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Neue Armee-Ausrüstung : Gepanzert wie die Filmhelden

Der Ganzkörperanzug aus dem Superhelden-Film „Iron Man“ war das Vorbild für die Entwicklung des Talos-Systems Bild: Shooting Star / eyevine

Unternehmen arbeiten für das amerikanische Militär an neuartigen Ganzkörperrüstungen - auch ein Spezialeffekte-Studio aus Hollywood war an der Produktion beteiligt. Die Entwicklung soll bei der Entwicklung der „Exoskelette“ aber nicht aufhören.

          Hollywood liebt Superhelden. Ob Spider-Man, Batman oder Iron Man – Filme mit Figuren, die übermenschliche Kräfte haben, werden regelmäßig zu Kassenknüllern. Manchmal können diese Filmspektakel aber mehr sein als Unterhaltung für das Kinopublikum und zur Inspiration für die reale Welt werden. Das amerikanische Militär nimmt derzeit Anleihen bei „Iron Man“, der Filmreihe über den gleichnamigen gepanzerten Superhelden, in den sich der von Robert Downey Jr. gespielte Industrielle Tony Stark verwandelt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Streitkräfte arbeiten an einer Ganzkörperrüstung nach dem Vorbild von Iron Man, die Soldaten besser schützen und leistungsfähiger machen soll. In das Projekt sind neben Universitäten und staatlichen Forschungseinrichtungen auch Dutzende von Unternehmen eingebunden, darunter große Verteidigungskonzerne wie Lockheed Martin und Raytheon. Sogar aus Hollywood selbst kommt Unterstützung, denn auch das Spezialeffekte-Studio Legacy Effects hilft bei der Entwicklung des Militäranzugs mit. Dort wurde die Ausrüstung für Iron Man und etliche andere Filmfiguren wie Robocop oder Captain America ersonnen.

          Wie könnte ein realer Iron Man aussehen?

          Die hinter dem Iron-Man-Panzer stehende Idee eines am Körper getragenen Roboters, auch Exoskelett genannt, findet indessen auch anderswo Anwendung. „Exoskelette sind eine ganz neue Industrie“, sagt Russ Angold, Mitgründer des kalifornischen Unternehmens Ekso Bionics, das an dem Militärprojekt beteiligt ist, daneben aber auch tragbare Roboter für den medizinischen Einsatz als Gehhilfen verkauft. Das Militärprojekt heißt „Talos“, wie der bronzene Riese aus der griechischen Mythologie, der über die Insel Kreta wacht.

          Mit maschineller Unterstützung in die Schlacht: der Prototyp des Talos-Systems für das amerikanische Militär

          Angestoßen wurde das Vorhaben im vergangenen Jahr von der Kommandozentrale der amerikanischen Spezialeinheiten, zu denen zum Beispiel die Gruppe gehört, die 2011 Usama Bin Ladin getötet hat. Die Zentrale suchte nach Wegen, einen robusteren Kampfanzug zu entwickeln, nachdem vor knapp zwei Jahren ein Mitglied der Einheiten bei einer Befreiungsaktion für eine amerikanische Geisel in Afghanistan erschossen wurde. Talos soll nach den Vorstellungen der Streitkräfte eine Uniform mit integrierter Waffe werden, die dem Träger „übermenschliche Stärke“ verleiht und ihn gleichzeitig besser schützt, wenn auf ihn geschossen wird, hieß es in einer Mitteilung aus dem vergangenen Jahr, bei der das Projekt vorgestellt wurde. Das Exoskelett soll es erlauben, deutlich schwerere Lasten zu tragen, als dies aus eigener Kraft möglich wäre. Über Sensoren in dem Anzug sollen außerdem Vitalparameter wie Körpertemperatur oder Herzfrequenz überwacht werden.

          Ekso Bionics und die anderen beteiligten Unternehmen brüten nun über der Frage, wie ein realer Iron Man aussehen könnte. Dabei kam Ekso-Mitgründer Angold auf die Idee, Legacy Effects einzubeziehen, die Spezialisten für fiktive Superhelden aus Hollywood. „Die verstehen etwas davon, wie man eine Rüstung um einen Menschen herum bauen kann“, sagt Angold über seinen Partner. Vor wenigen Wochen habe sein Unternehmen die ersten beiden Prototypen abgeliefert, und nun werde an der nächsten Version getüftelt.

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