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Neuer Karstadt Chef : Andrew Jennings - ein komplizierter Charakter

Andrew Jennings Bild: Photoshot

Jetzt ist es offiziell: Mit Andrew Jennings kommt ein Fachmann ohne Deutschkenntnisse an die Spitze von Karstadt. Ihm eilt der Ruf voraus, ein harter Sanierer zu sein - und ein komplizierter Charakter.

          Ein glänzender Start sieht anders aus. Bei Karstadt gilt noch immer zu viel nur vorläufig und vorübergehend. Die Insolvenz des Warenhauses konnte über Monate nicht beendet werden, weil sich Insolvenzverwalter, Eigentümer der gemieteten Geschäfte und der neue Karstadt-Aktionär Nicolas Berggruen lange nicht einigten. Nach der Übernahme begann sich das Personalkarussell zu drehen - und zwar vor und zurück. Berggruens Ankündigung, der Rewe-Chef Alain Caparros werde dem Aufsichtsrat der Karstadt Warenhaus GmbH vorsitzen, wurde allenthalben als positive Überraschung und geschickter Schachzug des neuen Eigners aufgenommen. Aber dann waren dem Kandidaten wohl Zweifel gekommen, denn er ließ seinen Einstieg in das Aufsichtsgremium wieder offen - bevor er schließlich doch zusagte und am 11. November zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wurde.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Zu diesem Zeitpunkt hatte der kalifornische Investor aber schon weitere Entscheidungen getroffen. Er habe sich mit Thomas Fox auf eine Fortsetzung seiner Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung verständigt, wurde in Essen ganz offiziell mitgeteilt. Fox hat schon die Restrukturierung des Warenhauskonzerns geleitet, und das so erfolgreich, dass er erst vor wenigen Tagen verkünden konnte, das Unternehmen wieder in die Gewinnzone geführt zu haben.

          Auf diesem Weg soll er nun fortfahren - aber nicht als Chef. Vom 1. Januar an wird Andrew Jennings bei Karstadt als Vorsitzender der Geschäftsführung das Sagen haben, so verkündete es das Unternehmen nun. Auch ihm eilt der Ruf voraus, ein Sanierer zu sein. Aber auch die Neubesetzung der Spitzenposition ist keine originäre Entscheidung des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Caparros. Ausschlaggebend waren alte Verbindungen aus New York, die Berggruen offenbar bewogen, dem 53 Jahre alten Fox den Rentner Jennings als neuen Chef vor die Nase zu setzen.

          „Der schwierigste Mann, mit dem ich je gearbeitet habe“

          Jennings hatte seine aktive Tätigkeit Ende vergangenen Jahres als Exekutivdirektor des Selbstbedienungs-Warenhausbetreibers Woolworth im südafrikanischen Kapstadt beendet. Dieser Woolworth hat mit der gleichnamigen deutschen Handelskette nichts zu tun. In Südafrika war Jennings die vergangenen drei Jahre seines Berufslebens tätig, das ihn vielfältige Erfahrungen im Einzelhandel sammeln ließ.

          Der hochgewachsene Brite begann seine Karriere beim britischen Warenhaus Debenhams in London. Schon nach wenigen Jahren verschlug es den jungen Manager zum ersten Mal nach Südafrika ins Management der Kaufhauskette Greatermans. Dann folgten wieder Stationen im britischen Mutterland bei Harrods in London und dem Wettbewerber House of Fraser, bevor er als Vorstandschef von Saks Fifth Avenue nach New York ging. Das war die vorletzte Station seiner aktiven Zeit.

          Jennings arbeitete später noch einmal in Südafrika - dieses Mal bei Woolworth, von dessen Vizevorsitzendem Simon Susman die Aussage überliefert ist, dass Jennings „der schwierigste Mann ist, mit dem ich je gearbeitet habe“.

          In Deutschland wenig bekannt

          Im deutschen Einzelhandel ist der 62 Jahre alte Jennings bisher wenig bekannt. Seine Teilnahme am Welt-Einzelhandelskongress Ende September in Berlin dürfte nur wenigen aufgefallen sein, und sie gewinnt erst im Nachhinein größere Bedeutung. Das Gerücht über seine bevorstehende Berufung, das von Karstadt und von Berggruen weder dementiert noch bestätigt wird, ist im Handel daher mit Überraschung aufgenommen worden. Da Jennings kein Deutsch spricht, brauche er jemanden für das operative Geschäft.

          Es wird davon ausgegangen, dass der Berater Fox noch einige Zeit dem Unternehmen verbunden bleibt. Er hat erst vor einem Monat zusätzlich zum Amt des Geschäftsführungsvorsitzenden das des Personalgeschäftsführers übernommen - eine für Großunternehmen eher ungewöhnliche Lösung. Aber nachdem der für Finanzen zuständige Geschäftsführer ebenso wie der für Personal zuständige Kollege das Unternehmen verlassen hatten, musste Berggruen die Zuständigkeiten neu regeln - auch wenn der neue Aufsichtsratsvorsitzende noch nicht an Bord war. Zumindest diese Personalie ist aber inzwischen geregelt.

          Seit dem 11. November sitzt Caparros dem Aufsichtsgremium von Karstadt vor. Eine seiner ersten Aufgaben wird sein, die Geschäftsführung um einen Handelsexperten zu erweitern. Jennings könnte dann am 16. Dezember zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung gewählt werden.

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