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Neuer Service der Deutschen Post : Dein Briefträger, Freund und Altenpfleger

Neue Aufgaben für Briefträger: Persönliche Worte für 40 Euro im Monat Bild: Sick, Cornelia

Postboten sollen auf ihrer Zustellrunde künftig nach älteren und behinderten Leuten sehen. Auf der Suche nach Einnahmequellen für sein Briefgeschäft testet der Konzern neue Angebote.

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          Die Briefe in den Kasten und weiter zur nächsten Adresse: Postboten haben es in Deutschland meistens eilig. Aber für einige von ihnen könnte ein kleines Schwätzchen an der Haustür bald wieder zum Berufsalltag gehören, weil sie im Auftrag ihres Dienstherren auf das Wohlergehen ihrer Kunden achten sollen. „PostPersönlich“ heißt der neue Service, den die Deutsche Post von Juli an im Ruhrgebiet testen will.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Zielgruppe sind allein lebende ältere und behinderte Menschen, bei denen die Postboten auf ihrer täglichen Runde regelmäßig klingeln und nachfragen sollen, wie es geht. Natürlich auch dann, wenn an dem Tag dort keine Briefe zuzustellen sind. Wenn nötig, alarmieren sie die Johanniter-Unfall-Hilfe, die sich dann als Partner der Post weiter kümmert. „Die Post und ihre Zusteller genießen in der Bevölkerung ein riesiges Vertrauen, auf dem wir mit diesem Angebot aufbauen“, sagte Achim Dünnwald dieser Zeitung.

          Nach amerikanischem und französischem Vorbild

          Der Leiter des deutschen Briefgeschäfts wagt noch keine Prognose, wie der neue, nicht ganz billige Service ankommt. Um die 40 Euro im Monat verlangt die Post dafür von den betreuten Kunden oder ihren besorgten Angehörigen. „Sicher gibt es preiswertere technische Lösungen wie den Hausnotruf. Aber das ist etwas ganz anderes als die persönliche regelmäßige Ansprache durch einen freundlichen Postboten“, meint Dünnwald. Auch andere Postgesellschaften lassen ihre Zusteller bei betagten oder behinderten Menschen nach dem Rechten sehen. Ein Vorreiter waren die Vereinigten Staaten mit dem 1982 eingeführten Programm „Carrier Alert“.

          Die französische Post bietet in ihrer Initiative „Bonjour Facteur“ sogar die Versorgung älterer Menschen mit Medikamenten und Lesestoff an. Die Deutsche Post steuert in ihrem Testgebiet in Essen, Mülheim und Umgebung in 126 Zustellbezirken mehr als 200.000 Haushalte an. Das Pilotprojekt hat Dünnwald, der Anfang 2013 von der Unternehmensberatung McKinsey zur Post gewechselt war, auf zunächst sechs Monate angelegt. Bei schrumpfenden Briefmengen ist es für ihn ein „interessanter Ansatz, um attraktive Arbeitsplätze in der Zustellung zu sichern“. Die Kommunikationsgewerkschaft DPV hält die Idee grundsätzlich für richtig.

          Nur mit entsprechenden Zeitzuschlägen

          Auch sie verspricht sich Zusatzeinnahmen, die helfen, Beschäftigung und Löhne zu sichern. Allerdings gibt ein Gewerkschaftssprecher zu bedenken, dass die Zusteller heute schon am Limit arbeiteten und neue Aufgaben nur mit entsprechenden Zeitzuschlägen zumutbar seien. Zudem empfiehlt er der Post, für den neuen Service zum Stammbezirk zurückzukehren, damit die Bezirke stets vom selben Postboten bedient würden.

          Seit der Online-Handel boomt, steht das traditionelle Briefgeschäft im Schatten der Paketsparte. Doch tatsächlich steuerte der von Dünnwald verantwortete Inlandsbriefversand („Brief Kommunikation“) mit zuletzt 5,6 Milliarden Euro immer noch deutlich mehr zum Umsatz bei als die Pakete, die 2013 nur 3,8 Milliarden Euro einbrachten. Einschließlich der Reklamebriefe und des Pressevertriebs stammten sogar 8,6 Milliarden Euro aus dem alten Kerngeschäft.

          Doch während es in der Paketsparte steil nach oben geht, hat Dünnwald mit langfristig sinkenden Mengen zu kämpfen. Privatleute schreiben lieber SMS und E-Mails, vor allem aber verschicken immer mehr große Unternehmen ihre Rechnungen und Mitteilungen digital. Im Vergleich zu Großbritannien, Skandinavien oder den Niederlanden, wo die Mengen rasant wegbrechen, steht Deutschland immer noch verhältnismäßig gut da. „Es gibt derzeit keine Indizien dafür, dass sich die Briefsubstitution in Deutschland signifikant beschleunigt. Wir rechnen damit, dass sich die Entwicklung mit einer Minusrate von etwa 2 Prozent im Jahr fortsetzen wird“, sagt Dünnwald.

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