https://www.faz.net/-gqe-94tvc

Neue Studie : VW unterstützte Diktatur in Brasilien

  • Aktualisiert am

Volkswagenparade in Rio de Janeiro Bild: Reuters

Opfer der Militärdiktatur boykottieren die Vorstellung der Studie, die Volkswagen selbst in Auftrag gegeben hat. Sie werfen dem Konzern vor, nicht ausreichend auf sie zugegangen zu sein.

          Eine unabhängige Studie wirft dem VW-Konzern Repressalien gegen Oppositionelle in seinen brasilianischen Fabriken während der Militärdiktatur (1964-85) vor. „Der Werkschutz überwachte oppositionelle Aktivitäten seiner Beschäftigten und erleichterte durch sein Verhalten die Verhaftung von mindestens sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, heißt es in einer nun in Brasilien vorgestellten Untersuchung des Historikers Christopher Kopper von der Universität Bielefeld. Der VW-Konzern hatte sie selbst in Auftrag gegeben, er will auf die damaligen Opfer zugehen.

          Überschattet wurde die Vorstellung in São Bernardo do Campo von einem Boykott durch die damaligen Opfer um den Arbeiter Lucio Bellentani, der dem Konzern trotzdem ein unzureichendes Zugehen auf die Diktaturopfer vorwirft. Da sie eine Einladung ablehnten, reiste auch nicht wie erst geplant Personalvorstand Karl-Heinz Blessing an, um mit den Opfern zu sprechen, wie ein VW-Sprecher mitteilte.

          Uneingeschränkte Billigung der Militärregierung

          Volkswagen do Brasil ist seit 1953 im fünftgrößten Land der Welt aktiv und beschäftigt dort rund 20.000 Menschen. Nach der Aussage von Lucio Bellentani ließ der VW-Werkschutz nicht nur seine Verhaftung, sondern auch seine Misshandlung durch die Politische Polizei auf dem Werksgelände geschehen. „Die Korrespondenz mit dem Vorstand in Wolfsburg zeigt bis 1979 eine uneingeschränkte Billigung der Militärregierung“, so Kopper. VW wollte sich so ein gutes Marktumfeld sichern. „Die staatliche Kontrolle der Lohnentwicklung und der Gewerkschaften hielten die Löhne auf einem niedrigeren Niveau als in einer pluralistischen Demokratie.“

          VW prüft auch Opferentschädigungen. Ein Sprecher betonte, man arbeite mit den Behörden in Brasilien zusammen, bisher sei aber keine Anklage erhoben worden. „Es bleibt abzuwarten, wie die Staatsanwaltschaft die Studie bewertet“, so der VW-Sprecher.

          Weitere Themen

          Untersuchung von Tech-Konzernen angekündigt Video-Seite öffnen

          Amerikanische Justiz : Untersuchung von Tech-Konzernen angekündigt

          Die amerikanische Regierung kündigte Untersuchungen in die Wettbewerbspraktiken einiger großer Technologie-Unternehmen an. Sollten Gesetzesverstöße festgestellt werden, werde man "entsprechend handeln", hieß es am Dienstag in einer Erklärung des Justizministeriums in Washington.

          Harte Kontrolle der Finanzberater

          Neuer Aufsichtsplan : Harte Kontrolle der Finanzberater

          Ab 2021 soll die Finanzaufsicht Bafin die Kontrolle freier Finanzvermittler an sich ziehen. Den Plan dafür haben mehrere Bundesministerien ausgehandelt. Profitieren sollen davon vor allem die Anleger.

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.