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Streamingdienst : Netflix startet Billig-Abo

Netflix-Serie „Die Kaiserin“ Bild: dpa

Der Videodienst bringt im November eine Version mit Werbung für 4,99 Euro. Damit macht er zähneknirschend eine Kehrtwende.

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          Netflix hat sich immer gerühmt, seinen Abonnenten keine Werbung zuzumuten. Dies war immer ein wesentliches Argument, mit dem sich der Videodienst vom traditionellen Fernsehen abzugrenzen versucht hat. Inmitten einer erheblichen Abschwächung des Geschäfts hat das Unternehmen aber im April eine überraschende Kehrtwende gemacht und angekündigt, an einer werbefinanzierten – und billigeren – Version seines Abonnements zu arbeiten.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dies wird nun bald Realität: Am Donnerstag kündigte Netflix den Start des Billig-Abos im November in zwölf Ländern an, auch in Deutschland. Es soll hier 4,99 Euro im Monat kosten. Das liegt deutlich unter dem bislang billigsten Netflix-Abonnement, das für 7,99 Euro zu haben ist. Die besonders beliebte Standardversion, mit der Filme und Fernsehshows in hoher Auflösung und auf mehreren Bildschirmen gleichzeitig angesehen werden können, kostet 12,99 Euro.

          Beim neuen billigeren Dienst sollen die Nutzer im Schnitt vier bis fünf Minuten Werbung in der Stunde zu sehen bekommen. Ein anderer Unterschied zu den gewöhnlichen Abonnements soll darin bestehen, dass keine Inhalte heruntergeladen werden können. Zudem werden dort „aus Lizenzgründen“ manche Inhalte nicht verfügbar sein, wobei dies nur für einen sehr kleinen Teil des Angebots gelten soll und auch nicht für die von Netflix selbst produzierten Shows wie „Stranger Things“ oder „The Crown“.

          Das neue Abonnement mit Werbung startet etwas schneller erwartet, im Juli war noch von einer Einführung Anfang nächsten Jahres die Rede. Nun kommt Netflix dem Unterhaltungskonzern Walt Disney zuvor, der mit seinem Streamingdienst Disney+ in jüngster Zeit zu einem der schärfsten Rivalen geworden ist. Am 8. Dezember soll eine werbefinanzierte Variante von Disney+ starten.

          Kannibalisierungseffekte?

          Von seinem billigeren Abonnement erhofft sich Netflix zum einen eine bedeutende neue Umsatzquelle in Form von Werbeeinnahmen, zum anderen weitere Abonnenten. Dem steht die Gefahr eines Kannibalisierungseffekts gegenüber, falls bestehende Kunden zur Billigversion wechseln. Produktchef Gregory Peters zeigte sich kürzlich zuversichtlich, unter dem Strich den Abonnentenkreis ausweiten zu können. Der billigere Dienst könne eine Reihe zusätzlicher Kunden bringen, etwa solche, die bisher kein Abonnement abgeschlossen oder es wieder gekündigt hätten. Als Kunden für das neue Abonnement kämen auch Menschen infrage, die Netflix zwar nutzten, aber nicht dafür bezahlten, weil sie Passwörter anderer Kunden verwendeten. Analysten trauen Netflix zu, innerhalb kurzer Zeit Milliardenumsätze mit Werbung zu machen.

          Der Videodienst steht derzeit unter Zugzwang. Er musste nun zwei Quartale in Folge einen Rückgang bei seinen Abonnentenzahlen in Folge hinnehmen. Damit kam eine lange Wachstumsgeschichte zu einem jähen Halt, zuvor hatte er mehr als ein Jahrzehnt lang stetig Kunden gewonnen. Netflix macht für die Abschwächung makroökonomische Gründe wie die hohe Inflation verantwortlich, aber auch die verstärkte Konkurrenz.

          Das ist insofern bemerkenswert, weil das Unternehmen sich mit Blick auf die Konkurrenz lange demonstrativ unbesorgt gegeben hat. In den vergangenen Jahren haben immer mehr etablierte Unterhaltungskonzerne wie Disney eigene Streamingdienste gestartet, auch Technologiegiganten wie Apple und Amazon mischen in dem Geschäft mit. Gerade Disney+ ist rasant gewachsen und hat nicht einmal drei Jahre nach seinem Start schon mehr als 150 Millionen Abonnenten. Netflix hatte zuletzt rund 220 Millionen Kunden.

          „Fan von Auswahl für die Kunden“

          Als Netflix im April erstmals ein billigeres Abonnement mit Werbung ankündigte, gab Ko-Vorstandsvorsitzender Reed Hastings zu, diesen Schritt zähneknirschend zu gehen. Er sagte, er sei immer ein „großer Fan“ eines einfachen, gebührenfinanzierten Modells gewesen. „Aber sosehr ich ein Fan davon bin, bin ich ein noch größerer Fan von Auswahl für die Kunden.“

          Netflix ist nicht alleine, auch andere Videodienste haben Varianten mit Werbung oder bereiten dies vor. Im Falle von Disney+ geschieht das parallel mit einer Preiserhöhung. Das für Dezember geplante Abonnement mit Werbung soll in den USA 7,99 Dollar kosten und damit so viel wie bislang der reguläre Dienst. Dessen Preis soll auf 10,99 Dollar steigen. Für Deutschland hat Disney bisher noch keine werbefinanzierte Version angekündigt, hier kostet das gewöhnliche Abonnement heute 8,99 Euro.

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