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Sandalenhersteller : Neue Eigner sollen Birkenstock in Asien bekannter machen

Birkenstock-Filiale in Berlin Bild: Reuters

Die Familie Birkenstock gibt die Mehrheit am Sandalenhersteller ab. Unter den Investoren ist LVMH-Chef Arnault. Er sieht lukratives Geschäft im Osten.

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          Der Sandalenhersteller Birkenstock soll unter neuem Eigentümer vor allem in Asien expandieren, wo er bisher wenig präsent ist. Es gebe überall Wachstumspotential für Birkenstock, „aber nirgendwo trifft das mehr zu als in Asien“, teilte auf F.A.Z.-Anfrage Michael Chu mit, Ko-Vorstandschef der Beteiligungsgesellschaft L Catterton, die eng mit dem französischen Luxusunternehmen LVMH verbunden ist und den milliardenschweren Erwerb am Freitag bestätigte. „Unser Asienfonds und unser Team vor Ort in der Region haben eng zusammengearbeitet, um dieses Potential zu bewerten.“

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Birkenstock ist in Europa und Amerika bekannt, im Osten weniger. Einen Ansatz gibt es aber: Im asiatisch-pazifischen Raum sei man in 15 Ländern vertreten, mit mehr als tausend Läden und Duty-Free-Filialen, teilte Birkenstock auf Anfrage mit. In Indien sei man Anfang 2020 auf den Markt gekommen, in Japan gebe es seit vier Jahren eine Vertriebsniederlassung in Tokio, in Hongkong seit 2017 ein Regionalbüro. Laut Unternehmenskreisen trägt Asien inzwischen einen prozentual zweistelligen Umsatzanteil bei.

          L Catterton und Birkenstock gaben am Freitag die Mehrheitsübernahme bekannt, die sich in den Tagen zuvor schon abgezeichnet hatte. Die bisherige Eignerfamilie bleibt mit einem größeren Minderheitsanteil beteiligt. Keine der Parteien nannte Einzelheiten zur Transaktion, doch wird der Sandalenhersteller nach Angaben aus Branchen- und Finanzkreisen mit etwa 4 Milliarden Euro bewertet.
          Maßgeblicher Akteur und Mitinvestor bei L Catterton ist Bernard Arnault, Großaktionär des Luxuskonzerns LVMH. Birkenstock hatte im vergangenen Jahr die Investmentbank Goldman Sachs mandatiert, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, das vor allem für seine Fußbett-Sandalen bekannt ist. Ein Bieterverfahren wurde aufgesetzt; ins fortgeschrittene Stadium rückte dabei auch der Finanzinvestor CVC mit dem DeutschlandChef und früheren Goldman-Sachs-Banker Alexander Dibelius. Zuletzt verhandelte Birkenstock dann exklusiv mit L Catterton.

          Französisch-amerikanischer Investor

          Nach Informationen der F.A.Z. stehen auf Bankenseite Citi, Credit Suisse, Bank of America und HSBC an der Seite von L Catterton, um die Transaktion zu finanzieren. Die Beteiligten lehnten dazu eine Stellungnahme ab oder waren am Freitag nicht erreichbar. L Catterton wurde im Jahr 2016 als Gemeinschaftsprojekt gegründet: Der amerikanische Finanzinvestor Catterton tat sich damals im Kern mit dem Private-Equity-Zweig von LVMH zusammen. Zu LVMH gehören Marken wie Louis Vuitton und Moët Hennessy, welche dem Unternehmen die Namen in Abkürzung liefern, daneben beispielsweise Fendi und Christian Dior. Der Konzern betreibt auf der ganzen Welt Tausende eigene Geschäfte, unter anderem in Luxus-Einkaufszentren asiatischer Metropolen wie Singapur und Hongkong. An Birkenstock beteiligt sich auch Arnault direkt.

          Die Unternehmen im Reich von L Catterton sind in Deutschland überwiegend wenig bekannt, am meisten sticht noch der Kleidunganbieter Pepe Jeans heraus mit den Hauptmarken Pepe Jeans and Hackett. Als eine der Spezialitäten von L Catterton gilt es, Marken nach Asien zu bringen oder den Marktauftritt dort auszubauen. Die Gesellschaft steht nach eigenen Angaben für 23 Milliarden Dollar investiertes Kapital und sieht sich als global größte auf Konsumgüter spezialisierte Beteiligungsgesellschaft. Sie und ihre Vorgängergesellschaft haben seit 1989 etwa zweihundert Investitionen in Verbrauchermarken getätigt. Birkenstock habe sich zu „einer der wenigen ikonischen Marken“ in der Schuhindustrie entwickelt, ließ Arnault sich am Freitag in einer Mitteilung zitieren.

          Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung von Wettbewerbsbehörden. Aus Sicht von Fusionsberatern ist sie ein Zeichen dafür, dass das Übernahmegeschehen rege weiterläuft – auch wenn momentan am Kapitalmarkt Börsengänge im Vordergrund stehen und zum Beispiel Private-Equity-Gesellschaften nun öfters diesen Weg als Exit aus Unternehmen vorziehen.

          Brüder Birkenstock bleiben beteiligt

          Die Brüder Christian und Alexander Birkenstock bleiben an dem Unternehmen beteiligt – in der Schlussphase der Verhandlungen war die Rede gewesen von einem Paket in der Größenordnung um die 30 Prozent. Ein dritter Bruder war vor einigen Jahren ausgestiegen. Der jetzige Geschäftsführer Oliver Reichert ist in der Unternehmensgeschichte der erste externe Manager an der Spitze. Die Birkenstock GmbH & Co. KG verkaufte laut Bundesanzeiger im Geschäftsjahr 2018/19 (zu Ende September) 23,8 Millionen Schuhe. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf mehr als 721,5 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um etwa ein Drittel auf 161 Millionen Euro.

           

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