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Neue Hinweise im Korruptionsskandal : Siemens vertagt Entlastung der Vorstände

  • Aktualisiert am

Er ist von der Vertagung der Entlastung ausgenommen: Siemens-Chef Peter Löscher Bild: dpa

Die Korruptionsaffäre bei Siemens könnte bis in die Vorstandsetage reichen. Das hat die intern ermittelnde Anwaltskanzlei in einem Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden mitgeteilt. Jetzt will das Unternehmen die geplante Entlastung der Vorstände vertagen.

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          Die Spitze des Siemens-Aufsichtsrats will die Entlastung der früheren Vorstände nun doch vertagen. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 24. Januar nicht über das Topmanagement aus dem Jahr 2007 urteilen. Auch die Abstimmung über Heinrich von Pierer, den im April zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden, soll verschoben werden. Nur der amtierende Konzernchef Peter Löscher soll wie geplant entlastet werden.

          Dieser Vorschlag von Präsidium und Vorstand solle dem Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung am 21. Januar vorgelegt werden, heißt es bei Siemens. Auch für die Aufsichtsratsmitglieder, die vor ihrer Tätigkeit in dem Kontrollgremium seit 1999 Vorstandsmitglieder waren, solle die Entlastung vertagt werden.

          Hinweise reichen bis in die Vorstandsetage

          Damit folgt Siemens einer Empfehlung der amerikanischen Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton, die intern der Korruptionsaffäre nachgeht. In einem Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme hatte die Kanzlei mitgeteilt, dass sie neue Informationen zu den Korruptionspraktiken im Konzern erhalten habe.

          „Im Besonderen betreffen bestimmte neue Informationen das Verhalten und die Kenntnisse einer Reihe von Personen, die innerhalb einiger vergangener Jahre Mitglieder des Vorstands waren“, heißt es in dem Brief der Kanzlei. Konkrete neue Erkenntnisse über einzelne Personen gebe es noch nicht.

          Die Mitarbeiter packen aus

          Diese Hinweise habe die Kanzlei auch von den Teilnehmern an dem Amnestie-Programm erhalten. Im Rahmen dieses Programms hatte der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Peter Löscher, den Beschäftigten ein Angebot gemacht: Wer in Sachen Schmiergeldaffäre auspackt, dem drohen keine Schadenersatzforderungen.

          Die Entlastung von Konzernchef Löscher soll nicht verschoben werden, da er erst Mitte 2007 zu Siemens kam und deshalb mit der Schmiergeld-Affäre nichts zu tun habe, hieß es weiter. Löscher hatte im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ angekündigt, den Skandal vollständig aufklären zu wollen (siehe dazu auch: Siemens-Chef Löscher im Gespräch: „Das Geschäft brummt“). Dabei geht es um 1,2 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen, die vorwiegend im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein sollen.

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