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Neuer BP-Chef Dudley : Hoffnungsträger aus Amerika

Bob Dudley wird BP-Chef Bild: AP

Bob Dudley wird der neue Chef von BP. Ist er der Mann, der den Konzern retten wird? In jedem Fall muss Dudley schnell handeln: BP braucht dringend eine Überlebensstrategie - aber er wird erst im Oktober an die Spitze rücken.

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          Ist Bob Dudley der Mann, der BP retten wird? Der Amerikaner ist jedenfalls der Favorit für die Nachfolge von Tony Hayward an der Spitze des krisengeschüttelten britischen Energieriesen. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, von einem Bootsdeck in den Golf von Mexiko springen“, hat der BP-Manager, der in den Südstaaten aufgewachsen ist, kürzlich gesagt. „Schaut her, ich bin doch einer von Euch“ - das ist die Botschaft, die Dudley in den Vereingten Staaten unter's Volk bringen soll.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Konzernzentrale von BP in London hoffen sie, dass es Dudley damit gelingen wird, die erhitzten Gemüter in Amerika zu beruhigen. Als neuer BP-Chef wird das seine wichtigste Aufgabe sein: Der britische Ölriese ist dringend darauf angewiesen, auch nach der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko dort weiter Geschäfte machen zu dürfen.

          Vor Ort hat Dudley, der bislang das Amerika- und das Asiengeschäft von BP führt, schon vor einem Monat das Krisenmanagement übernommen. Ende Juni hat der Ölriese eingesehen, dass Tony Hayward in der amerikanischen Öffentlichkeit „verbrannt“ ist. Der Brite hatte es mit mal kaltschnäuzig und ignorant, mal herablassend und arrogant klingenden Interviews binnen weniger Wochen geschafft, zum Feindbild Nummer eins zu werden. BP nahm seinen angeschlagenen Chef, der bis dahin selbst zwei Monate lang an der Golfküste und in Washington präsent gewesen war, aus der Schusslinie und machte stattdessen Dudley zum obersten Krisenbekämpfer. Damit wurde er implizit auch gleich zum Kronprinz im Unternehmen befördert.

          Ein radikaler personeller Neuanfang ist der neue Chef nicht

          54 Jahre alt ist Dudley und damit ein Jahr älter als Hayward. Er ist der erste Vorstandschef in der mehr als hundertjährigen Firmengeschichte von BP, der kein Brite ist. Das letzte Wort in der wahrscheinlich wichtigsten Personalentscheidung seit der Gründung des Unternehmens hatte ebenfalls ein Ausländer - Carl-Henric Svanberg, der aus Schweden stammende Verwaltungsratsvorsitzende von BP. Ein radikaler personeller Neuanfang ist Dudley aber trotz seines amerikanischen Passes nicht, dafür ist er selbst schon zu lange im Unternehmen. Seit mehr als einem Jahrtzehnt arbeitet er für BP.

          Zuvor hatte der Ölmanager 19 Jahre lang beim amerikanischen Konkurrenten Amoco Karriere gemacht, den BP Ende der neunziger Jahre übernahm. Seither spielt Dudley in der Mannschaft der Briten. Zwischen 2003 und 2008 führte er TNK-BP, eine wichtige Tochtergesellschaft von BP in Russland, die den Konzern gemeinsam mit russischen Investoren gehört. Jahrelang stand Dudley dort im Mittelpunkt erbitterter Machtkämpfe zwischen den Gesellschaftern. Nach dem Ende dieser zermürbenden Zeit wurde er im April 2009 in den Konzernvorstand von BP befördert.

          BP muss in den kommenden Monaten und Jahren beweisen, dass es Lehren aus dem Umweltdebakel zieht. Schon heute gibt es Hinweise, dass Schlamperei und möglicherweise überzogenes Kostensparen mit zu dem fatalen Unfall geführt haben könnten. Dudley hat den Vorteil, dass er das Unternehmen, das er jetzt reformieren soll, bestens kennt, aber zugleich hat er den Nachteil, dass er es als langjähriges Mitglied der Führungsriege der Ölkonzerns schwerer haben wird, den Neuanfang glaubhaft zu verkörpern. In jedem Fall muss Dudley schnell handeln: BP braucht dringend eine Überlebensstrategie.

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