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Netzausbau und Kabelkonkurrenz : 2009 wird für Telekomfirmen zum Schicksalsjahr

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Wohin steuert die Telekommunikationsbranche? 2009 wird es entschieden Bild: dpa

Die Weichen werden neu gestellt: Überholspur oder Abstellgleis lautet für viele Telekommunikationsunternehmen im Jahr 2009 in Deutschland die entscheidende Frage. Kooperationen werden den Markt prägen. Das gilt vor allem für den Bau der neuen Hochgeschwindigkeitsnetze.

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          Die Weichen werden neu gestellt. Überholspur oder Abstellgleis lautet für viele Telekommunikationsunternehmen im Jahr 2009 in Deutschland die entscheidende Frage. Die strategischen Entscheidungen der Unternehmen in den kommenden zwölf bis 18 Monaten werden nach der Überzeugung vieler Fachleute darüber entscheiden, wie gut die einzelnen Anbieter für den künftigen Wettbewerb positioniert sind und welche Segmente in der Wertschöpfungskette sie erobern oder behaupten können.

          Dabei zeichnet sich schon heute vor allem eine Tendenz klar ab: Kooperationen und Zusammenschlüsse werden im künftigen Wettbewerbsumfeld eine deutlich größere Rolle spielen als bisher. Das gilt für die Zusammenarbeit zwischen den Wettbewerbern der Deutschen Telekom, und es gilt für das Zusammengehen von Telekommunikationsunternehmen und Kabelnetzbetreibern. Es gilt vor allem aber auch für Kooperationen zwischen der Telekom und ihren Wettbewerbern.

          Für all diese Varianten gibt es inzwischen Beispiele: So arbeiten die Wettbewerber der Telekom schon heute in einzelnen Fällen zusammen - wollen diese Kooperation aber offenbar künftig noch verstärken. Am 22. des Monats laden Hansenet, EWE Tel, die deutsche Telefónica sowie Versatel und QSC nach Berlin. Das Thema: Die Zukunft der Breitbandverkabelung in Deutschland. Dabei kann es um eine weiter gehende Kooperation der Unternehmen beim Ausbau der eigenen Breitbandnetze auf der einen Seite und um eine Präzisierung des Angebotes der Telekom-Wettbewerber, die weißen Flecken auf der DSL-Landkarte zu schließen, auf der anderen Seite gehen.

          Eine bisher fast undenkbare Vorstellung

          Der Anbieter Vodafone mit der Tochtergesellschaft Arcor geht hingegen offenbar einen eigenen Weg und sorgt damit für eines der ersten Beispiele einer Kooperation zwischen der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern. Eine bisher fast undenkbare Vorstellung, die allerdings immer stärker in den Fokus der Überlegungen gerät. Auf beiden Seiten. Erst vor wenigen Tagen teilten die Telekom und Vodafone mit, gemeinsam in Heilbronn und Würzburg den VDSL-Ausbau voranzutreiben. Das Modell ist einfach: Entweder ein Anbieter baut alleine aus und öffnet das Netz gegen ein entsprechendes Entgelt für den Partner. So soll es in Heilbronn funktionieren, wo Vodafone den Ausbau übernimmt. Oder es wird von Anfang an gemeinsam gebaut, und beide nutzen später das Netz. So soll es in Würzburg sein, wo Arcor schon vor Jahren den lokalen Stadtnetzbetreiber übernommen hat und daher über eine gute, eigene Infrastruktur verfügt.

          Ziel all dieser Anstrengungen der Telekommunikationsanbieter ist es, möglichst schnell und vor allem flächendeckend ein Netz aufzubauen, das auf der einen Seite hohe Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit in der Sekunde und mehr bereitstellen kann. Auf der anderen Seite geht dieser Ausbau aber auch mit einer grundlegenden Neugestaltung des Netzes einher. Es wird an einer Infrastruktur gebaut, in der die Übertragung allein auf dem Internet Protokoll (IP) beruht. Es wäre nach Ansicht der Beobachter daher ein Fehler, so zu tun, als ob es allein um eine technische Weiterentwicklung des bestehenden Netzes ginge. Im Gegenteil: Den Telekommunikationsunternehmen steht ein systemischer Wechsel auf eine reine IP-Umgebung bevor. In diese Richtung werden die Weichen gestellt, und bis zum Jahr 2014 soll dieser Prozess weitgehend abgeschlossen sein. Die tiefgreifenden Konsequenzen dieses Systemwechsels werden aber schon deutlich früher spürbar. Dies wird vor allem auch die weiterhin notwendige Regulierung des Marktes vor neue Aufgaben stellen.

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