur Buchmesse mit „Hoechst - Untergang des deutschen Weltkonzerns“ auf den Markt. Verleger Josef Fink pries das Werk bei der Präsentation im Frankfurter Presseclub, zu der unter anderem der frühere Hoechst-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Hilger und der frühere Hoechst-Pharmachef Karl-Gerhard Seifert kamen, als „spannend wie ein Krimi“. Er bescheinigte dem Autor, bei der „Fahndung am ökonomischen Tatort kriminalistischen Scharfsinn“ bewiesen zu haben.
In dessen Zentrum stehen der letzte Hoechst-Vorstandsvorsitzende Jürgen Dormann, dem Wehnelt subversiven Machtmissbrauch vorwirft, und die als Geheimprojekt „Hello Hoechst“ genannten Fusionsgespräche mit Monsanto, die im Sommer 1996 begannen. Die Verhandlungen stellen für den Autor den Knackpunkt auf dem Weg zum Ende von Hoechst dar.
Laut Wehnelt interessierte sich die Führung des Agrokonzerns nur dafür, wie Hoechst sich auf dem Markt für Agrarchemikalien zu positionieren gedachte. Nur ein kleiner Kreis um Dormann sei in die Gespräche eingebunden gewesen, Vorstände wie Dormanns Gegenspieler Seifert seien aber außen vor gelassen worden.

Einer, der frühzeitig von den Fusionsgesprächen wusste, sagt heute, er habe bis August 1996 mit Seifert nicht über „Hello“ reden dürfen. Zwei Monate später sagte Monsanto ab: Damit war „die Todesstunde von Hoechst eingeläutet“, schreibt Wehnelt. Hängt die zwischenzeitlich beschlossene Abspaltung des Chemiegeschäfts, die viele alte Hoechster Dormann weiter übelnehmen, doch damit zusammen, wie er meint.
Was Dormann meint, könnte 2010 in Buchform vorliegen. Er hat dem Vernehmen nach zwei Historiker mit der Aufarbeitung des Endes von Hoechst beauftragt.

