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Neuer Allianz-Chef Oliver Bäte : Schneller, bunter, weiter

  • -Aktualisiert am

Oliver Bäte, Jahrgang 1965, hat am Donnerstag seinen ersten vollen Arbeitstag als Allianz-Chef. Bild: Allianz

Die Allianz bekommt einen neuen Chef. Oliver Bäte übernimmt ab heute das Ruder. Er hat hart dafür trainiert. Mit bunten Apps krempelt er das Versicherungsgeschäft um.

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          Es war Ende Januar in Davos, als Oliver Bäte die erste Lektion für angehende Konzernchefs verabreicht wurde. „Mach es schneller, mach es härter, mach es radikaler“: Dies gab ihm ein alter Freund auf den Weg, gemeinsam sozialisiert bei McKinsey, jetzt Vorstandschef in der angelsächsischen Welt, darin trainiert, gegen das Beharrungsvermögen in Großunternehmen anzurennen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Oliver Bäte ist also gewarnt, wenn er am heutigen Mittwoch, auf der Hauptversammlung der Allianz, die höheren Weihen als Vorstandsvorsitzender empfängt. Ein Amt, eher mit dem des Papstes vergleichbar als mit dem eines schnell drehenden angelsächsischen CEOs: In den 125 Jahren ihres Bestehens hat die Allianz ganze neun Vorstandsvorsitzende verbraucht. Die katholische Kirche steht bei elf höchsten Würdenträgern.

          Als Allianz-Chef wirkt Bäte nicht für die Ewigkeit, wohl aber über den Tod hinaus. Wo sonst beugen sich Vorstände über Sterbetafeln und beraten Strategien, von denen sie sicher sind, dass keiner von ihnen die Ergebnisse als Manager selbst erlebt? Bisher hat es über die Generationen ganz gut geklappt mit der Akkumulation des Kapitals: Die Allianz ist mit ihren knapp 150.000 Mitarbeitern in 70 Landesgesellschaften die größte Versicherung der Welt - gemessen am Börsenwert und mit der Einschränkung, dass lokale Anbieter in China mit ihren Milliarden Kunden nicht berücksichtigt werden.

          Unter den westlichen, global agierenden Versicherern übertrumpft der Finanzkonzern mit Sitz am Englischen Garten in München alle. Niemand in Europa verwaltet mehr Geld (und nimmt entsprechend Einfluss auf den Lauf der Dinge): 615 Milliarden Euro der Versicherten wollen angelegt werden. Damit ließen sich BMW und Daimler kaufen, obendrauf Siemens und die Deutsche Bank. Und dann bliebe immer noch genug übrig, um Finanzminister Wolfgang Schäuble ein Jahr lang den Haushalt komplett zu schmeißen, wobei in der Rechnung die konzerneigenen Fondsgesellschaften (Allianz Global Investors und Pimco) noch unterschlagen werden.

          Das regulatorische Urteil fällt jedenfalls eindeutig aus: Wir haben es mit einem klaren Fall von systemrelevant zu tun. Wehe, da zündelt einer, dann brennt es im Weltfinanzsystem lichterloh. Insofern ist es beruhigend, dass jetzt kein bunter Hund den Laden übernimmt, sondern jener Oliver Bäte, diese in Business-Blau gewandete Solidität, ein Blässling noch im öffentlichen Bild, nachdem er die große Bühne bisher konsequent gemieden hat.

          Bäte fällt aus dem bisher gültigen Raster

          Wer also ist dieser Mann? Bätes Leben im Schnelldurchlauf: geboren 1965 in Bensberg, verheiratet, Vater zweier Kinder. Lehre als Bankkaufmann (in der West LB), Wehrdienst in der Luftwaffe auf Sardinien, BWL-Studium in Köln, MBA an der Leonard Stern School in New York. Danach Karriere bei McKinsey, 2008 Wechsel in den Allianz-Vorstand, schon damals mit der Perspektive Vorstandsvorsitz, und trotzdem ein Frischling gemessen an den 125 Jahren Firmengeschichte, welche die Allianz dieses Jahr feiert.

          Traditionell entsprachen die Chefs dort einem einheitlichen Raster: Juristen (ausnahmsweise auch mal Mathematiker), schlagende Verbindung, männlich, konservative Knochen allesamt. Aus der Reihe fällt Bäte raus. Auch sonst hat sich einiges getan in der Allianz-Zentrale. Weiblicher ist der Führungsnachwuchs geworden, bunter, weniger deutsch. In Sachen Diversity geht’s in großen Schritten voran. Wer noch was gegen Frauenquote oder Klimaschutz hat, hüte besser die Zunge. Zeitgeistmäßig holt die Allianz gewaltig auf. Der neue Chef hat sogar Elternteilzeit genommen, vermeldet der Boulevard.

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