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Neue Strategie : Tchibo möbelt sein Geschäftsmodell auf

Auf modern getrimmt: Kunden vor einem Geschäft der Tchibo-Marke Qbo in Berlin Bild: Picture-Alliance

Der Kaffeekonzern tritt mit schöneren Läden und einem neuen Warenkonzept gegen die Konkurrenz aus dem Internet an. Baustellen gibt es aber weiter genügend.

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          Die Filiale an der Langen Reihe in Hamburg ist leicht zu übersehen. Eingeklemmt zwischen der Pizzeria „Casa Nostra“ und einer Apotheke, springt der Tchibo-Laden den Passanten, die durch die Einkaufsstraße im Stadtteil St. Georg eilen, nicht direkt ins Auge. Die unauffällige Lage steht aber im starken Gegensatz zur Bedeutung, die dieser Laden für die Zukunft der Handels- und Kaffeekette aus Hamburg hat. Denn im Inneren gibt es viel Neues zu sehen.

          Christian Müßgens
          (cmu), Wirtschaft

          Tische aus dunklem Holz, auf denen sich die Waren stapeln, ein großer Flachbildschirm an der Wand zur Bestellung von Online-Artikeln, Stationen zum Verkosten neuer Kaffeesorten: Auf wenigen Quadratmetern lässt sich hier bestaunen, wie Tchibo die Zukunft des stationären Handels sieht.

          Ob und wenn ja, wie schnell dieses neue Filialkonzept in der Fläche ausgerollt wird, ist offen. Trotzdem zeigen die Testläden, von denen Tchibo insgesamt drei betreibt, dass das Management sich verstärkt Gedanken über die zukünftige Ausrichtung macht. Sichtbar wird das auch an einem anderen Projekt, das der Konzern in diesen Tagen abschließen will und dessen Tragweite noch deutlich größer ist: Die Umstellung der Sortimente.

          Wurde die Ware bislang im Wochenrhythmus durchgetauscht, gibt es jetzt in allen 680 Filialen feste Kategorien, die nur noch fünfmal im Jahr die Auswahl wechseln. „Damit schaffen wir eine größere Verlässlichkeit im Angebot, ohne unsere große Stärke aufzugeben: den Kunden mit wechselnden Produkten zu überraschen“, sagt der Tchibo-Chef Thomas Linemayr.

          Die treibende Kraft hinter dem Umbau

          Der Handlungsdruck ist groß, denn Tchibo steht von vielen Seiten unter Beschuss. Im Kaffeemarkt, wo der Konzern zu den größten Röstern der Welt gehört, herrscht hoher Preisdruck. Doch vor allem das Geschäft mit der wechselnden Aktionsware wird schwieriger. Um den aggressiven Online-Händlern und den Discountern auf diesem Feld etwas entgegenzusetzen, will Tchibo die Anziehungskraft der Läden stärken.

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          Freundlicher, heller und übersichtlicher sollen sie werden. Die Reduzierung auf vier Kernkategorien (Damenoberbekleidung, Sport, Unterwäsche, Küche & Heim), zuzüglich einer kleinen Auswahl wöchentlich wechselnder Angebote ohne feste Rubrik, ist dafür ein wichtiger Baustein: „Für das Unternehmen und die Mitarbeiter ist das eine große Umstellung“, sagt Linemayr, der zum Jahreswechsel die Führung übernommen hat. „Aber ich bin sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

          Treibende Kraft hinter dem Umbau ist der Tchibo-Eigner Michael Herz. Der 73 Jahre alte Milliardär aus Hamburg, dessen Holding Maxingvest auch 50 Prozent der Beiersdorf AG kontrolliert, hatte zuletzt wenig Freude an Tchibo. Nach letzten verfügbaren Zahlen stagnierte der Umsatz bei 3,4 Milliarden Euro, das Ergebnis war rückläufig. Linemayr, der auf den langjährigen Geschäftsführer Markus Conrad gefolgt ist, soll jetzt wieder für Schwung sorgen. Mit mehr Online-Handel, einem schnelleren Filialgeschäft und maßvoller Auslandsexpansion will er ein Umsatzplus von durchschnittlich etwa 3 Prozent erreichen, heißt es im Konzern.

          Dem Vernehmen nach sollen dafür auch die Abläufe verbessert und gestrafft werden, wofür ein eigenes Programm namens „One Tchibo“ geplant ist. Linemayr will zu alldem nichts sagen, nur so viel: „Das Unternehmen wird effizienter und beweglicher, das ist das wichtigste Ziel.“ Tchibo habe ein „komplexes Geschäftsmodell“ und müsse deshalb immer daran arbeiten, die Abläufe möglichst einfach zu halten.

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