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Neuer Bahnchef : Aufsichtsrat beruft Grube - Fünf Millionen für Mehdorn

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Grube: Datenaffäre „unverzüglich, schnell und bedingungslos" aufklären” Bild: AP

Der bisherige Daimler-Manager Rüdiger Grube ist zum neuen Bahnchef berufen worden. Das beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn in einer Sondersitzung. Seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn will das Unternehmen angeblich 4,9 Millionen Euro zahlen.

          Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat am Samstag den Manager Rüdiger Grube als Nachfolger von Hartmut Mehdorn zum neuen Bahnchef bestellt. Das teilte die Deutsche Bahn AG nach einer Aufsichtsratssitzung in Essen mit. Mehdorn hatte am 30. März im Zuge der Datenaffäre seinen Rücktritt angeboten.

          Grube, der sein Amt am 1. Mai antreten soll, sagte im Anschluss an seine Ernennung: „Ich freue mich auf die neue Aufgabe.“ Er habe sich verpflichtet, „im Einvernehmen mit meinem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller bis zum 1. Juni“ die Datenaffäre aufzuklären.

          Müller lobt Mehdorn

          Müller selbst lobte den neuen Vorstandsvorsitzenden: „Mit Rüdiger Grube wird ein erstklassiger Manager neuer Bahnchef. Das Unternehmen freut sich auf den neuen Amtsinhaber. Der Aufsichtsrat ist fest davon überzeugt, dass Grube die anstehenden Herausforderungen meistern und die DB weiter stärken wird.“

          Müller dankte auch Grubes Vorgänger Mehdorn, der sein Amt offiziell zum 30. April aufgibt: „Hartmut Mehdorn hat bei der Bahn eine Ära geprägt und sich bleibende Verdienste erworben.“ Die Modernisierung und Sanierung des Staatskonzerns werde mit seinem Namen verbunden bleiben. Mehdorn erklärte: „Es war eine schöne und stets aufregende Zeit. Wir Bahner haben im vergangenen Jahrzehnt sehr viel erreicht. Darauf können wir alle stolz sein.“

          Bahn weist Wallraff-Vorwürfe zurück

          Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ will die Bahn 4,9 Millionen Euro an den scheidenden Konzernchef Mehdorn zahlen. Damit sollen nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen alle Ansprüche aus Mehdorns Vertrag abgegolten werden. Der Vertrag wäre ursprünglich bis Mai 2011 gelaufen. Im Aufsichtsrat werde über Summe allerdings noch diskutiert, schreibt die Zeitung. Die Bahngewerkschaften wollten noch einmal nachrechnen. Mehdorn solle auf keinen Fall einen Bonus für seinen Rücktritt bekommen.

          Unterdessen kamen in der Datenaffäre neue schwere Vorwürfe auf, die von der Bahn zurückgewiesen werden. Der Autor Günter Wallraff hat nach eigenen Angaben Hinweise auf Manipulationen von Mitarbeiter-Computern bei der Bahn. Ihm lägen entsprechende eidesstattliche Versicherungen vor, sagte Wallraff, der darüber in der Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb. Die Bahn wies Vorwürfe der Beweismittelfälschung zurück und kündigte an, rechtliche Schritte einleiten zu wollen.

          Grube wird sich nach der Berufung auch mit Forderungen der Bahn-Gewerkschaft Transnet auseinandersetzen müssen, die Zweiteilung des Unternehmens wieder rückgängig zu machen. Die Bahn müsse aus einer Hand heraus geführt werden, sagte der Transnet-Chef und stellvertretender Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende, Alexander Kirchner, der Tageszeitung „Die Welt“. Im Vorfeld des einst geplanten Börsengangs der Bahn war der Staatskonzern formal in die Deutsche Bahn AG Holding, die sich um das Schienennetz und die Bahnhöfe kümmert, und die DB Mobility Logistics AG, die den Personen-und Güterverkehr sowie die Logistik kontrolliert, aufgespalten worden.

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