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Betrugsfall : Neuer Raubzug gegen Bank in Moldau?

Im Oktober 2015 trieb der Skandal die Bürger auf die Straße. Bild: dpa

Im Jahr 2014 erschütterte ein Bankskandal das kleine und bitterarme Land. Es ging um eine Milliarde Dollar. Aufgeklärt ist die Sache noch längst nicht.

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          Die Victoriabank in Chişinau, Republik Moldau, hat auf ihrer Internetseite einen Button, mit dem Kunden einen Betrugsverdacht melden können. Das erscheint sinnvoll in einem Land, in dem nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes die organisierte Kriminalität verbreitet ist, auch wenn diese „für Reisende in der Regel nicht wahrnehmbar“ sei. Einen Eindruck davon hat der Betrugsskandal des Jahres 2014 vermittelt, als ohne jede öffentliche Wahrnehmung eine Milliarde Dollar von Bankkonten des nicht nur kleinen, sondern bitterarmen Landes verschwand. Staat und Notenbank mussten einspringen, um das Finanzsystem am Leben zu halten.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Der Fall ist zwar immer noch nicht aufgeklärt, Verurteilte wurden wieder freigelassen, die Justiz ermittelt. Dennoch habe sich seither vieles zum Besseren gewandelt, berichten von der Bundesregierung bezahlte Berater der Regierung Moldaus aus der Hauptstadt Chişinau. West- und osteuropäische Kapitalgeber hätten seither in die vier führenden Banken investiert, heißt es in einem Bericht des „German Economic Team“.

          Es gebe Fortschritte in Kapitalausstattung, Ertragslage und Liquidität, die Kreditausfallquote mache keine Sorgen. Moldaus Banken seien gestärkt, „und das Vertrauen inländischer Kunden, internationaler Finanzinstitute und ausländischer Korrespondenzbanken ist zurückgekehrt“. Doch datiert der Text aus dem Juni.

          Hauptaktionäre schlugen Alarm

          Zwei Monate später bewerten manche das mit dem Vertrauen ganz anders. Denn die Antikorruptions-Staatsanwaltschaft hatte mit Verweis auf den großen Geldraub von vor sechs Jahren einen Beschlagnahmebeschluss gegen die drittgrößte Bank des Landes, die Victoriabank, vor Gericht erwirkt. Der wurde umgehend vollstreckt. Laut Anklagebehörde wurden 58 Fahrzeuge, 24 Immobilien und andere Vermögenswerte wie Wertpapiere der Bank beschlagnahmt. Zusammen belaufe sich deren Wert auf 1,9 Milliarden Lei, das sind umgerechnet 96,5 Millionen Euro. Bei der davon überraschten Victoriabank hätte da gerne mancher den „Betrug“-Button auf der Website gedrückt.

          Stattdessen schlugen die Hauptaktionäre Alarm. Das sind die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und die von Kennern des osteuropäischen Finanzsystems übereinstimmend als sehr seriös bezeichnete rumänische Banca Transilvania. Man begrüße die Anstrengungen der Ermittler zur Aufklärung des Milliardenskandals, schrieb die EBRD und zeigte sich doch über die Vorgänge „ernsthaft besorgt“. Beide Banken kündigen an, alle rechtlichen Schritte zum Schutz der Victoriabank zu tun.

          Laut Mitteilung vertraut die EBRD zwar darauf, dass die Untersuchung Kunden der Victoriabank sowie ihre Anteilseigner respektiere und in einem ordnungsgemäßen Verfahren ablaufe. Doch schon die Tatsache, dass das im Jahr 1990 als Osteuropabank gegründete Institut darauf eigens hinweist, macht klar, dass es mit ihrem Vertrauen in Recht und Ordnung in Moldau nicht weit her ist.

          IWF sprang den Instituten bei

          Zur Verdeutlichung folgt eine Warnung, falls es nicht zu einem ordnungsgemäßen Verfahren komme. Denn dann „besteht die Gefahr, dass der gesamte Finanzsektor mit schwerwiegenden Folgen für die moldauische Wirtschaft destabilisiert wird“. Tatsächlich sind die vier größten Banken in Moldau mit einem Marktanteil von über 60 Prozent alle in Hand ausländischer Investoren aus West- und Osteuropa. Die werden das Vorgehen um die Victoriabank genauestens verfolgen.

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