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Neuer Aufsichtsratschef : Ein Automann für Thyssen-Krupp

  • -Aktualisiert am

Bodo Uebber, Finanzvorstand von Daimler und neuer Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Bild: Helmut Fricke

Mit Krisen aller Art kennt Bodo Uebber sich aus. Künftig soll der erfahrene Finanzvorstand von Daimler den Aufsichtsrat in Essen führen.

          Das „Projekt Zukunft“ wird Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber im nächsten Mai abhaken können. Am 22. Mai kommen die Aktionäre von Daimler zur Hauptversammlung nach Berlin und werden Ja sagen zu der neuen Holding-Struktur, die aus Mercedes, der Truck-Sparte und den Mobilitätsdienstleistungen je eine eigenständige Gesellschaft machen wird.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Uebber kann sich der Zustimmung sicher sein. Und mit diesem Erfolg in der Tasche nimmt sein nächstes „Projekt Zukunft“ Fahrt auf: Als Chefaufseher von Thyssen-Krupp kann er all seine Erfahrung im Umbauen einbringen. Denn der schwer angeschlagene Traditionskonzern wird künftig in zwei Teile aufgehen: Thyssen-Krupp Materials für die Bereiche Werften, Stahlproduktion und -Handel sowie Thyssen-Krupp Industrials für Aufzüge, Autoteile und Anlagenbau.

          Ebenso wie in Stuttgart geht es auch in Essen darum, den Einfluss der Konzernzentrale zurückzudrängen und den Sparten mehr unternehmerische Gestaltungsfreiheit zu geben – so hatte es Uebber bei Daimler vorexerziert.

          Routine als Überbringer schlechter Nachrichten

          Schon in diesem Sommer war er im Gespräch, als der Stahlkocher einen Nachfolger für Ulrich Lehner suchte, der nach dem Rücktritt von Vorstandschef Heinrich Hiesinger die Brocken ebenfalls hinwarf. Schließlich spricht vieles für den Daimler-Mann: Uebber ist erst 59 Jahre alt, gleichzeitig aber der dienstälteste Finanzvorstand in einem Dax-Konzern. Berufen wurde der Wirtschaftsingenieur bereits 2004, als es in der einst von Jürgen Schrempp chaotisch zusammen gezimmerten Welt AG namens Daimler-Chrysler schon überall krachte.

          Uebber gewann in dieser Gemengelage rasch Routine im Überbringen schlechter Nachrichten, auch als bald danach Dieter Zetsche die Führung in Stuttgart übernahm und einige Jahre damit zu kämpfen hatte, den einst so stolzen Traditionskonzern wieder flott zu machen. Die Zeiten waren dramatisch, und als während der Finanz- und Wirtschaftskrise die Daimler-Millionen nur so dahin schmolzen, war Uebber froh, einen Staatsfonds aus Abu Dhabi zu finden, der zum Spottpreis von knapp 2 Milliarden Euro ein Aktienpaket von stattlichen 9 Prozent erhielt. Erkennbar genoss Uebber es später, dass er in diesem Umfeld auch gestalten konnte. Zum Beispiel mit ein paar Millionen hier und dort für irgendwelche Startups in der Erwartung, sie könnten mal was werden (eines davon war übrigens einmal Tesla – eine Beteiligung, die mit gutem Gewinn verkauft wurde, als Tesla zum Konkurrent für Mercedes wurde).

          Oder eben für das „Projekt Zukunft“. Wie reagieren wir, fragte Uebber, als er konzernintern auf Werbetour für dieses Strukturprojekt ging, wenn Apple, Uber oder BMW zwar eine überzeugende Kooperation für die Mobilitätssparte anzubieten hätten, diese aber nur unter der Voraussetzung umsetzen wollten, wenn sie mit einer Beteiligung untermauert wird? Dieses Ziel wäre doch leichter zu erreichen mit fokussierten Gremien in rechtlich selbständigen Gesellschaften, war Uebber überzeugt.

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