https://www.faz.net/-gqe-rihq

Neue Ängste : „Schwarzer Montag“ verschärft Finanzkrise

  • Aktualisiert am

Es sieht so aus, als könnte Lehman einpacken Bild: REUTERS

Dramen an der Wall Street: Die Investmentbank Lehman Brothers meldet Konkurs an. Die Bank of America übernimmt ihre Rivalin Merrill Lynch. Und der Versicherer AIG sucht verzweifelt nach einem Milliardenkredit. Wir erklären Schritt für Schritt, was passiert ist - und wie ängstlich die Akteure weltweit reagiert haben.

          Drama an der Wall Street: In der vergangenen Nacht ist nicht nur die viertgrößte amerikanische Investmentbank Lehman Brothers kollabiert, nachdem der Staat und andere Kreditinstitute erstmals bei einem solch großen Unternehmen Hilfen abgelehnt hatten. Zur gleichen Zeit wurde außerdem die Investmentbank Merrill Lynch von der Bank of America aufgekauft. Und einer der weltgrößten Versicherer, die amerikanische AIG, hat die Notenbank anscheinend um einen Überbrückungskredit von 40 Milliarden Dollar gebeten.

          Lehman Brothers hatte in der Nacht zu Montag mitgeteilt, sie habe nach dem Scheitern von Rettungsversuchen Gläubigerschutz beantragt. Die amerikanische Regierung schloss die zuvor in anderen Fällen geleisteten Staatshilfen bis zuletzt aus. Der Gläubigerschutz nach amerikanischem Recht (Chapter 11) gelte nicht für das Broker- und Handelsgeschäft sowie einige Tochtergesellschaften wie die Vermögensverwaltungstochter Neuberger Berman, teilte die Bank weiter mit. Das Broker- und Handelsgeschäft soll verkauft werden. Die Gespräche für den bereits länger geplanten Verkauf der Investmentsparte liefen weiter, hieß es.

          Das nächste Drama kündigt sich schon an

          Die Bank of America - ursprünglich ein Kaufinteressent für Lehman - übernimmt ihre Rivalin Merrill Lynch. Die Übernahme habe einen Wert von 50 Milliarden Dollar, der in Aktien gezahlt werden solle, teilte die Bank of America in der Nacht auf Montag mit. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden. Im zweiten Quartal 2008 war Merrill Lynch wegen neuer milliardenschwerer Abschreibungen abermals tief ins Minus gerutscht: Das Institut meldete zuletzt im Juli einen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar.

          Darüber hinaus kündigt sich das nächste Drama beim amerikanischen Versicherungsriesen AIG an. Der weltgrößte Versicherungskonzern kündigte eine Neuordnung seines Geschäftes an, nachdem die AIG-Aktie in den letzten Tagen um 45 Prozent eingebrochen ist. Am Montag verlor die Aktie kurz nach Handelsbeginn abermals 42 Prozent. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass der neue AIG-Chef Robert Willumstad, der im Juni das Ruder bei AIG übernommen hat, sich von Konzernbereichen trennt, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Zusätzlich versuche die Konzernführung, eine Finanzspritze in Höhe von 40 Milliarden zu erhalten - möglicherweise von der amerikanischen Notenbank Fed. Der Versicherer hat in diesem Jahr bereits 20 Milliarden Dollar frisches Kapital aufgenommen.

          Die dramatische Verschärfung der Finanzkrise hat weltweit Reaktionen der unterschiedlichsten Akteure hervorgerufen. Wir zeigen Schritt für Schritt auf, welche Konsequenzen die Beteiligten rund um den Globus an diesem schwarzen Montag gezogen haben:

          Teil 1 - Die Reaktion der anderen Banken: Großbanken bilden Konsortium

          Teil 2 - Finanzkrise führt zu starken Kursverlusten

          Teil 3 - Die Reaktion der europäischen Zentralbanken: Notenbanken pumpen Milliarden in den Markt

          Teil 4 - Die Reaktion der deutschen Politik: Finanzministerium, Bafin und Bundesbank

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Spitzen der großen Koalition bei ihrem Treffen im Kanzleramt

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Die Spitzen der großen Koalition haben bei der Reform der Grundsteuer einen Kompromiss erzielt. Das Gesetz soll nach monatelangem Streit noch vor der Sommerpause im Bundestag beraten werden.

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.