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F.A.Z. exklusiv : Eklat um Investor Hastor nach Alno-Insolvenz

Unter Druck gesetzt: Der frühere Alno-Vorstandschef Max Müller und Ipek Demirtas, einst Finanzchefin des Unternehmens Bild: dpa

Der bosnische Autozulieferer ist berüchtigt für seine rücksichtslose Gangart. Im Machtkampf um den insolventen Küchenhersteller Alno kommen neue Vorwürfe auf – woanders geht es vor Gericht.

          Als der insolvente Küchenkonzern Alno am vergangenen Donnerstag seine Bilanz für das Jahr 2016 nach mehreren Terminverschiebungen und mit vier Monaten Verspätung vorlegte, konnte niemand mit einer Überraschung rechnen. Sinkender Umsatz, operativer Verlust und ein negatives Eigenkapital von fast 100 Millionen Euro – die verheerenden Zahlen waren zu erwarten. Hinter der bröckelnden Fassade sorgt jedoch ein Eklat für noch größere Turbulenzen. Kunden, Lieferanten und Gläubiger positionieren sich. Der F.A.Z. liegen Dokumente vor, in denen der Hauptgesellschafter schwer belastet wird. Dieser ist auch in eine andere Auseinandersetzung in der Möbelbranche verwickelt. Die Rede ist von Täuschung und Betrug.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Alno-Teilhaber Tahoe Investors gehört zum Automobilzulieferer Prevent der berüchtigten Unternehmerfamilie Hastor aus Bosnien. Die legte vergangenen August im Zuliefererstreit mit Volkswagen die Produktion in Wolfsburg zeitweise lahm. Vor einigen Jahren fühlte sich Daimler von Prevent erpresst und kündigte Verträge. Nun geht es hier vor Gericht um Schadensersatz. An Alno hält Tahoe 26 Prozent. Hinzu kommen nach Informationen der F.A.Z. Forderungen der Investmentgesellschaft in Höhe von etwa 75 Millionen Euro. Die Hastor-Vertreter kontrollieren im Aufsichtsrat die Mehrheit der Mandate auf der Kapitalseite – und quetschen den Pfullendorfer Küchenhersteller mit unlauteren Mitteln aus. So lautet zumindest der Vorwurf.

          Am 28. Juli wurde von der Geschäftsführung des Stuttgarter Hausgeräteherstellers Bauknecht ein Schreiben mit brisantem Inhalt an Aufsichtsräte, Vorstände, Insolvenzsachwalter von Alno und Sanierungsberater verschickt, in dem der Hauptgesellschafter Tahoe angegriffen wird. Allein im zweiten Quartal 2017 seien ausdrückliche Zahlungszusagen des Vorstands von Alno und einzelner Aufsichtsratsmitglieder „wiederholt“ nicht eingehalten worden. „Seit Übernahme der Kontrolle durch Prevent hat die Geschäftsleitung der Alno AG immer wieder Zusagen über die Bezahlung der Forderungen aus dem Liefervertrag gebrochen, während zugleich, wie uns bekannt ist, noch kürzlich Mitglieder des Aufsichtsrates dem Vorstand Anweisungen gegeben haben, beispielsweise Anwaltskosten des Hauptgesellschafters zu bezahlen und Zinszahlungen zu genehmigen, aber gleichzeitig Lieferantenzahlungen zurückzuhalten.“

          Bauknecht gehört zu den wichtigsten Lieferanten des Küchenherstellers und hatte sich in der Vergangenheit mehrmals an Sanierungsmaßnahmen beteiligt. Im Schreiben wird die Sorge angeführt, dass die Insolvenzen der Alno AG und ihrer Tochtergesellschaften Wellmann sowie Pino aufgrund der angeordneten Eigenverwaltung federführend von Vertretern des Hauptgesellschafters oder ihm nahestehender Personen gesteuert würden. Nicht nur Bauknecht habe die Befürchtung, dass hier eine Sanierung der Alno-Gruppe einseitig „auf dem Rücken der Gläubiger“ versucht werden solle. Dieser Zeitung liegen E-Mails über operative Eingriffe vor, die zeigen, dass von einem Tahoe-Vertreter im Aufsichtsrat direkt Zahlungsanweisungen an das Rechnungswesen von Alno erfolgten.

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