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Streamingdienst : So analysiert Netflix seine Nutzer

Damit die Serien in unterschiedlichen Sprachen erfolgreich sind, legt Netflix viel Wert auf die Synchronisierung. Für „Stranger Things“ etwa wurden Hunderte Kinder gecastet, die möglichst ähnlich sprechen wie die Originaldarsteller. Auch Witze oder popkulturelle Anspielungen müssen sowohl auf katalan, japanisch als auch deutsch funktionieren. Die Schauspielerin Winona Ryder, die eine der Hauptrollen in „Stranger Things“ spielt, wird auch in der Serie von der Sprecherin synchronisiert, die ihr schon in Auftritten in bekannten Filmen wie „Beetlejuice“ oder „Bram Stokers: Dracula“ die Stimme geliehen hat. Besonders in Deutschland sind solche Wiedererkennungswerte wichtig, vier Fünftel der Zuschauer hierzulande schauen „Stranger Things“ in der deutschen Fassung. In Japan sind es weniger als ein Drittel.

Tim Ives ist der Chefkameramann von „Stranger Things“, er hat in seiner Laufbahn mit vielen Filmstudios und Fernsehproduzenten zusammengearbeitet. „Im normalen Kabelfernsehen mit den Werbekunden gibt es viel striktere Codes, was man darf und was nicht.“ „Stranger Things“ habe kaum Schimpfwörter oder nackte Menschen. „Irgendwie haben es die Macher geschafft, den Massengeschmack zu treffen, ohne jemanden zu beleidigen“, sagt Ives und grinst. „Die Zusammenarbeit mit Netflix war sehr kreativ und ich fühle mich immer gut unterstützt“, sagt der Filmemacher.

Tausende Geräte brauchen tausende Optionen

In der neuen digitalen Streamingwelt gibt es indes andere Herausforderungen an eine Serie. Es gibt Tausende unterschiedliche Geräte, der eine schaut Filme auf einem Tablet von LG, der andere auf einem Samsung-Smartphone. Wieder andere nutzen ihren Laptop und einige brauchen den riesigen Fernsehbildschirm. „Ich dränge meine Familie dazu, die Serie auf einem möglichst großen Bildschirm zu schauen“, sagt Ives. Aber er sei guter Dinge, dass die Serie auch auf einem Smartphone wirken könne. „Allerdings diktiert so etwas nicht meine Arbeit, wir filmen die Szenen, wie sie uns richtig erscheinen.“

Dafür diktiert es umso mehr die Arbeit von Yellin. Aufgrund der verschiedenen Geräte und der unterschiedlichen Internetverbindungen je nach Situation – ob man Zuhause sitzt oder in der Bahn, ob man in Finnland schnelles Internet hat oder in Königs-Wusterhausen eher langsames – hat Netflix das sogenannte „adaptive Streaming“ entwickelt. Mindestens einmal pro Minute analysiert das Unternehmen, wie gut die Internetverbindung ist, damit die Qualität des Bildes notfalls runtergeregelt wird, wenn die Verbindung schlechter wird. Denn nichts ist für den amerikanischen Konzern so schlimm wie ein Verbindungsverlust oder lange Ladezeiten.

Jede Szene wird analysiert

Das geht so weit, dass einzelne Szenen unterschiedlich verarbeitet werden: Wenn ein Schauspieler vor einer weißen Wand steht, braucht es weniger Rechenleistung, als wenn sich der Hintergrund ständig verändert, zum Beispiel an einer viel befahrenen Kreuzung. Das könnte in Zukunft noch wichtiger werden. Noch werden gut die Hälfte aller Serien und Filme auf Netflix auf Laptops abgespielt, doch schon gut ein Fünftel läuft auf Smartphones und Tablets. Tendenz steigend.

Gleichzeitig will Netflix in Zukunft mehr Serien und Filme zum Herunterladen anbieten. Heute nutzen nur weniger als 15 Prozent der Mitglieder diese Funktion, um Inhalte etwa auch im Flugzeug anschauen zu können.

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