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Neue Vielfalt : Der Kopfhörer erobert die Straße und die Bilanzen

Groß und bunt: Die Kopfhörer des Rappers Dr. Dre gibt es in vielen Farben Bild: Rüchel, Dieter

In Deutschland werden in diesem Jahr voraussichtlich zwölf Millionen Geräte für 350 Millionen Euro verkauft. Die stetig steigende Nutzung von Medien unterwegs sorgt dafür, dass Kopfhörer ein Wachstumsmarkt bleiben.

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          Vor wenigen Jahren wurden Leute noch etwas schief angeschaut, wenn sie mit einem großen Kopfhörer in aller Öffentlichkeit ihrer Lieblingsmusik lauschten. Klein mussten die Geräte auf - oder noch besser in - den Ohren sein. Das hat sich grundlegend geändert. Heute verbinden Marken wie „Beats by Dr. Dre“ ein klobig-voluminöses Design mit knalligen Farben. Und das darf beziehungsweise soll auch jeder sehen: Der Kopfhörer hat als Modeartikel die Straße erobert.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Grund zur Freude nicht nur für die Träger, sondern auch für die Unternehmen. Kopf- und Ohrhörer sind beliebt wie nie zuvor. Das lässt sich zumindest aus den jüngst von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) veröffentlichten Marktzahlen herauslesen. Elf Millionen Stück wurden demnach im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt. Die Unternehmen erzielten damit einen Umsatz von 306 Millionen Euro. Bereits seit 2008 geht es mit dem Markt stetig nach oben. Der Erlöse stiegen seit 2008 Jahr für Jahr in einer Spanne zwischen 9 und 30 Prozent, der Absatz mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu 12 Prozent. Insgesamt hat sich das Geschäft in dieser Zeit wertmäßig mehr als verdoppelt.

          Absatz- und Umsatzentwicklung seit 2008

          Und ein Ende des Aufschwungs ist nicht in Sicht: „Das Marktsegment der Kopfhörer wird 2013 weiter wachsen“, prognostiziert der gfu-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Kamp. Für 2013 erwartet der Industrieverband ein Absatzplus von 7 Prozent auf zwölf Millionen Stück; der Umsatz soll gar um 15 Prozent auf mehr als 350 Millionen Euro steigen. Heute sind mehr und mehr teure Produkte für den Audiokonsum gefragt: „Die Nutzer werden anspruchsvoller“, sagt Kamp.

          Dabei geht es - selbstverständlich - um besseren Klang und bessere Technik. Sogenannte Noise-Cancellation-Funktionen dienen dazu, Umfeldgeräusche zu unterdrücken, beispielsweise im Flugzeug. In-Ear-Phones lassen sich individuell an die Ohrmuschel anpassen. Besonders hochwertige Modelle arbeiten mit mehreren eingebauten Schallwandlern, die auf unterschiedliche Frequenzbereiche spezialisiert sind. Und extra leichte Kopfhörer versprechen einen mehrstündigen Hörgenuss ohne Druckstellen. Einen höheren Anspruch haben die Nutzer auch an den Stil der Geräte. Spezielle Modelle für Hard Rock-Fans sind ebenso im Angebot wie Kopfhörer im Design italienischer Rennfahrzeuge. Zahlreiche Farbvarianten sollen sich perfekt dem Kleidungsstil ihrer Nutzer anpassen.

          Vorsichtig angesichts solcher Modetrends zeigt sich der Anbieter Sennheiser. „I’m not a fashion victim. I’m a sound addict.“ lautet ein Motto im Sennheiser-Marketing: Ich bin nicht süchtig nach Mode, sondern nach Klang. Man brauche keine Rapper, um Geräte zu verkaufen, kommentiert der Sprecher der Unternehmensleitung, Volker Bartels, den Hype um den Musiker Dr. Dre und „seine“ Kopfhörer. Die Kunden scheinen auch diesen Weg zu honorieren. Im vergangenen Jahr hat Sennheiser den Umsatz um 14 Prozent steigern können, den Gewinn um 93 Prozent. „Der Markt ist in den letzten Jahren noch einmal deutlich gewachsen“, freut sich Bartels. Wie lange geht das noch so gut? Skeptiker erwarten ein baldiges Ende des Modetrends. Freilich hat auch die Einschätzung der Optimisten einiges für sich: „Die stetig steigende mobile Mediennutzung, zu der ein Kopfhörer unabdingbar ist, sorgt für ein wachsendes und umsatzträchtiges Segment“, heißt es seitens der gfu. Ob MP3-Player, Smartphone oder Tablet-PC - ein Kopfhörer gehöre einfach dazu.

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