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F.A.Z. exklusiv : Eklat um Investor Hastor nach Alno-Insolvenz

Das typische Vorgehensmuster der Prevent-Gruppe

Prevent geht zurück auf eine Sattlerei in Sloveni Grad im ehemaligen Jugoslawien. 1976 wurde VW dort Kunde für Sitzbezüge. 1992 ging Prevent nach Wolfsburg. Inzwischen gehören etwa drei Dutzend Unternehmen in der ganzen Welt zum Firmengeflecht des Ingenieurs Nijaz Hastor und seiner Söhne Kenan und Damir. Der Investmentableger Tahoe hat bisher ein Darlehen in Höhe von 35 Millionen Euro sowie einen weiteren Kredit im hohen einstelligen Millionenbereich bei Alno eingebracht. Angeblich kam es mehrmals zu einem verzögerten Zahlungsfluss, der Alno weiter in Schieflage brachte. Das lässt sich auch aus dem Bauknecht-Brief ableiten. Kritiker aus der Branche sehen ein typisches Vorgehensmuster der Prevent-Gruppe. Nach dem Einstieg würde der finanzielle Druck erhöht, Kontrolle gewonnen, das Unternehmen dann ausgepresst, um am Ende billiger an eingeführte Marken zu kommen. Andererseits hinterlässt die Strategie auch immer verbrannte Erde.

Ende 2015 stellte der insolvente Polstermöbelhersteller Gepade aus Delbrück seinen Geschäftsbetrieb ein. Zuvor hatte Prevent übernommen. Am Werk waren die gleichen Manager wie nun im Fall von Alno. Diese Zeitung hat erfahren, dass am Landgericht Frankfurt nun ein Prozess bevorsteht. Der Autozulieferer wirft dem früheren Gesellschafter und Verkäufer der Gepade-Anteile, der Solvesta Möbelbeteiligungs GmbH, Informationspflichtverletzungen vor. Solvesta hat inzwischen eine Klageerwiderung eingereicht. Schon im Insolvenzantrag des mit Solvesta verbundenen Gläubigers PF Vermögensverwaltung wurden schwere Anschuldigungen gegen die Hastor-Seite erhoben. Diese dürften jetzt auch in dem zivilrechtlichen Verfahren einfließen.

Solvesta führte an, dass Prevent sich an keine vertraglichen Abmachungen gehalten, versprochene finanzielle Einlagen nie getätigt habe. Zudem sei leitenden Gepade-Mitarbeitern juristisch zweifelhaft per E-Mail gekündigt worden. Es habe eine faktische Geschäftsführung stattgefunden. Beteiligte sprechen von „Wildwestmanieren“. Ist Gepade absichtlich in die Insolvenz getrieben worden? Wurden Vermögensgegenstände verschoben zugunsten des zuvor von Prevent ebenfalls erworbenen Mitbewerbers Machalke?

In der Schlussfolgerung des Insolvenzantrags steht: „Es erscheint offensichtlich, dass die vertraglichen Erklärungen der Käuferin von vornherein unzutreffend waren und deren Umsetzung nie geplant war, weswegen die Käuferin im Sinne des Betrugstatbestands eine Täuschungshandlung vorgenommen hat (...).“ Durch diese Täuschung und den darauf basierenden Irrtum seien die Vertragspartner zu Vermögensverfügungen – nämlich dem Verkauf des Unternehmens, ihrer Darlehensforderungen gegen das Unternehmen, der temporären Stundung von Forderungen und zu Beratungsleistungen – veranlasst worden, aus denen ein Vermögensschaden resultiere. „Der objektive Tatbestand des Betruges erscheint somit erfüllt.“ Aber ist das wirklich so? Prevent sieht die Verfehlungen auf der anderen Seite.

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